[BR] Andrzej Sapkowski – Das Erbe der Elfen

Klappentext:

Seit dem blutigen Überfall auf Cintra ist Ciri, die Thronerbin des Reiches, verschollen. Doch es gehen Gerüchte um, dass sie nicht tot ist, sondern von Geralt, dem Hexer, entführt und an einen geheimen Ort gebracht wurde. Und Geralt sieht sich mit heiklen Fragen konfrontiert. Hat Ciri wirklich magisches Potential? Oder ist sie nur das Medium einer bösen Macht? Der halbverfallene Stammsitz der Hexer wird zum Schauplatz einer großen Prüfung …

Inhalt:

Hexer Geralt von Riva hat die junge Prinzessin Ciri in die Festung der Hexer geschafft, nach Kaer Morhen, um sie dort einerseits vor ihren Häschern zu verstecken, andererseits um sie so auszubilden, wie es bei  den Hexern seit jeher Brauch ist. Doch Ciri hat beunruhigende Anfälle und Träume, in denen sie weissagt und Albträume der Vergangenheit sie plagen. Mithilfe der Magierin Triss Merigold soll dem Mädchen geholfen werden, die dunklen Kräfte in ihr zu bezähmen, doch auch sie stößt bald an ihre Grenzen.

Schreibstil:

Ich liebe den Schreibstil von Sapkowski einfach, es ist schlicht und ergreifend eine erfrischende Abwechslung vom mittlerweile gängigen Fantasy-Einheitsbrei. Nichts ist blumig oder beschönt, gerade die schlichte und klare Struktur verdeutlicht die düstere Atmosphäre und die realistische Umgebung dieser Welt, auch wenn sich manches hier und da wiederholt. Die Perspektivwechsel sind passend und dennoch komplex verzweigt, die Dialoge voller Pfeffer und toller Situationskomik. Vor allem die Kommentare der Zwerge sind für den einen oder anderen Lacher gut („Ein jeder kneift den Hintern dicht, wenn er gegen viele ficht, wie die Elfen zu sagen pflegen!“ *höhö*).

Meinung:

Endlich geht die Geschichte rund um Ciri und Geralt richtig los, auch wenn ich die vorangegangenen Kurzgeschichten-Bände sehr gern gelesen habe. Es ist einfach etwas anderes, jetzt einen runden Roman vor sich zu haben, der keine knappe Erzählung bietet, sondern dem Leser die ganze Welt nun endlich vollständig ausbreitet und politische Konflikte und Intrigen in dieser tristen Fantasywelt erst so richtig greifbar macht. Und was die Politik angeht, bietet dieser Roman unendlich viel Ränkeschmieden, in die Geralt, der als Hexer eigentlich neutral ist, mehr und mehr unfreiwillig mit hineingezogen wird. Er versucht sein Findelkind Ciri so gut es ihm möglich ist, zu erziehen und auszubilden, ohne der Prinzessin und Thronerbin des eroberten Cintra die gefährlichen Mutationssubstanzen der Hexer zuzumuten. Ciris Albträume wirken dabei wirklich bedrohlich, und der Kontrast zwischen dieser Seite von ihr und dem unschuldigen, naiven Kind ist Sapkowski vortrefflich gelungen. Ihm gelingt es, Ciris Dialoge so kindlich und unschuldig wirken zu lassen, wie sie auch sein müssen, ohne dass es zu übertrieben oder zurückgeblieben wirkt. Auch hat es mich gefreut, endlich mehr mit Triss zu tun zu haben, die ich ja bisher nur aus den Spielen kannte. Bisher wirkte sie auf mich immer wie die viel bessere Wahl für Geralt als die kaltschnäuzige Yennefer, was sich im Folgeband zu revidieren scheint – aber da greife ich zuviel vor 😉

Überhaupt sind es die Dialoge, die die Bücher so lebendig machen. Manchmal wird in einer Passage überhaupt keine Umgebungsbeschreibung vorgenommen, sie besteht nur aus den gesprochenen Sätzen zwischen den beiden Gesprächspartnern, und doch sieht man die Situation ganz deutlich vor sich. Dabei baut Sapkowski wunderbare Pointen mit ein und lässt den Leser nicht selten mit einem Schmunzeln zurück, auch wenn sich die dunkle Elfenprophezeiung vom Untergang der bekannten Welt zunehmend in die Gedanken der Protagonisten drängt.

Wie immer gefallen mir auch die zahlreichen, gesellschaftskritischen Bezüge, die der Autor hier zieht. Die Elfen fangen mehr und mehr an, sich gegen die Menschen aufzulehnen und ihn den Städten werden Pogrome und Hetzjagden auf die Nichtmenschen verübt. Rassismus ist allgegenwärtig, Profitgier, Umweltverschmutzung und Machthunger ist an der Tagesordnung. Dazwischen stehen die Hexer als traiditionsbehaftete Relikte der Vergangenheit, die sich am liebsten auf ewig in ihrer Festung verstecken würden, als sich aktiv auf eine Seite zu schlagen. Einzig Triss, die die Passivität der Hexer anprangert, und Ciri, die Rache für ihre getötete Familie will, wollen aktiv handeln und führen so den Hexern immer wieder vor Augen, dass es unvermeidlich sein wird, irgendwann eine Entscheidung zu treffen. An und für sich passiert in dem Buch nicht wirklich viel, doch das, was passiert, ist so mitreißend, dass ich das Buch rasend schnell durchgelesen habe. Geralts innere Zerissenheit kommt immer wieder dezent zum Vorschein und schnell wird klar, dass es mehr er selbst ist, der seine Emotionen hat sterben lassen, als es die Hexermutationen je hätten bewerkstelligen können. Einzig für Ciri und für seine verlorene Geliebte, Yennefer, bringt er wirklich Gefühle auf und vor allem für die kleine Prinzessin ist er bereit, einiges in Kauf zu nehmen, um sie in Sicherheit zu wissen. Und wenn es nur bedeutet, über seinen Schatten zu springen, und die mächtige Zauberin, die er noch immer liebt, um einen Gefallen zu bitten…

Ein tolles Buch, eine tolle Reihe und noch viel tollere Spiele. Lesen, lesen, zocken! 🙂

Um ein paar Eindrücke zum Spiel zu gewinnen, sollte dies unbedingt angeschaut werden (Trailer zum dritten Teil der Spielereihe, der 2014 erscheint). Hier wird schön der moralische Konflikt verdeutlicht, der Geralt die meiste Zeit umtreibt. Ich krieg da immer nur diese „Oh-mein-Gott-ich-halts-nich-aus“-Gedanken 😀

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4 Gedanken zu “[BR] Andrzej Sapkowski – Das Erbe der Elfen

    1. 😀 Jaaaaa unbedingt lesen, wäre so gespannt, was du davon hältst. Erst dachte ich bei den Kurzgeschichten „hm, na ja, nix besonderes, der Schreibstil“, aber irgendwann ist man so drin und findets einfach nur noch toll. Also, ich zumindest 😉

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