[BR] Jennifer Fallon – Die Gezeitenstern-Saga 01: Der Unsterbliche Prinz

Klappentext:

Der Legende nach regierten die Gezeitenfürsten das Land Amyrantha über viele Jahrhunderte. Eines Tages taucht ein Mann auf, der behauptet, Cayal, der unsterbliche Prinz, zu sein. Sind die mythischen Gezeitenfürsten zurückgekehrt? Die junge Herzogin Arkady nicht nicht daran glauben, und doch übt der Unbekannte eine unbeschreibliche Anziehungskraft auf sie aus. Während sie seinen Geschichten lauscht, wird ihr bewusst, dass ihrer Heimat der apokalyptische Untergang droht …

Inhalt:

Arkady ist Historikerin mit Leib und Seele. Jahrelang hat sie dafür gearbeitet, als Wissenschaftlerin unter einer Welt der Männer anerkannt zu werden. Als ein Gefangener, der behauptet, ein Gezeitenfürst zu sein, in den Kerker geworfen wird, ist sie sofort bereit, jenen als Lügner und Hochstapler zu entlarven. Denn wenn es etwas in Arkadys rationaler Welt nicht gibt, dann ist es Magie und unsterbliche Gottheiten. Viel mehr vermutet sie in dem offensichtlich Verrückten einen Spion des benachbarten Königreiches. Doch je mehr sie ihn verhört und versucht, Lücken in seinen Aussagen zu finden, umso mehr wird ihr klar, dass Cayal weder ein Spion ist, noch ein gewöhnlicher Irrer.

Cayal selbst hat sein Leben als Unsterblicher mehr als überdrüssig. Achttausend Jahre lebt er nun in Amyrantha, geprägt durch Intrigen der anderen Unsterblichen untereinander, seinen eigenen Missetaten und seiner verdrängten Reue. Sieben Menschen tötete er, nur um endlich hingerichtet zu werden. So bestünde noch eine kleine Chance, dass er endlich sterben könnte. Doch sein so gut geplanter Selbstmord verläuft nicht wie er sich das ausgemalt hatte – der Henker ist im Urlaub und Cayal soll gehängt werden, anstelle seinen Kopf zu verlieren.

Anschließend sitzt er zusammen mit Warlock, dem Caniden – halb Mensch, halb Hund,  seine Zeit im Gefängnistrakt der Stadt Glaeba ab. Der Canide glaubt als Einziger sofort an Cayals Unsterblichkeit, denn im Gegensatz zu den Menschen haben die Crasii, ein Sklavenvolk geschaffen aus einem Menschen und einem Tier, nicht vergessen, wer ihre Schöpfer waren. Warlock weiß, dass Cayal seine volle Macht erst wieder bei einem Wechsel der Gezeiten erlangen wird. Und die nahende Flut ist bereits spürbar …

Schreibstil:

Sprachlich gesehen hat mir der Schreibstil von Fallon nicht ganz so gut gefallen, was aber meiner Vermutung nach an der Übersetzung liegt. Die doch sehr moderne Sprache in einer phantastischen Welt finde ich nach wie vor fehl am Platz und wenn davon die Rede ist, dass etwas en vogue ist, wirkt das auf mich schon arg irritierend. Neben diesen kleinen Störfaktoren sind die Details und die Figuren jedoch toll beschrieben und erwecken sofort Bilder vor dem eigenen inneren Auge. Die Welt Amyrantha wird so regelrecht zum Lebene erweckt, was besonders gut durch die verschiedenen Perspektiven wirkt, die uns jeweils einen anderen Aspekt der Welt wieder geben. Arkadys Sicht repräsentiert dabei die Gegenwart der Menschen, ihren jetzigen Entwicklungsstand und ihre Sorgen und Ängste, die sich vermehrt um politische Ränkespiele drehen. Cayal repräsentiert die Vergangenheit der Menschen, ihre Entwicklung und ihre Rück- und Fortschritte, wobei er an ersterem nicht unbeteiligt gewesen war. Warlock hingegen sieht das Geschehen stets aus der Sicht eines Caniden, der sich unter den vielen Unterarten der Crasii zu einem Ark entwickelt hat – einem Lebewesen, welches nicht mehr unter den magischen Fesseln der Gezeitenfürsten leidet und ihren Befehlen nicht mehr instinktiv gehorcht. Dies selbstverständlich sehr zum Leidwesen von Cayal. Diese Perspektiven haben das Buch für mich erst richtig plastisch und interessant gemacht, was die kleinen Mängel hinsichtlich des Sprachstiles schnell wieder vergessen lässt.

Meinung:

Ich muss es zugeben: vornehmlich gekauft habe ich das Buch wegen dem tollen Cover. Oder sagen wir, ich bin erst dadurch darauf aufmerksam geworden. Dahinter steckt aber eine wirklich schöne, neue Fantasywelt mit einer ganz eigenen Geschichte, eigenen Völkern und Rassen, was auch den Charme der Geschichte ausmacht. In den 652 Seiten nimmt sich die Autorin auch Zeit, die vergangene Religion rund um die Verehrung der Gezeitenfürsten, von der nur noch das Tarot übrig geblieben ist, vorzustellen und die Wurzeln ihrer Entstehung und die der Crasii zu erläutern. Tief verwurzelte Feindschaften und Abhängigkeiten werden so aufgedeckt und am Ende gibt es eine Fülle von Enthüllungen und Wendungen, die für mich endlich einmal nicht vorhersehbar waren – von der sich zart entwickelnden Liebesgeschichte zwischen dem mysteriösen und nahezu manisch depressiven Cayal und der sturen Arkady mal ganz abgesehen.

Besonders die Beschreibung der Crasii und die ständigen Anspielungen auf ihre Herkunft ergaben amüsante, aber auch tragische Zwischensequenzen, welcher der Welt ungemein viel Tiefe verliehen. So mussten Caniden und Feliden (Katzenmenschen) stets getrennt voneinander gehalten werden, da sonst die Caniden nur zu gern Jagd auf die Feliden machten. Auch Cayals Bemerkung, dass man Feliden mehrmals töten muss, ließ mich angesichts der Anspielung auf die 9 Leben einer Katze wirklich schmunzeln.

Insgesamt ist dieser Roman ein sehr interessanter Auftakt zu einer Quadrilogie und führt den Leser in Ruhe, aber ohne großartig in die Länge zu gehen, in die Welt der Gezeitenfürsten ein. Von mir gibts daher eine klare Kaufempfehlung und Teil 2 steht bereits auf meiner Wunschliste.

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