[Review] Der Gott des Gemetzels

 

Diesen Film habe ich kürzlich durch Zufall im TV gesehen, als jede Blu-ray uninteressant und jedes Spiel zu langweilig war. Mein Fernsehkonsum hat sich in den letzten Jahren nämlich beträchtlich eingeschränkt, einfach weil mir das Angebot mittlerweile zu seicht geworden ist. Aber das ist ein anderes Thema…

„Der Gott des Gemetzels“ ist ein verfilmtes Kammerstück unter der Regie von Roman Polanski. Es geht um zwei Ehepaare, die sich eines Tages treffen, um einen Konflikt ihrer Söhne auszudiskutieren, bei der einer dem anderen mit dem Stock eins übergezogen hat. Die gesamte Handlung spielt dabei nur in der Wohnung von Penelope (Jodie Foster) und Michael (John C. Reilly), welche Nancy (Kate Winslet) und Alan (Christoph Waltz) zu sich zur Klärung der Sache eingeladen haben. Dabei könnten die Pärchen unterschiedlicher nicht sein und schon bald beginnt die höfliche Fassade angesichts der Aussichtslosigkeit einer Einigung zu bröckeln. Logischerweise stehen irgendwann nicht mehr die sich zankenden Jungen im Vordergrund, sondern versteckte Verletzungen, verborgene Eitelkeiten und unterdrückte Gefühle.

Anfangs war ich von der Aussicht auf diese Thematik nicht wirklich begeistert, wo ich doch eine starke Anhängerin sinnlos übertriebener CGI-Effekte und wenigstens ein bisschen Mord und Totschlag bin. Was diese vier Hauptdarsteller aber in dem sehr begrenzten Setting leisten, war für mich irgendwann einfach nur beeindruckend. Mit einer fast schon morbiden Faszination folgt man den genialen verbalen Duellen, die sich wie Pingpong-Bälle zwischen den vier Darstellern hin und her bewegen und man irgendwann nicht mehr weiß, wer denn jetzt hier nun gegen wen agiert. Dabei ist der tiefschwarze Humor sehr dezent, aber auch sehr treffend eingesetzt. Bei irgendwem findet man garantiert seine eigenen Schwächen wieder und voller Vorfreude fiebert man der Eskalation entgegen, die sich langsam, aber unaufhörlich aufbaut. Es wird gekotzt, geschrien, zerstört und selbst in diesen Szenen hat man den Eindruck, dass die Protagonisten sich noch beherrschen und mit aller Macht wieder zurück in ihre Rolle wollen. Die Mimik ist dabei bis ins kleinste Detail perfekt eingesetzt und zeigt mehr, als es weitläufigere Aufnahmen der Umgebung je gekonnt hätten.

Insgesamt zeigt dieser Film für mich perfekt, was wir hinter unserer Fassade, unserer schicken Kleidung und unserem guten Benehmen alles zu verbergen versuchen, mitreißend und beeindruckend durch eine schauspielerische Glanzleistung dargestellt.

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6 Gedanken zu “[Review] Der Gott des Gemetzels

  1. Ich fand den zwischendrin sogar anstrengend, weil man die ganzen emotionalen Wechsel ja mitvollzieht, aber ich fand ihn auch deswegen richtig gut, fühlte mich aber gleich ans Theater erinnert, gerade weil die Dialoge so…na irgendwie real-hart waren und eben alles auf dem engen Raum passiert. Und gespielt was das richtig gut, hrhr.

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      1. Das nicht, ich fühlte mich nur gleich an Theaterstücke erinnert. Bei „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ war man ähnlich hin und hergerissen zwischen ständig wechselnden Stimmungen und Meinungen über die Figuren. Ich wusste, es ich den Film sah nicht, dass es auch ein Theaterstück gibt. Aber der Film hat mir Lust auf Theater gemacht, eigentlich sollte man den Ausbildungsausweis nochmal dazu nutzen. Hachja…

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