Lost in Open World

Open World Spiele sind wohl das erfolgreichste Spielprinzip der letzten Jahre. Hierbei geht es darum, möglichst unendlich wirkende Spielwelten nahezu auf eigene Faust zu erkunden, ohne dabei an einen bestimmten Questverlauf gebunden zu sein. Zwar gibt es immer eine Hauptstory, quasi den Aufhänger eines jeden Spieles, aber es obliegt dem Spieler, ob er diese verfolgt oder in der Spielwelt seinen eigenen Weg geht und nur dann und wann zum roten Faden der Story zurück findet. Wie es scheint, wird dieses Prinzip auch 2017 nicht von der Gamingwelt wegzudenken sein, das demnächst erscheinende Mass Effect: Andromeda ist dafür ein gutes Beispiel. Solche Spiele sprechen die Entdecker unter den Gamern an, die jeden kleinsten Zipfel der Spielwelt erkunden wollen und eine gewisse Freiheit während des Spielens genießen möchten. Vielleicht spricht dieser Trend ja genau den aktuellen Zeitgeist an, denn wer möchte heute nicht ungebunden und frei einfach drauflos Abenteuer erleben, ohne sich gewissen Verpflichtungen zu unterwerfen? Zudem macht diese Freiheit das Spielerlebnis durchaus realistischer. Indem ich mich frei bewegen kann, eigene Entscheidungen treffen kann und in einer schier unendlichen Spielwelt eintauche, kann ich mich natürlich auch vermehrt mit der Welt, in der ich mich bewege, identifizieren. Gerade, wenn Beruf und Privatleben einige Pflichten auferlegen, ist es wohl auch diese Freiheit, die eine gewisse Entspannung und Erholung im Gaming bringt.

Die Vorteile liegen also auf der Hand – wieso finde ich Open World Spiele trotz allem also … nun ja … doof? Es ist meines Erachtens diese Freiheit, die neben den vielen Vorzügen auch zahlreiche Probleme mit sich bringt – ganz so wie im richtigen Leben. Je mehr es mir frei gestellt ist, wohin und wofür ich mich bewege, desto mehr tendiere ich als Spieler dazu, mich in dieser Spielwelt nahezu zu verzetteln und den roten Faden, den Grund, wieso ich überhaupt mit wehenden Fahnen in die Schlacht gezogen bin, zu verlieren. Es ist in etwa so, wie sich ein Langzeitstudent fühlen muss, der hier und da einmal Dinge ausprobiert, die ihm Spaß machen könnten, nur um irgendwann, enttäuscht festzustellen, dass die getroffene Entscheidung ja doch mit einigen Hürden verbunden ist. Flugs wendet man sich also einer Quest zu, die leichter erscheint. Parallelen zu aktuellen sozialen Bindungsproblemen drängen sich mir an dieser Stelle sehr schnell auf, führen aber vielleicht auch ein wenig zu weit.

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Was mir ebenfalls aufgefallen ist: die Story leidet angesichts der ihr gegenüber stehenden riesigen Spielwelt immens. Nehmen wir beispielsweise Skyrim, was ich sehr gern gespielt habe. Irgendwann hatte ich überhaupt keine Lust mehr, den Haupthandlungsstrang zu verfolgen, weil a) die Story sehr dünn gestrickt ist und viele Wendungen vorhersehbar erscheinen und b) man so überfrachtet ist von Nebenquests und DLC’s, dass man irgendwann schlicht und einfach vergisst, wieso man diese Reise überhaupt angetreten hat.

Diese Erfahrungen mache ich derzeit auch mit dem dritten Teil der von mir sehr verehrten Witcher-Reihe. Hier ist nur der entscheidende Unterschied, dass die Hauptstory weder Tiefgang noch Spannung vermissen lässt, aber ringsherum gibt es einfach so viel zu tun, so viele Monster zu erschlagen, Schätze zu finden und Schicksale mitzuverfolgen, dass ein Freund von mir erst kürzlich von einem Witcher-Burnout gesprochen hat. Er meinte damit, dass die Welt irgendwann so immens groß wurde, dass ihm schlichtweg die Lust verging, weiter darin einzutauchen, weil die Flut an Quests und Möglichkeiten nahezu abschreckend wirkte. Und was soll ich sagen – mir geht es derzeit ganz genauso. Wenn ich jetzt der Hauptstory weiter folge – verschwinden dann irgendwann einige Nebenquests, weil ich bestimmte Bedingungen für deren Abschluss nicht erfülle? Und was ist, wenn ich jetzt zu lange mit Monster jagen beschäftigt bin? Finde ich dann rein stimmungsmäßig einfach so wieder den roten Faden der Geschichte? Am Beispiel von Witcher 3 muss ich sagen, dass ich mich hier zwar sehr gut zurecht finde, aber oftmals das Gefühl habe, von der Welt um mich herum, den Aufträgen und Möglichkeiten erdrückt zu werden. Schließlich möchte man möglichst viel von der Lebenswelt der NPC’s entdecken, dies geht jedoch sehr oft auf Kosten des Spannungsaufbaus. Es ist wie eine To Do Liste, die man versucht abzuarbeiten, aber die mit jedem Haken eine weitere Aufgabe offenbart und somit länger und länger wird. Ist demnach ein mitreißender Spannungsbogen und eine detaillierte Spielwelt etwas, was nicht zueinander passt? Sollte man manche Details vielleicht nicht lieber einfach der Fantasie des Spielers überlassen? Oder geht dies dann alles wieder auf Kosten jener Tiefe, die ich in vielen (Rollen-)Spielen so sehr liebe?

Vielleicht wird in den kommenden, erscheinenden Spielen endlich ein guter Mittelweg zwischen Abenteuer verheißender Freiheit und spannender Story gefunden – schließlich möchte man auch nicht Unmengen an Geld ausgeben, um nach 15 Stunden Spielzeit schon fertig zu sein. Bis dahin bleibt leider sehr oft das Gefühl, sich durch das Spiel durchbeißen zu müssen, was ich angesichts der wundervollen Ideen der Entwickler doch sehr schade finde.

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2 Gedanken zu “Lost in Open World

  1. Geht mir bei den ganzen openworld-games genauso.
    Ich habe lieber eine spannende aber lineare geschichte in der ich mich verlieren kann als eine riesige welt die mich quasi erschlägt.
    Ausnahme: fallout 😉
    Interessanter text und schön zu sehen, dass ich mit meiner ansicht nicht alleine da stehe; danke!
    Lg fritze

    Gefällt 1 Person

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