[Kurzreviews] Urlaubslektüre

So schnell wie die Urlaubszeit kam, so schnell ist sie auch schon wieder vorbei. In meinem Urlaub steht meist vordergründig die Entspannung, weswegen es diesmal ganze 5 Bücher mit in den Koffer geschafft haben, die allerdings auch etwas dünner als meine eigentlichen Schätze waren. Einige waren wie zu erwarten eine tolle Leseerfahrung, andere gestalteten sich etwas zäh.

2014-08-21 13.49.16

Zuerst beendet hatte ich von N. K. Jemisin Die Rivalin der Götter, den letzten Band der Trilogie rund um Götter, Gottkinder und Menschen. Diesmal ging es nicht um eine weibliche Protagonistin, sondern um das Gottkind Si’eh, den man ja schon aus den anderen Vorgängern kannte. Si’eh lernt die beiden Arameri-Kinder Shahar und Dekarta kennen und schließt mit ihnen Freundschaft, die bis in das Erwachsenenalter der Kinder hinein dauert. Doch plötzlich wird Si’eh von einer unbekannten Macht zu Sterblichkeit verflucht, die auch noch rasend schnell voran schreitet und aus dem Gott der Kinder wird nach und nach ein Erwachsener, der zunehmend in die Intrigen Elysiums mit hinein gezogen wird, in die seine beiden Schützlinge verwickelt sind. Im Vergleich zu den beiden Vorgängern war dieser Teil aber der schlechteste. Die Verwicklungen waren irgendwann etwas zäh und Si’eh als Charakter war für mich einfach nicht sympathisch genug. Mit Shahar bin ich noch ein wenig warm geworden, aber Dekarta blieb mir immer fremd. Der Stil von Jemisin ist nach wie vor sehr erfrischend, sehr anders und auch ihre Figurenkonstellationen haben absolut gar nichts von den gängigen 0815-Liebeleien. Das ist für den einen oder anderen anfangs vielleicht befremdlich, aber wer sich darauf einlässt, bekommt dadurch ein ganz eigenes, faszinierendes Leseerlebnis.

 

Anschließend kam Juli Zeh’s Corpus Delicti dran. Puuh, davon weiß ich nicht wirklich, was ich denken soll. Einerseits finde ich die Thematik sehr interessant, aber der moralische Zeigefinger war mir an manchen Stellen dann doch zu prägnant. Moralische Botschaften zum Nachdenken – bitte! – aber dann lieber subtil, damit ich mir nicht wie in einer Predigt vorkomme. Maria Holl, die Hauptfigur, lebt hier in einer Gesellschaft, in der alle Krankheiten ausgemerzt werden konnten, und das durch blanke Kontrolle. Die Gesellschaft ist komplett transparent, alle vermeintlich schädlichen Bereiche des Lebens wurden verboten, Keime und Bakterien gibt es praktisch nicht mehr. Als Marias Bruder sich im Gefängnis selbst erhängt, erkennt Mia mehr und mehr die Sinnlosigkeit dieses farblosen, tristen Lebens und sucht verzweifelt eine Möglichkeit, die Unschuld ihres Bruders zu beweisen und einen Ausweg aus diesem durchweg kontrollierten Leben zu finden. Das Buch liest sich flüssig und schnell, hält die Charaktere aber die ganze Zeit auf Distanz und schafft es, zumindest bei mir, nicht, dass man ernsthaft an dem Geschehen Anteil nimmt. Dennoch ist das Thema interessant aufbereitet und sollte selbst den oberflächlichsten Leser ein wenig nachdenklich machen.

 

Nach diesem bitterernsten Thema hatte ich das starke Bedürfnis nach ein wenig seichtem Stoff für die Seele und da lag ich bisher bei Jojo Moyes genau richtig. Weit weg und ganz nah erzählt die Geschichte der alleinerziehenden Jess, die ihrer hochbegabten Tochter ein besseres Leben ermöglichen will und schließlich aus lauter Verzweiflung ihren Arbeitgeber, den IT-Fachmann Ed, bestiehlt, um der kleinen Tochter Tanzie den Gang auf eine teure Privatschule zu ermöglichen. Ed hat dabei selbst eigene, schwerwiegende Probleme mit seiner Firma und durch die Aneinanderreihung seltsamer Zufälle landet Jess mit ihrer kleinen armen Familie in seinem Auto auf dem Weg zu einer Aufnahmeprüfung für Tanzie, die alles verändern könnte. Moyes‘ Bücher mögen bisher für viele ein wenig an Rosamunde-Pilcher-Schmalz anmuten, für mich sind sie aber die perfekte Entspannung, wenn es mal wieder ganz stressig im Alltag zugeht. Hier kann ich lachen, heulen, alles auf einmal und wie auch bei Ein ganzes halbes Jahr und Eine Handvoll Worte war dieses Buch wieder viel zu schnell zuende gelesen. Dass der Titel diesmal komplett schwachsinnig ausgefallen ist, darüber sehen wir an dieser Stelle wohlwollend hinweg.

 

Nicht ganz so tränenreich, aber doch herzerwärmend ging es in Wolfgang Herrndorfs Tschick zu. Tschick ist der neue, russischstämmige Schüler der Klasse, in der auch Maik Klingenberg ein eher unscheinbares, unglücklich verliebtes Dasein fristet. Als Maiks Mutter wieder einmal in die Enzugsklinik muss und sein Vater in den Ferien mit seiner Assistentin „auf Geschäftsreise“ fährt, steht plötzlich Tschick, also eigentlich Andrej Tschichatschow, vor seiner Haustür. Schon bald beschließen die beiden Achtklässler, dass es an der Zeit ist, dem Leben ein wenig mehr Pfeffer zu verleihen und in einem geklauten Lada beginnt ein abenteuerlicher Roadtrip in Richtung der Walachei, wo angeblich Tschicks Verwandtschaft lebt. Dabei begegnen die beiden allerhand seltsamen, liebenswürdigen und unheimlichen Persönlichkeiten, lernen etwas über sich selbst und darüber, wie man durch Kenntnisse aus Klasse 6 Benzin aus einem fremden Tank klauen kann. Mir waren manche Passagen etwas zu langatmig und so ganz kann ich den ganzen Hype um dieses Buch nicht verstehen, im Großen und Ganzen war es aber doch eine nette kleine Sommerlektüre.

 

Und zuletzt kam dann schließlich in den letzten Urlaubstagen Die Drachenkämpferin von Licia Troisi an die Reihe. Hier geht es um die junge Nihal, die bei ihrem Vater aufwächst und sich nichts sehnlicher wünscht, als einmal eine berühmte Kriegerin zu werden. Gleichzeitig wird die Aufgetauchte Welt von dem finsteren Tyrannen bedroht, der alles daran setzt, auch dieses Reich unter seiner Terrorherrschaft einzuverleiben. Nihal, die davon träumt, auf einem Drachen als eine der sagenumwobenen Drachenritter in den Kampf zu ziehen, muss nun um ihre Heimat kämpfen. Klingt erst einmal nach feinster 0815-Fantasy, die ja und für sich nicht schlecht sein muss, aber der Schreibstil der italienischen Autorin war mir irgendwann einfach zuwider. Ich kann es nicht einmal beschreiben, wieso ich diesen Stil nicht mochte und ich habe mal wieder die vage Vermutung, dass hier bei der Übersetzung geschlampt wurde, aber die Sätze sind schlichtweg plump aneinander gereiht. Nihal ist für mich nur eine launische, nörgelnde Göre und in einem Affentempo wird ein unglaubwürdiges Ereignis an das nächste gereiht. Vielleicht bessert sich das ja in den Folgebänden, immerhin ist dies Troisis Debutroman, aber bisher hatte ich keine Muße, das Buch zu beenden.

 

Somit habe ich leider wieder nicht alle Bücher geschafft, was mich irgendwie geärgert hat, aber immerhin war dieses Mal doch eine abwechslungsreiche Auswahl dabei. Leider stinkt darin die Fantasy ganz schön ab, doch ich denke, meine nächsten Bücher werden das gleich wieder raus reißen.

 

 

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