Monat: Februar 2017

[Review] Ex Machina

Irgendwann sehen die KIs auf uns zurück als aufrecht gehende Affen, dazu verdammt auszusterben.

Trailer

Wozu ist eine künstliche Intelligenz fähig? Diese Frage stellt sich zu Beginn des Films von Regisseur Alex Garland der Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson), der die Maschine Ava (Alicia Vikander) mit gezielten Fragen nach ihrem Verhalten abscannen soll. Bemerkt man, dass sie nur eine Maschine ist? Gibt es bei ihr menschliche Reaktionen, Fähigkeit zum komplexen Denken, wenn nicht sogar Gefühle? Nach und nach stellt Caleb fest, dass Ava weit mehr ist, als eine Mischung aus Schaltkreisen und Algorithmen. Stets unter der Beobachtung des egozentrischen Nathan (Oscar Isaac), dem Schöpfer der künstlichen Intelligenz, werden die Gespräche tiefgehender und persönlicher und allmählich muss Caleb feststellen, dass eine beunruhigend knisternde Verbindung zwischen ihm und Ava besteht. Dies wird durch die Tatsache, dass die KI eine ungeheure Ausstrahlung verliehen bekommen hat, nicht unbedingt besser und je länger Caleb in der bedrückenden Behausung von Nathan für die Testinterviews verweilt, umso mehr beginnt er an dessen Beweggründen zu zweifeln. Allmählich beschleicht ihn die dunkle Vorahnung, dass Ava in großer Gefahr schwebt und getrieben von seinen zwiespältigen Gefühlen reift in Caleb der perfide Plan, die KI aus den Fängen des alkoholabhängigen Nathan zu befreien.

Der Film konzentriert sich die ganze Zeit auf lediglich drei Charaktere, Ava, Caleb und Nathan, und spielt sich fast ausschließlich in dem Haus des KI-Schöpfers ab. Umgeben von einer wunderschönen Landschaft liegt das Haus abgeschieden von der Zivilisation, unbeobachtet von neugierigen Augen. Die Einsamkeit lastet bedrückend auf der Szenerie und es erscheint im Verlauf der Handlung nicht verwunderlich, dass Caleb irgendwann ernsthaft beginnt, an seinem gesunden Menschenverstand zu zweifeln. Die schauspielerische Leistung kann sich besonders von der Hauptdarstellerin durchaus sehen lassen, welche die Mischung zwischen der kalten Maschine und einer versteckten, mysteriösen Intelligenz meisterhaft hinbekommt. So wirken die beiden Männer der Geschichte schon fast flach neben ihr, obgleich man Domhnall Gleeson das Misstrauen und die innere Zerrissenheit durchaus abkauft. Dennoch kommt die Handlung nur schwer in Gang, da der Fokus eher auf den Gesprächen liegt, denen es an Geschliffenheit und Eloquenz deutlich fehlt. So zieht sich das Geschehen wie Kaugummi in die Länge und die ganze Zeit wartet man darauf, dass irgendetwas passiert, was das vorangegangene Gerede um nichts rechtfertigen würde. Sobald dies dann endlich der Fall ist, ist der Film auch schon vorbei, mit einem durchaus überraschenden, aber unbefriedigenden Ende. Hier soll offensichtlich Raum für eigene Interpretationen gelassen werden, die man jedoch nur anstellen kann, wenn man vorher nicht schon längst auf der Couch eingeschlafen ist.

[Review] Jackie

Trailer

 

Jackie ist ein tiefgehendes Biopic, in dem sich alles rund um das Schicksal der Jackie Kennedy dreht, die sich kurz nach der Ermordung ihres Mannes, dem Präsidenten J.F. Kennedy, dem Scherbenhaufen ihres bisherigen Lebens gegenübersieht. Nur eine Woche nach dem dramatischen Ereignis wird die gebrochene Frau interviewt und gibt dem Journalisten einen Einblick in ein Leben, welches nicht nur von Prunk und Glanz geprägt war. Ebenfalls erhascht der Zuschauer einen Blick direkt auf den Tag des Anschlags und bekommt eine Version dieses Ereignisses, die direkt aus der Sicht der Präsidentengattin berichtet.

Was zu Beginn auffällt, sind die eindringlichen Aufnahmen und Schnitte, die den Zuschauer ganz nah an Jaqueline Kennedy, herausragend gespielt von Natalie Portman, heranbringen. Auf pompöse, dramatische Musik wird sehr oft verzichtet, sodass man seine Aufmerksamkeit voll und ganz auf die Gefühlsregungen und die Mimik der Hauptfigur richten kann, die zwischen großer Verzweiflung, starrer Resignation und düsterer Erhabenheit schwankt. Mit Rückblicken gewinnt man einen Eindruck, wie Jackie Kennedy versuchte, aus dem Weißen Haus einen repräsentablen Ort zu machen, wie sie mit Selbstzweifeln kämpfte und wie sie alles daran setzte, das Begräbnis ihres Mannes gemäß seines politischen Status zu organisieren. Eine große Prozession sollte es werden, ganz in den Fußstapfen von Abraham Lincoln. Die ganze Zeit wirkt sowohl die Wahl der Schauspieler (u.a. Billy Crudup als Journalist und der erst kürzlich verstorbene John Hurt als Priester) als auch die zeitgenössischen Kostüme und Kulissen glaubwürdig und nie gekünstelt oder übertrieben. Bei der ganzen Eindringlichkeit, bei all den großen Charakteren und authentischen Gefühlen fehlte für mich hin und wieder aber eines: Empathie mit der Hauptfigur. Die wollte nämlich nie so wirklich aufkommen. Vielleicht soll gerade diese Distanz zu Jackie Kennedy entstehen, sodass man ihre Persönlichkeit objektiver betrachten kann. Mir hat jedoch hin und wieder der eine Funke gefehlt, der mir ihr Leid wirklich greifbar gemacht hätte. Nichtsdestotrotz hat Portman das Lob für diese Rolle mehr als verdient.

Insgesamt ist Jackie ein sehenswerter Film, der weit von dem seichtem Einheitsbrei der letzten Tage entfernt ist.

[Review] Verborgene Schönheit

Ich bin die Zeit … ich bin ein Geschenk, und Du vergeudest es!

Trailer: Verborgene Schönheit

In dem starbesetzten Film geht es um den erfolgreichen Geschäftsmann Howard Inlet (Will Smith), der durch einen schweren Schicksalsschlag all seinen Lebensmut verliert. Seine Arbeit, die er sonst über alles liebte, lässt er links und liegen, nur noch in seine Trauer und den Aufbau komplexer Domino-Arrangements vertieft, die fast wie eine Art Kanal seiner Gefühle anmuten. Seine Arbeitskollegen (u.a. Kate Winslet und Edward Norton) können das Drama nicht mehr länger mit ansehen – zumal wichtige Geschäftspartner nach und nach abspringen und die Firma droht, den Bach herunter zu gehen. Sie klügeln einen Plan aus, wie sie ihren Chef wieder zurück ins Leben und die Firma aus dem drohenden Loch holen können. Sie engagieren Schauspieler (Helen Mirren, Keira Knightley und Jacob Latimore), die als personifizierte Liebe, als den Tod und die Zeit zu Howard kommen und ihn an das erinnern, was er gerade aufzugeben gedenkt: sein eigenes Leben.

Ich habe nicht viele Erwartungen in diesen Film gesteckt, obwohl der Trailer doch schon sehr ansprechen und vor allem tränenrührend aussah. Das Staraufgebot, was Regisseur David Frankel hier an Land gezogen hat, interessierte mich dagegen umso mehr, zumal ich ein großer Mirren-Fan bin. Die Geschichte ist nicht nur mit Howards Schicksal gefüllt, sondern auch das Leben seiner Freunde rückt mehr und mehr in den Mittelpunkt, denn auch sie haben jeweils ihr eigenes Päckchen zu tragen und sowohl private als auch berufliche Lasten zu bewältigen. Da ist beispielsweise die engagierte Claire (Kate Winslet), die ihre biologische Uhr ticken hört, oder der verlassene Whit (Edward Norton), der wieder eine Bindung zu seiner Tochter aufbauen will. Dies verleiht dem Film mehr Tiefe, als ich es zunächst erwartet hätte und obwohl der Handlungsstrang doch sehr emotionsbetont ist, entsteht nie der Eindruck, dass hier übertrieben auf die Tränendrüse gedrückt wird.

Allerdings hat mich die Geschichte trotz der guten schauspielerischen Leistung aller Beteiligten nie wirklich berührt, was auf mein gefühlloses Herz oder auf einen etwas flachen Handlungsstrang zurückzuführen wäre. Ich mochte den unterschwelligen Witz, die klugen Dialoge, aber so ganz wollte es mich nicht packen, vielleicht weil Will Smith mich mit seiner rauen Art der Trauer nicht ganz überzeugen konnte. Das überraschende Ende hat dies jedoch ein wenig wieder gut machen können und am Ende wirkten all die kleinen Unstimmigkeiten gar nicht mehr so tragisch. Und da macht es auch nichts, dass Keira Knightley als die personifizierte Liebe neben Helen Mirren als den trauernden Howard heimsuchenden Tod absolut glanzlos wirkte.