[Review] Silence

Trailer

Kürzlich durfte ich mir die Preview zu Silence ansehen, einen Film mit Liam Neeson, Andrew Garfield und Adam Driver. Der Regisseur Martin Scorsese erzählt die Geschichte eines Priesters, der im 17. Jahrhundert nach Japan reist, um dort den christlichen Glauben zu verbreiten. Zusammen mit Francisco Garrpe (Driver) reist der junge Sebastiao Rodriques (Garfield) in das ferne Land, auch um seinen ehemaligen Lehrmeister Ferreira (Neeson) zu finden, von dem berichtet wird, er hätte sich vom Glauben abgewandt. Das Bild, was sich den jungen Missionaren bietet, ist jedoch völlig anders als erwartet und erschüttert die beiden in ihren Grundfesten.

Zu allererst fielen mir die schönen Landschaftsaufnahmen und aufwendigen Kulissen auf, die dem Zuschauer sehr realitätsnah das Japan des 17. Jahrhunderts nahe bringen (auch wenn es in Thailand gedreht worden ist). Die beiden Hauptdarsteller, die gemeinsam in das ferne Land reisen, sehen jedoch von der beeindruckenden Umgebung nicht allzu viel, denn auf Priester ist eine hohe Geldsumme als Belohnung ausgesetzt. Versteckt und mit der ständigen Angst, entdeckt und hingerichtet zu werden, können sie nur nachts ihrer Missionierung nachgehen. Schnell wird klar, dass auch darauf der Fokus gelegt wird. Wie schaffen es die beiden, das Christentum trotz aller Gefahren, in diesem Land zu festigen? Wie können sie die christlichen Japaner unterstützen und gleichzeitig den verschollenen Ferreira finden? Die schauspielerische Leistung empfand ich dabei als sehr authentisch, besonders Andrew Garfield vermittelt das Bild des glühenden Priesters sehr glaubhaft. Was mich durch den ganzen Film hinweg arg gestört hat, war die fehlende differenzierte Sichtweise, denn den Blickwinkel der nicht konvertierten Japaner bekommt man lediglich am Ende und dann auch nur in Ansätzen mit. Durch die Bank wird heftig in Schwarz und Weiß gemalt und der Fokus auf die armen, gepeinigten Christen gelegt, die von den bösen, grausamen Japanern unterjocht werden. An eingängigen Folterszenen wird nicht gespart, um das Leid möglichst detailreich darzustellen, die Szenerie ist fast durchgängig düster in Nebel und Regen getaucht. Um jeden Preis wird am eigenen Glauben festgehalten, auch wenn es den eigenen oder den Tod anderer bedeutet. Dies ist ein authentisches Spiegelbild der damaligen Zeit, stößt mir aber dennoch sehr sauer auf. Ich hätte mir mehr verschiedene Blickwinkel gewünscht oder Beweggründe der Antagonisten, dies wird jedoch nur angetippt.

Insbesonders eine Szene ist mir im Gedächtnis geblieben. Der junge Rodriques wird in seiner Gefangenschaft vom Inquisitor dazu aufgefordert, seinem Glauben abzuschwören. Die Befreiung zahlreicher Christen, die vor ihm gefoltert werden, steht in Aussicht und doch ist dieser Akt für den nahezu fanatischen Christen ein Akt der Selbstverstümmelung. Zum Beweis seiner Abkehr soll er ein Bildnis Jesu mit den Füßen treten – eine Geste, die sehr oft im Film von den Christen verlangt wird. Eine Stimme im Off, offensichtlich der Heiland selbst, beruhigt Rodriques, er könne den Fuß ruhig auf sein Bild legen, immerhin hätte er schon genug gelitten. Hier kommt keine Ergriffenheit auf, allenfalls wirkt die Szene gezwungen und beinahe ins Lächerliche gezogen.

Für mich war dieser Film lediglich ein unreflektiertes Bild einer an und für sich interessanten Thematik und die knapp 3 Stunden zogen sich wie Kaugummi. Einen wirklichen Glaubenskonflikt angesichts des Schweigen Gottes vor so viel Leid und Elend war hier nahezu nirgends erkennbar. Schade um das verschenkte Potenzial!

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