Sighteating in Wroclaw

Zum Tag der Deutschen Einheit war schon einige Monate vorher klar, dass es uns wahrscheinlich an diesem verlängerten Wochenende nicht unbedingt in den eigenen vier Wänden hält. Zu sehr lockte das Fernweh und zu arg fiel uns nach Monaten der anstrengenden (Wochenend-)Arbeit die Decke auf den Kopf. Da der Feiertag nun auch viele Geschäfte verschlossen hielt, kam schnell die Idee, doch einfach in ein anderes Land zu fahren und da schien Wroclaw eine tolle Idee zu sein, zumal mein Freund die Stadt bereits durch Fortbildungen seiner Arbeit ein wenig kannte.

Am Samstagmorgen ging es also mit gepackten Koffern gen Osten, quer über vollgestopfte Autobahnen, die vor allem rund um Dresden die reinste Tortur waren. Für meine perfektionistische, dezent pedantische Ader war die Tatsache, dass wir ohne Navi losgefahren sind, noch dazu der emotionale Supergau, vor allem als wir uns am Zielort angekommen erst einmal restlos in der Innenstadt verfuhren und uns nur die Roamingflatrate unserer Mitfahrgelegenheit vor stundenlangem Umherirren rettete.

Die Lage unseres Appartments war dagegen so perfekt wie es das Internet versprach, direkt gegenüber der Universität mitten in der Innenstadt, was dem geneigten Leser auch genügend Auskunft über die Parkplatzsituation im Umkreis geben sollte. Ich weiß bis heute nicht, wie wir es geschafft haben, nicht am anderen Ende der Stadt parken zu müssen.

Kommen wir also nun zu dem, wie ich mir einen gelungenen Urlaub vorstelle, egal, ob dieser nur zwei Tage oder drei Wochen dauert. Ich finde es absolut ermüdend, sobald ich in einer neuen Gegend bin, von einer Sehenswürdigkeit zum nächsten kulturellen Höhepunkt zu hetzen und dabei meinen gesamten Aufenthalt so minutiös durchzuplanen, dass ich abends völlig erschöpft ins Bett falle. Diesen Grad des körperlichen Ausgelaugtseins kann man zwar nicht mit dem einer gängigen Arbeitswoche vergleichen, kommt dem meines Erachtens aber schon sehr nahe, weswegen ich ein Sightseeing-Gerenne zumeist rigoros ablehne. Diesbezüglich gestaltete sich aber der Aufenthalt in Wroclaw regelrecht wie aus dem Bilderbuch. Am Anreisetag ging es zunächst einmal die wunderschöne Innenstadt erkunden, nachdem wir unser Appartment bezogen und uns ein wenig erfrischt hatten. Nach der fünfstündigen Autofahrt hatte sich mein Äußeres nämlich dem eines geplatzten Sofakissens bedrohlich angenähert. Abendessen gab es dann schließlich nach einem kurzen Rundgang direkt am Markt in einer herrlich urigen Gaststätte, in der es vorrangig landestypische Kost gab. Ich gönnte mir ein gebackenes Kaninchen nach altpolnischer Art mit gebratenen Semmelknödeln, die mit Schafskäse bestreut worden sind. Ein Gedicht – zumindest für all jene, denen die Kalorien und etwaiger Knoblauchgeruch mal völlig egal sind. Ich bin bei letzterem ja schmerzfrei, weiß aber, dass es da genug Menschen gibt, die da sehr empfindlich reagieren.

Zum Ende des Abends ging es dann gegenüber ins Whiskey in the Jar, wo es neben den gängigen Cocktails, Whiskey im (wer hätte das gedacht?) Marmeladenglas gab, gemixt als leckeren Cocktail. Meine Komposition aus Jack Daniel‘s, Triple Sec und Amaretto ist dabei eine absolute Empfehlung.

Der Tag darauf startete dementsprechend etwas verspätet, aber nicht minder toll mit einem kleinen Frühstück im Appartment. Der anschließende Stadtrundgang führte uns auf die zentral gelegene Insel, wo es nicht nur einen wunderschönen Park gab, sondern auch viele der unzähligen Kirchen Wroclaws. Die konnte ich mir aber leider nur von außen anschauen, denn, oh Wunder, just zum Zeitpunkt unserer Ankunft fand natürlich der Gottesdienst statt. Das war aber auch nicht schlimm, umso mehr Zeit hatten wir für das Mittagessen, das uns eine kleine, zentral gelegene Burgerbude lieferte, wo es Burger nach neuseeländischer Art gab. Meinen Burger of the week, den Quattro Formaggi, habe ich dabei leider nicht fotografiert – der war nämlich im Nu aufgegessen!

Nach einem kleinen Rundgang ging es dann abends traditionell Pierogis essen, gefüllte Teigtaschen, die sowohl süß als auch herzhaft serviert werden. Die Ansage an den Kellner, er solle uns doch einfach überraschen, da eh alles lecker klingt, habe ich dabei in keinster Weise bereut und nach dem Festgelage am Vortag ging ich diesen Abend wenigstens nicht ganz so gemästet zurück aufs Zimmer.

Wer jetzt am Abreisetag, an dem ich ob unseres so schnell verflogenen Kurzurlaubs regelrecht todunglücklich war, noch ein kulinarisches Highlight erwartet, wird wohl etwas enttäuscht sein, dass es da zum Mittagessen nur Dürüm in einem Einkaufscenter gab. Aber man kann ja nicht immer wie die Kaiser schlemmen!

Sowohl kulinarisch als auch kulturell ist Worclaw in jedem Fall zu empfehlen und ich komme gern wieder. Vielleicht um dann die nächsten Restaurants auszutesten, die ich mir bei den Spaziergängen schon innerlich ausgesucht habe! 😉

 

 

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