Studium … eine Ära nähert sich dem Ende …

Generell geht das Sommersemester an meiner Uni am 01.04. los. Mein letztes Semester endet am 31.03.2013, also … gestern! Deswegen wird es höchste Zeit, fünfeinhalb Jahre meines Lebens Revue passieren zu lassen. Generell ist das Studentenleben eine einzige Party, geprägt von Selbstfindung, Individualismus, Freunde fürs Leben finden und alles ausprobieren, was man sich schon die ganze Schulzeit vorgenommen hat. Eine Zeit ohne Sorgen mit Haufenweise Freizeit, der ersten eigenen Bude, und das alles nur, um am Ende gereift und erwachsen in die Berufswelt einzusteigen – mit einem Lebenslauf, der strotzt vor neuen Erfahrungen, Eindrücken und Auslandsaufenthalten in mindestens einem Entwicklungsland. Dort hat man selbstverständlich hungernden Kindern Lesen und Schreiben beigebracht, wilde Löwen gezähmt und nachts am Lagerfeuer Gitarre gespielt. Generell macht die Uni aus uns weltoffene, selbstbewusste Lebemenschen, die sich immer rührselig an ihre wilde und aufmüpfige Studentenzeit zurück erinnern – damals … als man noch vor der Mensa gegen den vegetarischen Tag demonstriert hat.

Wenn ich mir solche feuchtäugigen Erinnerungen an die Studentenzeit anhöre, komme ich mir meist vor, als hätte ich meine Studienzeit auf dem Mars verbracht. Oder als wäre ich (mal wieder) nicht ganz richtig im Kopf, dass ich diese allumfassende Regenbogen-Träume-werde-wahr-Zeit nicht als das wahrgenommen habe, was sie ja so offensichtlich ist. Als müsste ich mich auf der Stelle selbst in die Geschlossene einweisen lassen, weil ich das Studentenleben die meiste Zeit eigentlich so richtig scheiße fand.

Los ging es ja noch ziemlich vielversprechend. Ich lernte in meinem ersten Semester viele neue Menschen kennen, die ebenso ratlos und orientierungslos durch die Stadt nach dem nächsten Lehrveranstaltungsort irrten wie ich. Ich bezog mein erstes eigenes Zimmer im Wohnheim, dessen Miete ich aus eigener Tasche bezahlte. Ich besuchte erste Lehrveranstaltungen, tingelte unter der Woche von einer Party zr nächsten, nur um am nächsten Morgen mit knallroten Augen und Kater im Seminar zu sitzen. Alles gut und schön. Studentisch.

Mit der Zeit, die ich studierte, folgte jedoch mehr und mehr die Ernüchterung. Wenn ich das Fenster meines Zimmers im Sommer offen lassen musste, konnte ich den Fernseher so laut drehen, wie ich wollte, ich verstand kein einziges Wort. Meine Küche gammelte vor sich hin, mein Gefrierfach funktionierte wahrscheinlich vor zehn Jahren das letzte Mal. Meine Mitbewohnerin schloss sich meist in ihrem Zimmer ein und zog irgendwann aus, ohne dass ich auch nur ihren Nachnamen erfahren hätte.  Die meisten Professoren waren fiese, kleine Giftzwerge, die uns nur zu gerne mitteilten, was für unwissende, unakademische kleine Würmchen wir doch waren. Was bei ihnen anscheinend nicht so hoch im Kurs stand, wurde unter den Kommilitonen ganz groß geschrieben: das Gutmenschentum. Jeder war ganz furchtbar individuell, hörte nur Musik von Bands, deren Namen keiner kannte und das auch nur solange, bis jemand sie kannte. Jeder fieberte danach, in den Seminaren sein Wissen kundzutun, bei Referaten schlaue, hintergründige Fragen zu stellen, die am Ende aber nur eines bezweckten: die Unwissenheit des Referenten zu entlarven. Politisch korrekt war natürlich auch jeder.  Kleidung war stets zweckmäßig und – ich wage es kaum auszusprechen – lässig. Im  Sommer fiel man stets unangenehm auf, wenn man Kleider, Röcke oder hohe Schuhe trug, welche die eigene Weiblichkeit betonten und sie nicht zugunsten der eigenen Genialität, die jeder Student zweifelsohne in sich trug, verbergen sollte. Gesprochen wurde über die aktuellen weltpolitischen Themen, die neuesten Artikel in seriösen Zeitschriften (dass ich gerne hin und wieder in der Glamour blättere habe ich mehrere Jahre lang vorsichtshalber nicht erwähnt…) und im Fernsehen liefen natürlich nur Dokus. Die waren selbstredend alle schlecht und unkorrekt – versteht sich ja von selbst.

Dies soll jetzt nicht heißen, dass ich mich mit niemandem gut verstanden habe oder dass ich  es nicht mag, mich auch mal über ernste oder wissenschaftliche Themen zu unterhalten. Es gab auch durchaus zwei bis drei Menschen, denen ich auch mal zeigen konnte, wie ich wirklich bin, und bei denen ich auch mal richtig schön oberflächlich sein durfte, ohne direkt ein pikiertes Stirnrunzeln zu ernten. Bedenkt man aber die Menge an Menschen, die ich jetzt vom Sehen her kenne, ist diese Anzahl erschreckend klein. Überhaupt war mein Studium erschreckend anonym. Arbeiten und Klausuren schrieb meist jeder für sich allein, jedes Semester saßen neue Menschen im Seminar, ein neuer Professor stand vorn an der Tafel. Da war es schwer, den Kontakt aufrecht zu erhalten, der innerhalb von wenigen Monaten noch nicht so ausgwachsen war, dass man unbedingt täglich in Kontakt blieb. So verbrachte ich die meiste Zeit meines Studiums allein vor meinen Büchern. Die engsten Freunde hatte ich wirklich stets außerhalb der Universität. Eigentlich hätte mir schon damals klar werden müssen, dass ich nicht so wirklich in dieses Leben hinein passe. Dass ich es nicht mag, ständig bierernst über die Krisen in der Welt reden zu müssen, dass ich gern albern und ausgelassen und auch gern mal tussig bin – so etwas hatte in meinem Studiengang nicht wirklich etwas verloren. Aber mir liegt es nicht, eine Sache hinzuwerfen, und so habe ich es durchgezogen bis jetzt kurz vor dem Ende. Weil – vielleicht ist es ja doch irgendwie für etwas gut.

Das Berufsleben will auch noch nicht so wirklich in Gang kommen, wie ich es gern hätte. Praktikas und kleine Jobs lassen schon an dem einen oder anderen Tag die Frage aufkommen, ob sich die jahrelange Lernerei denn auch wirklich gelohnt hat. Die Aussichten für dieses Jahr zumindest sind bis jetzt alles andere als rosig und ich bin schon ein wenig gefrustet, dass es nach dem Studium nicht erst so richtig los geht, sondern das Leben erst einmal gehörig einzuschlafen scheint.

Advertisements

4 Gedanken zu “Studium … eine Ära nähert sich dem Ende …

  1. Hach, du schreibst mir aus der Seele. Schon komisch, oder? Bei all der Zukunftsangst, die dazu gesät wurde, fragt man sich echt, ob es nicht irgendwie auch anders gegangen wäre. Gerade der Übergang ist echt einfach nur eine Belastung, weil sie das Grauen vor dem Morgen nährt. Ich sag mir jetzt immer: An Angst stirbt man nicht. Entweder, es wird okay oder es wird schlimm und dann mach ich was ganz anderes. In Afrika am Lagerfeuer oder so… 😉 Machen wir das Beste draus.

    Gefällt mir

    1. Ich denk auch oft: mit ner Ausbildung hätt ich jetzt nen Job und wäre vermutlich im Berufsleben viel weiter. Aber ändern kann man’s nicht mehr und vielleicht hätt ich meine Ausbildung auch irgendwann hingeschmissen 😉 Am Besten wir überbrücken das mit ganz viel Kaffee, ganz viel lesen und ganz viel zocken!

      Gefällt mir

  2. Gewisse studentische Phänomene ( zum Beispiel, dass es, wie du treffend schreibst, gar nicht leicht ist, im Studium mit jemandem ernsthaft Freundschaft zu schließen) sind offenbar zeitlos. Ich habe mein Studium zwar schon länger hinter mir, könnte aber vieles in diesem Text auch unterschreiben…
    Was ich zum Glück nicht erleben musste, ist dann dieses In-der-Luft-Hängen nach dem Studienabschluss. Das stelle ich mir schlimm vor. Ich wünsche dir, dass sich bald etwas auftut, womit du einen guten Start in ein erfülltes Berufsleben machen kannst.

    Gefällt mir

    1. Vielen lieben Dank 🙂 Ja es kommt ja eigentlich immer anders, als man es im Leben so geplant hat, und gerade die Studienzeit wird ja immer so hoch gelobt, dass die damit einher gehenden großen Erwartungen wahrscheinlich zwangsläufig unerfüllbar sind. Aber trotz des ganzen Trubels bin ich doch ganz froh, eine neue Phase in meinem Leben endlich anfangen zu können!

      LG

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s