Bösewichte und was aus ihnen werden soll…

Mittlerweile tritt der Antagonist auf den Plan. Der große Gegenspieler, der den Hauptfiguren der Geschichte das Leben schwer macht und im Schatten intrigiert, um seine Ziele zu erreichen. Zu Beginn wusste ich nicht so recht, wie ich die Figur einführen sollte. Tritt sie einfach so auf den Plan, durch einen unglücklichen Zufall? Oder wird sie ausführlich vorgestellt, sodass der Leser gleich einen ersten Eindruck von Charakterzügen und Teilen der Hintergrundgeschichte dieses (in meinem Fall) Mannes erfährt?

Derzeit habe ich mich für ersteres entschieden. Mehrere kurze Aufeinandertreffen, meist geprägt durch handfeste Auseinandersetzungen, bei denen noch nicht ganz klar wird, welche Motive eigentlich den Charakter bewegen. Erst im Verlauf wird die Sichtweise gewechselt und der Antagonist selbst kommt zu Wort. Erste Charakterzüge werden deutlich. Einige untermauern seine Stellung in der Geschichte, andere werfen Fragezeichen auf. Was hat es beispielsweise mit der unterschwelligen Aggression auf sich, die immer dann in Gesprächen mitschwingt, wenn der verwöhnte und ehrgeizige Sohn des Ratsherren zugegen ist? Hier scheint es um mehr zu gehen, als um das übliche Gerangel um Stellung und Macht. Ich habe diesbezüglich schon ein Grundgerüst im Kopf, aber die genauen Details entstehen meist sehr spontan. Bisher gefällt mir der Charakter auch beinahe mehr als meine Hauptfigur, was vermutlich da dran liegt, dass es mir die vermeintlich „Bösen“ generell angetan haben. Vielleicht, weil ihnen – sofern wir hier nicht von der mir sehr verhassten Schwarzweißmalerei reden – meist mehr Tiefgang innewohnt. Oftmals haben sie eine eigene, dunkle Vergangenheit, die aus ihnen den Menschen gemacht hat, der sie heute sind. Meist steckt hinter der sadistischen, rachsüchtigen, missgünstigen Ader ein tief verletzter Kern, den irgendjemand in der Vergangenheit des Protagonisten offen gelegt und mit Füßen getreten hat. So schafft es der Antagonist nicht, aus seinen erlernten und für ihn lebenserhaltenden Verhaltensmustern heraus zu kommen, weswegen am Ende meist der „Held“ der Geschichte triumphiert, da er den Sprung über seine eigenen, selbst auferlegten Schranken meistert.

Doch möchte ich die Geschichte wirklich so lenken? Mir ist Charakterentwicklung wichtig, nur weiß ich bisher noch nicht, in welche Richtung sich mein dunkler Gegenspieler drehen wird: Selbsterlösung oder Talfahrt ins eigene Verderben? Oder keines von beidem? Vermutlich sind die Übergänge hier so fließend, dass am Ende nur eine winzige Eingebung beim Schreibprozess entscheiden wird, ob sein Schicksal von Beginn an besiegelt war.

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6 Gedanken zu “Bösewichte und was aus ihnen werden soll…

  1. Hm, das klingt doch gut! 🙂
    Bösewichter haben meist mehr Ecken und Kanten und sind nicht so glattgebügelt wie manche Protagonisten (jedenfalls gute Bösewichter), mit denen man ja als Leser viel Zeit verbringt und die deswegen eher weniger anecken sollen, vermute ich. Denn wenn der Protagonist unleidlich ist, hat ein Buch meist schon verloren, wohingegen man beim Bösewicht hinterher positiv überrascht ist, wenn er eben mehr Tiefe hat.
    Ich drück die Daumen für produktive Spontaneität! 🙂

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  2. Die Ziele von Antagonisten sind immer eine schwierige Sache meiner Meinung nach. Ich finde es immer am spannendesten beim Lesen, wenn ich solange wie möglich nicht weiß, wer eigentlich der Bösewicht in der Geschichte ist. Und wer die Fäden eigentlich zieht. In meiner Geschichte endet alles in einer umfassenden Erkenntnis gegenüber der eigenen Blindheit: Die Protagonisten werden sich ihres eigenen Schwarz-Weiß-Denkens bewusst. Somit verschiebt sich letztendlich die Perspektive auf den Antagonisten – und nicht er selbst im Sinne von Fall oder Erlösung (dennoch macht auch er eine Entwicklung durch – aber eben nicht mit einem solch krassen Ende).

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      1. Ungewissheit beim Schreiben ist eher nicht so mein Ding. Ich gehe immer davon aus, dass man nur da für den Leser auf intelligente Weise Ungewissheit schaffen kann, wenn man selbst weiß, was dahinter steckt.

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