[Review] Joe Abercrombie: Königsschwur

Klappentext:

Einen Tag lang König, ein Wiunter als Sklave, ein Leben für die Rache.

In den kalten Nordlanden regiert das Gesetz des Stärkeren und für Prinz Yarvi mit seiner verkrüppelten Hand ist dieses Gesetz ein Fluch. Als sein Vater und sein Bruder ermordet werden, muss er dennoch den Schwarzen Thron besteigen. Er schwört blutige Rache an seinen Feinden – und wird kurz darauf selbst verraten und als Sklave verkauft. Aber der Pfad seiner Rache hat gerade erst begonnen…

Inhalt:

… eben jenen würde ich hier normalerweise umreißen, aber ich denke, der Klappentext sagt bereits genug aus. Noch dazu sind es gefühlte 50 Grad und ich schwitze, selbst wenn ich still sitze. So.

Meinung:

Ich war schon sehr lange neugierig auf die groß angekündigte, neue Reihe von einem meiner absoluten Lieblingsautoren und freute mich sehr, als ich Königsschwur endlich in den Händen hielt. Von Abercrombie ist man einen sehr vielseitigen, detailgetreuen und auch sehr schonungslosen Schreibstil gewöhnt, der sich flüssig liest, aber auch anspruchsvoll ist. In diesem Roman hat der Autor seinen Stil meines Erachtens etwas herunter geschraubt, was wohl auch daran liegen kann, dass dieser als Jugendroman ausgelegt werden sollte. Dies merkt man auch an den Charakteren, die längst nicht mehr so bissig, gnadenlos und zynisch sind, wie man es als treuer Leser gewöhnt ist. Dennoch wurde ich mit Yarvi schnell warm und auch die Nebencharaktere, wie etwa die beiden Ruderer Jaud und Rulf, wachsen einem mit ihrem eigenen Charme und Charakter schnell ans Herz. Die Geschichte, wie Yarvi vom unfreiwilligen Thronfolger zum Sklaven wurde, ist dabei zwar nicht neu und ich musste des Öfteren an den Grafen von Monte Christo oder Ben Hur denken, aber dennoch habe ich mich keine Sekunde gelangweilt. Hin und wieder hätte ich mir allerdings etwas ausführlichere Schilderungen gewünscht. Yarvi entwickelt sich dagegen sehr glaubhaft vom Gelehrten hin zum rachesüchtigen Rudersklaven, der nach und nach seine jugendlich-naiven Züge ablegt, um an sein Ziel zu gelangen. Zwar fehlt mir in diesem Roman manchmal die Vielschichtigkeit der Charaktere, am Ende ist doch alles arg in schwarz und weiß eingeteilt, aber dennoch gibt es vor allem zum Ende hin viele überraschende Wendungen, die Lust auf die kommenden Teile machen. Yarvis Welt ist sehr auf das Wesentliche zusammengekürzt worden, sodass man von der Kultur, den Sitten und Gewohnheiten sowie den Städten nur das nötigste mitbekommt. Dies mag für eine leichte Sommerlektüre erfrischend willkommen sein, doch bin ich dahingehend bisher sehr verwöhnt und hätte mir hier und da noch ein wenig mehr Detailverliebtheit gewünscht. Der gesamte Fantasy-Aspekt ist ebenfalls sehr minimalistisch dargestellt, bis auf die erfundene Welt, die sich sehr an der keltischen Mythologie zu orientieren scheint, gibt es nahezu keine Magie oder ähnliches.

Insgesamt ist aber Königsschwur ein spannender, wenn auch nicht allzu anspruchsvoller Roman aus der Feder des Autors der erfolgreichen Klingen-Reihe, der trotz des etwas seichteren Fahrwassers Lust auf mehr macht. Schreib schneller, Joe!

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9 Gedanken zu “[Review] Joe Abercrombie: Königsschwur

  1. Eigentlich kann mein SuB gerade nicht wirklich Zuwachs vertragen, aber Abercrombie lief mir immer mal wieder über den Weg, wenn ich nach neuen Fantasy-Autoren und -Reihen Ausschau hielt. Was meinst du, wäre denn der „beste“ Einstieg in sein Werk? „Königsschwur“ hört sich jetzt schon interessant an, gibt aber wohl nicht unbedingt einen richtig guten Einblick in Abercrombies Schreibweise, oder?

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    1. Also am besten ist eindeutig seine Klingen-Reihe, angefangen mit „Kriegsklingen“. Das kann ich dir wirklich ans Herz legen, wenn du High Fantasy und Zynismus magst. Es geht in der Reihe recht ruppig zu, aber die Charaktere sind einmalig, die Dialoge sowieso – ach, ich komme schon wieder ins Schwärmen 😀

      LG Nemi

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      1. Ok, vielen Dank, dann merk ich mir die mal für wenn ich wieder Bücher kaufe! 🙂

        Schwärmen ist toll! 😉

        PS: Ich hab beim Stöbern gesehen, dass du auch Sanderson liest, hast du schon Words of Radiance gelesen? 😀

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      2. Der hat dafür den Gemmell-Award bekommen oder? Nee leider nicht, hab aber den ersten Teil dieser Reihe hier rum liegen. Muss damit endlich mal anfangen. Finde Sanderson schreibt auch richtig richtig gut.

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      3. Jupp, und nach kurzer Recherche hat der ihn tatsächlich für beide Stormlight-Bücher bekommen! 😮
        Bin mal gespannt, wie du die findest, ich bin ja jetzt schon gespannt auf die Wax&Wayne-Fortsetzung. 🙂

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      4. Cool! 🙂
        Bis auf die Bast-Sidestory hab ich alles gelesen und kann kaum erwarten, dass und wie es weitergeht. Auch wenn ich ihm alle Zeit der Welt gönne, so sympathisch wie er auf seinem Blog, auf Twitter oder bei Lesungen auftritt.

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