Monat: Juli 2013

Wie viel böse ist gut genug?

In vielen PC-Rollenspielen hat man die Wahl zwischen der guten und der bösen Seite. Man kann entweder der Streiter für alles Gute und Gerechte sein, oder mal so richtig seinen Frust dahingehend ablassen, dass man die Armen und Schwachen gehörig ausbeutet. Beide Seiten haben ihren Reiz und beide lassen sich oft mit viel Freude spielen, doch stelle ich fest, dass ich den bösen Weg kaum bis nie durchhalte. Irgendwann MUSS ich einfach Omis über die Straße bringen und dem Kind nun doch seinen verlorenen Teddy zurück holen, auch wenn ich doch ach so furchteinflößend und abgrundtief gemein sein wollte. Es klappt einfach nicht.

Ebenso verhält es sich, wenn ich schreibe. Soll der Hauptcharakter zu Beginn noch ein, sagen wir, gewissenloses Schwein sein, ist der Wandel zum Gutmenschen nahezu unvermeidlich. Schließlich muss die Welt ja irgendwie gerettet werden und das Motiv vom unfreiwilligen Helden ist dabei wohl nicht neu. Denn gerade solche Charaktere bleiben zumindets mir im Gedächtnis. Jene, denen das Schicksal seinen Stempel aufgedrückt hat, ohne dass sie wirklich etwas dafür können oder den Weg des Helden bestreiten wollten. Die Zeiten vom rechtmäßigen König und vom Jungen, der auszog, die Welt zu retten, scheinen vorbei zu sein. Stattdessen treten uns Charaktere gegenüber mit Ecken und Kanten, mit dunklen Geheimnissen und der einen oder anderen stinkenden Leiche im Keller. Sie sind es, denen wir beim lesen unser Herz schenken, über deren Zynismus und ironisch transportierten Weltschmerz wir lächeln, und mit denen wir angesichts des nicht seltenen schwarzen Humors lachen. Menschen mit Hintergründen, die uns zeigen, dass auch in der Literatur nicht alles Eitel Sonnenschein ist. Doch so wie es mir beim spielen und auch beim schreiben ergeht, so ist es in anderen Büchern ebenfalls zuhauf vorhanden. Anfangs der Bad Guy schlechthin, vollzieht sich der Wandel schleichend, bis am Ende doch die gute Seite hinter der harten Schale zum Vorschein tritt und man sich heroisch der unausweichlichen Aufgabe stellt.

Doch wieso ist das so und warum funktioniert das meist auch noch so gut? Vielleicht, weil wir in dem Hautphelden noch das bisschen Menschlichkeit sehen wollen, was den Antagonisten der Geschichte fehlt und was sie genau deswegen zu eben den Gegenspielern macht, gegen die es anzukämpfen gilt. Weil das Schema „Raue Schale, weicher Kern“ auch in so vielen Mitmenschen zu finden ist, dass es die Figur in der Geschichte realer, greifbarer macht. Oder vielleicht weil man sich in vielen Marotten wieder erkennt und die Identifikation wahnsinnig hoch ist. Und Identifikation mit der Hauptfigur schafft Lese- bzw. Spielvergnügen. Wer ist von uns schon perfekt, trennt immer sorgfältig den Müll und springt in der Bahn sofort auf, wenn eine klapprige Rentnerin an uns vorbei torkelt? Werfen wir nicht eher unsere Essensreste in den Restmüll und schmeißen ganz viel anderen Kram dazu, damit es nicht auffällt? Oder rollen wir nicht innerlich mit den Augen, wenn wir jetzt durch den gesellschaftlichen Druck für die arme alte Frau aufstehen müssen, auch wenn wir uns in sengender Mittagssonne diesen schattigen, ruhigen Fahrplatz erst mühsam ergattern mussten? Umso erholsamer muss es doch sein, von anderen Menschen zu lesen, die sich gegen jede Höflichkeit stemmen, welche in unserer Realität oft so frustrierend, aber durchaus notwendig ist. Umso entlastender zu sehen, wie es anders laufen könnte, wenn man selbst nicht immer den Helden im Alltag spielen müsste. Doch wie die Figuren in der medialen Welt schaffen es auch wir meist nicht, sofern wir nicht komplett psychopathisch sind, uns gegen die Regeln des guten Benehmens zu stemmen. Wer an öffentlichen Plätzen die Leute anpöbelt, ruft wahrscheinlich jeden zweiten Tag Mutti an, und wer sich an der Kasse vordrängelt, gießt für einen Freund bei dessen Abwesenheit Blumen. Es gibt kein Schwarz und Weiß und es ist erfrischend, dies vermehrt in Literatur und Film bzw. in Spielen mit ansehen zu können.

Doch wie viel innere Bösartigkeit, die wohl in jedem von uns wohnt, darf es sein beim Protagonisten unserer Geschichte? Wie viel darf man ihn pöbeln, giften und vielleicht sogar morden lassen, bis die große Kehrtwende, der Sinneswandel oder die unfreiwillige Heldentat kommt? Ab wann wird dieser Wechsel glaubwürdig und begründet, um nicht konstruiert und gesellschaftlich aufgezwungen zu wirken? Schon bei PC-Spielen kann ich die Bösartigkeit nicht bis zum Ende durchziehen, wie soll das also bei einem literarischen „Antihelden“ gehen? Ein Happy End, das nur durch das Streben nach persönlicher Bereicherung, konstruiert wird, wäre möglich. Doch irgendwie stößt mir das sauer auf. Die Balance zwischen einem an und für sich guten Charakter, der aber Böses tut (vermutlich wegen irgendwelchen, tief verwurzelten, kindlichen Traumata) und einem schlichtweg schlechten Menschen, der den perfekten „Endboss“ mimt, ist mehr eine Herausforderung, als es den Anschein hat. Doch haben wir nicht genug von den ewig strahlenden Helden, den golrreichen Rettern der Jungfrauen? Zumindest in den Bereichen der Dark und High Fantasy erscheint es so, denn da geht der Trend mit Autoren wie Joe Abercrombie doch deutlich weg von der Aura des Heldentums hin zum zynischen, blutigen Realismus, der es dennoch schafft, den Charakteren etwas anzuhaften, was sie zum Sympathieträger macht – und das ganz ohne Heiligenschein!

Letztendlich hat wohl beides seine Berechtigung – strahlender Schönling in goldener Rüstung und murrender Axtkämpfer, der das Schlachtenglück zu seinen Gunsten entscheidet – je nach Setting und dem, was man rüber bringen will. Reizvoll sind die neuen, bösen Charaktere nach wie vor für mich, doch so ganz kann ich mir das Märchenhafte nicht aus der Fantasy und allgemein aus dem Geschichten erzählen wegdenken.

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Fundstück

Da soll mal einer sagen, das Design wäre hier nicht genau auf die Zielgruppe abgestimmt! o.O

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In dem Sinne, euch allen ein schönes Wochenende!

Sherlock – Staffel 1

Ich habe wirklich schon gefühlte hundert Mal mit meiner Schwester über diese Serie gesprochen und immer wieder bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich die mir unbedingt anschauen muss: Sherlock! Unglücklicherweise habe ich, wie ich nun einmal bin, das ganze am nächsten Morgen schon wieder vergessen und konnte letztendlich nur daran erinnert werden, indem mir die Serie auf BluRay geschenkt worden ist.

Fakt ist, dass ich mir die aus drei Folgen in Spielfilmlänge bestehende erste Staffel in einem Rutsch angeschaut habe und schlichtweg begeistert von der BBC-Produktion bin. Als bekennende Trash-Fernsehen-Zuschauern musste sie ja auch bisher zwangsläufig an mir vorbei gehen, da sie wohl im ARD ausgestrahlt worden ist – und die sind mir einfach zu niveauvoll, als dass ich da ernsthaft was unterhaltsames erwarten würde 😉 Über Benedict Cumberbatch habe ich mich ja bereits in meiner Rezension zu Star Trek: Into Darkness ausgelassen und auch hier brilliert er wieder mit genialem Spiel, unheimlich charismatischer Präsenz und unbestechlichem, britischen Humor, dem Martin Freeman (bekannt als Bilbo Beutlin im aktuellen Hobbit-Streifen), als John Watson noch das Sahnehäubchen aufsetzt.

Doch was macht diese Sherlock-Adaption so außergewöhnlich? Schließlich ist man durch Robert Downey Jr. und die wirklich sehr guten Filme über Sherlock Holmes der letzten Jahre sehr verwöhnt. Spielten die allerdings noch zu Sherlocks „Originalzeit“, wurde hier einfach mal das Thema in die Moderne verfrachtet. Hier müht sich Sherlock Holmes mit Nikotinpflastern anstelle der Pfeife ab, ermittelt mittels Smartphone und Internet, während John Watson als gezeichneter, aber nicht gebrochener, Afghanistan-Veteran seine Erlebnisse mit Mr. Holmes in einem Blog verarbeitet. Genial gemacht und an keiner einzigen Stelle unauthentisch. Die Dialoge sind scharfkantig, schwarzhumorig und intelligent, und der rasante Schnitt sorgt dafür, dass man beim Schauen mitten hinein gesogen wird. Um Sherlocks verquirrlte Gedankengänge nachverfolgen zu können, werden beispielsweise SMS-Nachrichten oder Fetzen seiner Erkenntnisse als Text im Bild eingeblendet, sodass man seinen Ermittlungen folgt, ohne dass er groß alles erläutern muss, was er sagt. Und wer die Serie kennt, weiß, dass er das ohnehin verabscheut. Dementsprechend kann Sherlock vielerorts ein regelrechtes Arschloch sein, der in seiner Rationalität unfähig ist, menschliche Emotionen zu begreifen oder auch nur anzuerkennen, während Watson als emotionaler Gegenpart daneben steht. In einem Artikel habe ich gelesen, dass er sozusagen als Dolmetscher für Sherlocks Gedankengänge fungiert, was ich als durchaus treffend erachte.

Die erste Staffel besteht, wie bereits erwähnt, aus drei Folgen von ca. 90 Minuten:

  1. Ein Fall von Pink
  2. Der blinde Banker
  3. Das große Spiel

Hier lernt Sherlock seinen zukünftigen Mitbewohner John Watson kennen und erkennt schnell, dass der ehemalige Militärarzt ihm bei seinen Ermittlungen als „Consulting Detective“ äußerst nützlich sein kann. Von anderen Umstehenden als „Freak“ gemieden scheint es auch eben jener zu sein, der wirklich mit ihm klar kommt! So hangeln sie sich in dieser Staffel von der Aufklärung einer mysteriösen Selbstmord-Serie über chinesische Schmuggelware bis hin zur Stellung des eigentlichen Erzfeindes: Moriarty!

Ein Muss für jeden Serienfan und ein Grund für mich, doch mal öfter die Öffentlich-Rechtlichen einzuschalten, auch wenn ich mir Staffel 2 demnächst erstmal für das Heimkino zulegen werde. Und Staffel 3 soll wohl bereits in Planung sein …

Kein weiterer Verkauf der Baldurs Gate: Enhanced Edition

Viele werden es ja schon mitbekommen haben, dass die von vielen sehnlichst erwartete Enhanced Edition von Baldurs Gate derzeit nicht mehr verkauft wird. Die Gründe liegen wohl bei den Verträgen, was dazu führte, dass es jetzt erstmal nicht mehr erhältlich ist und auch der neue Patch nicht mehr kommt. Auch die Entwicklung der Edition von BG2 scheint sich jetzt erstmal zu verzögern.

Tja liebe Leute, hättet ihr mal lieber gleich einen dritten Teil entwickelt, anstatt euch mit der Bürokratie rumzuschlagen. Dann hättet ihr euch viel Ärger und einem kleinen, unschuldigen Mädchen wie mir die Leiden unerfüllter Sehnsüchte erspart… Ich war auch drauf und dran, mir diese Edition anzuschaffen, aber das Fehlen etlicher Patchs und augenscheinlich auch der deutschen Sprachausgabe hat mich dann doch abwarten lassen, wie vermutlich einige mehr (wenn ich dafür bezahle, soll’s wenigstens auch mal fertig sein). Tja, die haben jetzt den Salat. Aber im Endeffekt hat mich der erste Teil eh nie so sehr interessiert, wie der folgende, schließlich erlangt erst dort das Bhaalkind seine wahre Macht und die Tiefe übertrifft andere Teile innerhalb der Vergessenen Reiche um Längen.

Und bis die ED von BG1 erschienen ist, habe es auch letztendlich sogar ich ich hinbekommen, mir den BigWorld-Mod für alle beiden BG-Teile zu installieren, ohne dass es einer offizielle Neuauflage bedurft hätte (aber ohne Mist, bis ich da durchgestiegen bin und die Installation für mich verständlich war, hat es Jahre gedauert!). Und ich muss sagen, hier haben sich viele Fans eine Heidenarbeit gemacht, BG zu einem neuen, vollständigen und aufpolierten Erlebnis zu machen. Unzählige, zusätzliche Spielstunden, neue Charaktere und gerade für den ersten Teil neue Dialoge und Bindungen zwischen den NPCs. Wer des Englischen mächtig ist, hat mit vielen neuen NPCs eine Menge Freude, aber auch die komplett deutschen machen viel Spaß und man merkt hinter jeder Ecke, dass da mit viel Liebe zum Spiel gearbeitet worden ist. So kann ich jetzt weiter mit Solaufein aus dem Unterreich ins Sonnenlicht treten, den Hamster Boo streicheln und mich über Korgans Sprüche kaputt lachen, während die offizielle Neuauflage mal wieder im Staub versinkt. Schade, schade. Da hätte man so viel mehr draus machen können.

ÜBRIGENS plane ich demnächst, mir das mal anzuschauen:

Ja, ihr habt richtig gesehn. Das ist Baldurs Gate in der Grafik von Neverwinter Nights 2!!! Als ich das gelesen bzw. gesehen habe, musste ich mir erst mal die schwitzigen Hände am Blazerärmel abwischen. Man braucht wohl das Hauptspiel NWN2 plus die beiden AddOns (Mist, hab nur eins) und dann kann man sich den Mod kostenfrei und legal runterladen. Ist das mal toll, oder was? SO muss das aussehen, wenn man sich an eine Neuauflage von diesem Gott aller Rollenspielgötter wagt, auch wenn man nur begrenzte Mittel zur Verfügung hat. Ich würde das auf jeden Fall sehr gern ausprobieren und mal sehn, wie sich der Vergleich so im Gegensatz zum BigWorld-Mod schlägt. Inhaltlich scheint ja am Original nicht viel hinzugefügt worden zu sein, außer der Grafik. Eigentlich sollte das doch allen zeigen, wenn diese Leute schon SIE BENJahre an so einer Umsetzung sitzen, dass sich so viele Baldurs Gate 3 wünschen. Mich eingeschlossen. Und dann möchte ich gefälligst auch das Bhaalkind in schöner Grafik, mit noch fieseren Bösewichten, mit Minsk und Boo und Imoen und den vielen anderen, lieb gewonnenen Charakteren komplett neu aufgelegt, aber mit neuer Geschichte und einer würdigen Fortsetzung. Denn im Enteffekt trösten wir uns doch mit diesen Neuauflagen nur über den so innig gewünschten dritten Teil hinweg.

[BR] Robin Hobb – Drachenkämpfer

Klappentext:

Die sagenumwobene Stadt Kelsingra ist der letzte sichere Ort für die Drachen. Doch die Reise dorthin ist gefährlich. Die Gemeinschaft der Hüter hat geschworen, die Drachen nach Kelsingra zu bringen. Aber um dieses Abenteuer zu bestehen, müssen Menschen und Drachen einander vertrauen. Und Vertrauen ist manchmal tödlich …

Inhalt:

Es geht weiter mit den Abenteuern rund um die Drachen, deren Hütern und der Hobby-Wissenschaftlerin Alise, die sich zunehmend damit konfrontiert sieht, sich zwischen ihrer Bindung an ihre unglückliche Ehe und ihrem neuen Leben auf dem Lebensschiff Teermann entscheiden zu müssen. Noch immer suchen die Drachen und die Hüter die vergessene Stadt Kelsingra und es zeichnet sich immer mehr ab, dass die beschwerliche Reise den ehemals verkrüppelten Wesen nach und nach zu alter Stärke und Macht verhilft. Auch die Hüter verändern sich und passen sich zunehmend der unwirtlichen Umgebung an. Doch nicht alle wollen den Drachen helfen und so manch einer plant, die heilenden Fähigkeiten der Drachen für sich zunutze zu machen. Der Kampf ums Überleben wird schließlich mit dem Kampf um die wertvollen Schuppen und das heilende Blut der Drachen vermischt …

Schreibstil:

Ich weiß nicht wirklich, wie ich es beschreiben soll, aber der Schreibstil von Hobb war auch schon einmal besser gewesen, was meiner Vermutung nach aber sicherlich an der Übersetzung liegt – wie so oft. Nach wie vor sind ihre Beschreibungen dennoch treffend und nicht zu ausschweifend, ohne dass man die Regenwildnis und das Lebensschiff irgendwann aus dem (inneren) Auge verliert. Auch der Spannungsbogen wird recht gut erhalten und die Autorin schafft es, das Innenleben der Personen und das der Drachen durchaus glaubhaft und authentisch rüber zu bringen.

Meinung:

Mir fällt es nach wie vor schwer, mir eine Meinung zu diesem Buch zu bilden, weswegen die Rezension auch ziemlich lange auf sich warten lassen musste. Einerseits liegt es daran, dass mir viele Hauptcharaktere oftmals unsympathisch waren und das meine Leselust vielfach trübte (Thymaras Naivität oder Sintaras Egoismus gingen mir irgendwann einfach nur noch auf die Nerven). Ich fand es schön beschrieben, wie sich Sedricks Charakter entwickelte, vom geldgierigen Egoisten zum aufopfernden, verantwortungsbewussten Mann, der endlich seinen Platz im Leben zu finden scheint. Empfand ich seine Rolle zunächst als ein wenig blass, hat er mir im zweiten Teil dieser Reihe viel besser gefallen. Enttäuschend war hingegen die Beziehung zwischen Alice und dem Schiffskapitän Leftrin. Dass Alice ständig mit sich ringen musste, ihren Gefühlen nachzugeben, obwohl sie verheiratet ist, war dahingehend störend, weil ihre (Zweck)Ehe durch körperliche und seelische Gewalt geprägt gewesen war und man sie am liebsten die ganze Zeit gehörig durchgeschüttelt hätte. Auch die Liebeszene zwischen den beiden empfand ich als ein wenig kindlich, fast schon ins Lächerliche, hätte ich mir doch ein wenig mehr tiefere Emotionen gewünscht, als derart pupertäre Gedankengänge. Ich erinnere mich da an eine gewisse Textstelle, an der es in etwa hieß: „Er berührte sie da und da und sie machte Geräusche, wie es Frauen beim Höhepunkt tun, und er blickte sie ja ganz furchtbar entzückt und erstaunt an. Er hatte sie doch erst berührt!“ … Hallo?! Ich wusste gar nicht, dass ich plötzlich die Bravo lese!!! Was ich von Thymara halte, habe ich ja schon kurz erwähnt, ihre Verwirrung und Orientierungslosigkeit wirkt an vielen Stellen schlicht und einfach begriffsstutzig und stupide, was ich auch der Übersetzung zuschreibe. Schön war dahingegen die Entwicklung der Drachen und es war nett, zu „beobachten“, wie sie langsam ihre Erinnerungen an ihr altes Dasein zurück erlangen und zu neuer Stärke finden. Es lässt die Weisheit und Kraft dieser einst mächtigen Kreaturen erahnen und man ist gespannt, wie sie sich im dritten Teil entwickeln werden. Bei all den Widrigkeiten, die sie und die Menschen durchleiden müssen, fiebert man mit und wartet darauf, dass endlich Kelsingra am Horizont auftaucht.

Insgesamt kann ich das Buch aufgrund meiner gemischten Gefühle diesbezüglich nur teilweise empfehlen und das Warten auf den dritten Teil erschwert den Blick auf die ganze Geschichte noch zusätzlich. Und bei dem derzeitigen Verfahren des Verlages, der Teil 1 mittlerweile nur noch als EBook vertreibt, frage ich mich schon wieder, ob der dritte überhaupt veröffentlicht wird, oder ich wieder eine böse Überraschung erlebe, wie es bei Juliet Marillier der Fall war. Da musste ich den dritten Teil der Nordlandtrilogie ja schließlich auf Englisch lesen.

[FR] Man of Steel

Letzte Woche gesehen: Man of Steel, den neuen Superman-Film. Da ich früher sooo so großer Superman-Fan war (also, was die Filme angeht), fand ich den relativ neuen von 2006 herb enttäuschend und bin auch beim Schauen eingeschlafen, was mir sonst nur nachmittags beim TalkShow gucken passiert. Gezeigt werden die Anfänge von Superman, sein Ankommen auf der Erde, seine Probleme, sich wirklich zu den Menschen dazugehörig zu fühlen. Clark Kent ist ein einsamer Mann, stets wandernd von einer Arbeit in die nächste, anonym, wie ein Geist. Schließlich entdeckt er in der Arktis ein altes Raumschiff seines zerstörten Heimatplaneten Krypton und erkennt, woher er kommt und was er ist. Doch seine Entdeckungen bleiben auch anderen Überlebenden von Kryptons Zerstörung nicht verborgen: der von seiner politischen Ideologie zerfressene Zord will Clark,oder besser: Kal-El, das einzig normal auf die Welt gekommene Kind des Planeten, zurück holen; zusätzlich will er die Erde in ein neues Krypton verwandeln, mit dem Ergebnis, die Menschen von ihrer Oberfläche zu tilgen. Clark muss sich entscheiden, wem er die Treue hält: den, wenn auch fanatischen, Überresten seines eigenen Volkes oder jenen, bei denen er aufgewachsen ist, die ihn aber immer als Sonderling verschmähten.

Die Effekte dieses Films sind ein wahrer Augenschmaus, sehr schönes 3D, atemberaubende (wenngleich ziemlich zerbombte Städte und Wolkenkratzer), explodierende Feuerbälle vor wehenden Umhängen: Hach, so muss Kino aussehen! Vor allem die anfänglichen Szenen auf Krypton waren wirklich toll anzusehen! Einzig die wacklige Kameraführung ging mir hin und wieder auf die Nerven, fiel aber angesichts der sonst sehr schönen Bilder nicht weiter ins Gewicht. Sehr schön fand ich auch Supermans „neues“ Kostüm, endlich wurde sich von den quietschbunten Farben abgwandt hin zu metallenen Akzenten. Ja, ich als Frau achte auf sowas!

Darstellerisch finde ich den neuen Superman-Darsteller Henry Cavill ebenfalls durchaus passend und glaubwürdig: trotz geschniegelter Frisur schafft er es, noch immer markant auszusehen, was ihn als übermächtigen Außerirdischen umso glaubwürdiger macht. Auch Amy Adams alias Louis Lane (bekannt aus „Verwünscht“ von 2007) finde ich für die Rolle sehr gut ausgewählt, wenngleich das Verhältnis zwischen ihr und Clark etwas mehr Beachtung in diesem Film verdient hätte und stellenweise etwas abgehackt wirkt. Da heißt es wohl wieder: warten auf den Director’s Cut!

Was die Filmmusik angeht: Da kann ich eigentlich nichts weiter zu sagen. Sie ist von Hans Zimmer und … tja … der Mann hat’s einfach drauf!

Insgesamt verstehe ich die vielen negativen Meinungen zu diesem Film nicht (habe ich bei StarTrek übrigens auch nicht), ich wurde sehr gut unterhalten und habe nichts gegen ein wenig Action, solange die Bilder dazu ansprechend sind. Die Handlung ist authentisch und spannend, und für mich ist dieser Film ein garantierter klarer BluRay-Kauf, wenn er auch nicht an Nolan’s „Dark Knight“ heran kommt, was Handlung und Atmosphäre angeht. Ich kann auch nicht wirklich Vergleiche zu den Comics ziehen und auch die alten Filme sind aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters leicht verschleiert in meinen Erinnerungen vorhanden, aber ich versuche stets, die Filme seperat für sich anzuschauen, ohne großartig zu vergleichen. Und genau deswegen ist „Man of Steel“ ein klasse Film für mich, der es wirklich lohnenswert macht, das Geld für den Gang ins Kino auszugeben.