Ice Bucket Challenge: Gruppenzwang für den guten Zweck

Man sieht sie derzeit überall und es gibt kaum jemanden auf diesem Planeten, der davon nicht in irgendeiner Form betroffen ist. In Form einer Spendenaktion für die Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) wurde die Ice Bucket Challenge ins Leben gerufen. Sinn und Zweck der Sache: Eiskübel über den Schädel kippen oder Geld her. Wer also nicht spendet, gießt sich das eisige Nass hyperventilierend und für alle sichtbar auf Youtube über den Körper und nominiert andere, die das innerhalb von 24 Stunden selbst tun müssen … es sei denn, sie spenden Geld für einen guten Zweck. Stars, wie Robert Downey Jr., Tom Hanks oder Will Smith lassen es sich nicht nehmen, da mitzumachen, und vermutlich findet sich auch auf eurer Facebook-Timeline der eine oder andere Freund, der sich ebenfalls unter den Kübel gestellt hat. Mittlerweile ist es nämlich so, dass jeder Gefallen an dieser Aktion gefunden hat und sich das Eis so oder so übergießen lässt, obgleich ohnehin gespendet wird. Und wehe dem, der innerhalb der vierundzwanig Stunden nicht mitmacht. Der wird dann nämlich schnell ins Kreuzfeuer der Klatschpresse genommen, warum er denn nun nicht dabei ist oder auf die Nominierung nicht reagiert hat und ganz bestimmt hat das tiefer gehende, zwischenmenschliche Gründe, die es zu erörtern gilt. Für mich ist dies im Internet ganz lustig anzuschauen, denn – mal ehrlich – hierbei geht es ja in erster Linie um die blanke Schadenfreude, wenn man bekannte Stars oder solche, die es mittels dieser Aktion wieder gern wären, schnappend und japsend unter gefühlten -100Grad verschwinden sieht. Mir war anfangs gar nicht bewusst, dass es dabei um einen guten Zweck geht, und ich wage zu behaupten, dass dies bei den meisten auch nicht der Fall war.

Nun stellt sich mir die Frage: Ist diese Geschichte wirklich geeignet dafür, für diese Nervenkrankheit zu sensibilisieren? Vermutlich geht es den meisten ähnlich wie mir, die zwar das Thema in die virtuelle Suchmaschine geworfen haben, um endlich mal zu wissen, was ALS ausgeschrieben heißt, aber – sobald die Aktion wieder im Sande verlaufen ist – das auch ganz schnell wieder vergessen haben werden. Man hatte ein bisschen Spaß, hat ein bisschen gelacht, und klickt dann wieder weg. Und weil es jetzt ja wirklich JEDER macht, nervt es auch ein klitzekleines bisschen. Frei nach dem Motto: Ach, schon wieder ein nasser, berühmter Mensch. Augenrollen. Seufzen.

Doch wahrscheinlich gibt es auch die andere, die sinnvolle Seite, nämlich, dass hier auf diesem Wege wirklich Geld zusammen kommt, wo vorher niemand der ganzen Materie Beachtung geschenkt hätte. Dass viele dieses Geld nur aus reinem Gruppenzwang und nach außen demonstriertem Gutmenschentum spenden, psssst, das wäre ja zynisch, sowas zu behaupten. Aber Tatsache ist, es wird gespendet, und allein dafür sollte man so einer Aktion auch dankbar sein, selbst wenn bei manchen doch der Hauch der Scheinheiligkeit durch den Bildschirm weht.

Deswegen kann ich es auch nur bewundern, wie Patrick Stewart diese ganze Angelegenheit gelöst hat. Der Mann hat einfach Stil.

Advertisements

2 Gedanken zu “Ice Bucket Challenge: Gruppenzwang für den guten Zweck

  1. Sehe ich auch so. Sicher nicht grundlos umstritten, aber es ist immerhin ein sehr großer Betrag an Spenden zusammen gekommen.

    PS: Patrick Stewart hat es wirklich super gemacht. Und er ist die Ruhe in Person. Der Mann braucht definitiv kein Stressbewältigungsprogramm. Sollte sich so mancher in der heutigen Zeit supergestresster Mensch ein Beispiel dran nehmen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s