Begegnungen der dritten Art

Habe ich grundsätzlich in der Straßenbahn. Irgendwie lassen sich immer die verschwitzten, schnaufenden, überdimensionierten oder total hackedichten Menschen einfallen, sich neben mich zu setzen. Dazu kommt noch, dass ich anscheinend auf diese Gattung wirke, als wäre ich der perfekte Ansprechpartner für all ihre Sorgen und Nöte. Wie auch heute wieder. Also gut, so schlimm, wie der dicke, schielende, alkoholisierte Mann, der vor versammelter Menge in der Bahn auf mich zeigte und „Igitt, ist die hässlich!“ brüllte, war es nicht. Aber das erreicht eh so schnell niemand.

Es setzte sich eine ziemlich merkwürdig riechende Dame vor mich auf den Vierersitz, mit einem fleckigen Stoffbeutel mit undefinierbaren Inhalt und einer ziemlich dicken, feucht glänzenden Unterlippe mit so einem gelben Knubbel im Mundwinkel, den ich wirklich nicht weiter definieren möchte. Ich, verträumt aus dem Fenster schauend, beachtete sie nicht weiter, bis es hieß:  „Kann ich Sie mal was fragen?“ Alles in mir schrie Neeeiiiin, doch ich dachte mir „Okay, sei lieb, kann ja keiner was dafür, dass du nach Feierabend prinzipiell auf PMS bist.“

Und es entspann sich ungefähr folgender Dialog:

Sie (mir einen zerknitterten Lebensmittelladen-Coupon hinhaltend): „Was steht da?“

Ich (eloquent wie eh und je): „Hä?“

Sie: „Da…was steht da?“

Ich: „Dass sie zwei Euro Rabatt kriegen, wenn Sie für zwanzig Euro dort einkaufen.“

Ich: „Sie kriegen zwei Euro wieder, wenn Sie für zwanzig Euro da was kaufen.“

Sie: „Kann ich da auch Zigaretten kaufen?!“

Ich (mich voll nett und sozial engagiert fühlend): „Wenn Sie damit die zwanzig Euro voll kriegen, bestimmt.“

Sie: „Kann ich dafür Zigaretten kaufen?“

Ich (Kann ich hier aussteigen??? Mist, bin grade erst los gefahren … Das nette, sozial engagierte Gefühl hat wohl ihr lieblicher Schweißgeruch übertüncht): „Ja, bestimmt.“

Sie: „Kann ich mir die zwanzig Euro auszahlen lassen?“

Ich (langsam einen regelrechten Zwang entwickelnd, auf diesen gelben Knubbel zu starren): „???“ und dann „Nee, das geht nicht.“

Sie: „Wo kann ich damit einkaufen?“

Ich: „Keine Ahnung, ich kauf sonst immer woanders ein.“

Sie: „Wieviel kosten die Zigaretten da?!“

Sie (mich am Knie berührend. Ihre Hände haben eine leicht bräunliche Verfärbung. In solchen Momenten wünschte ich, dass zuckende, gleißende Blitze aus meinen Augen schießen. Etwa so!): „Junge Frau … Wieviel kosten die Zigaretten da?!“

Ich (es noch immer mit den Blitzen versuchend): „Ich hab keine Ahnung, wo Zigaretten wieviel kosten …“

Meine Haltestelle. Ich verlasse fluchtartig die Bahn und überlasse die wissenshungrige Frau den beiden Teenies, die mich die ganze Zeit mitleidig angeschaut haben. Das nächste Mal klappt das mit den Blitzen. Oder ich hab endlich ein Auto, dann bin ich endlich der einzige, komische Mensch in einem Fortbewegungsmittel! Hach, an solchen Tagen wie heute werden Online-Welten wieder so überaus verlockend…

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4 Gedanken zu “Begegnungen der dritten Art

  1. Na Du lernst ja charmante Leute kennen o.o Das mit dem Mann ist ja echt unglaublich. Die Frau ist aber auch ein besonderes Exemplar. Und dann auch noch Berührungen von Fremden. Wuäh. Das mag ich auch so gar nicht. Am Besten einfach vielleicht mal Kopfhörer in die Ohren stecken??

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