Monat: Mai 2017

[Review] King Arthur: Legend of the Sword (2017)

Trailer

 

Wenn ich an König Artus und die Ritter der Tafelrunde denke, dann kommen mir längst nicht mehr angestaubte Bilder mit bunten Roben, graubärtige Magier und jungfräuliche Damen in den Sinn. Bereits 2004 verfolgte ich mit Begeisterung die Verfilmung von Antoine Fuqua, welche sich eher an dem historischen Stoff der Artuslegende orientierte und mit Clive Owen als Artus ein neu interpretiertes Bild des Mythos zeigte.

Nun war ich aufgrund des vielversprechenden Trailers sehr gespannt auf die neue Verfilmung, die wieder viel mehr Magie und vor allem auch mehr Action versprach. Guy Ritchie nahm sich des Stoffes an und setzte den aus Sons of Anarchy bekannten Charlie Hunnam in die Rolle des Königssohnes, der das Schwert aus dem Stein ziehen sollte.

Die Geschichte ist nicht neu, doch die Aufmachung umso mehr. Bereits zu Beginn wird man mitten hinein ins Schlachtgetümmel geworfen, in dem sich König Uther (Eric Bana) gegen den bösen Magier Mordred zur Wehr setzen muss. Dabei wird er von seinem machthungrigen Bruder Vortigern (Jude Law) hinterhältig ermordet und Arthur, nun Waisenkind, landet ausgesetzt in einem Boot bei einer Schar Prostituierten, die sich seiner annehmen. Zwischen Armut, Geldgier und Gewalt wächst er zu einem redegewandten Mann heran, der sich auch im Kampf zu behaupten weiß. Durch eine Verkettung von Intrigen gerät er, unwissend um seine Herkunft, schließlich in die Fänge von Vortigern, der nach dem Kind fieberhaft suchen lässt, welches als Einziges seine Herrschaft nun noch gefährden kann. Junge Männer in seinem Alter müssen reihenweise versuchen, das sagenumwobene Schwert Excalibur, die Waffe Uthers, aus dem Stein zu ziehen, und Arthur selbst hätte wohl am Wenigsten damit gerechnet, dass ausgerechnet er zu dieser Leistung imstande ist. Fortan wird er zur Zielscheibe von Vortigerns Häschern und muss sich entscheiden, ob er sein Schicksal annehmen will oder doch lieber die Flucht ergreift…

 

Was bereits zu Beginn auffällt, ist das rasante Tempo, was in diesem Film an den Tag gelegt wird. Von Szene zu Szene hetzen rauschende, in grau gehaltene Bilder, die Dialoge sind schnell und mit einem Schwung schwarzhumoriger Ironie, sodass man kaum Luft holen kann. Dabei werden viele Aspekte der Handlung erst im Nachhinein erklärt, was hin und wieder ein wenig für Verwirrung sorgt, sich aber schnell aufklärt. Man merkt dem Film an, dass er möglichst viele Aspekte der Handlung in die vorgegebene Zeit pressen will, weswegen einiges sehr gerafft wirkt und man vermutlich gern mehr davon gesehen hätte, um Arthurs Entwicklung zum König Englands nachvollziehen zu können. Hier trösten den Zuschauer die kunstvoll inszenierten Bilder über die eine oder andere inhaltliche Schwäche hinweg, denn die Optik ist eine der größten Stärken des Films. Die blitzartigen Schnitte wirken nirgends deplatziert, die ansehnlichen Kampfchoreografien sind an den richtigen Stellen im Zeitraffer dargestellt und der mitreißende Soundtrack von Daniel Pemberton untermalt das Ganze mit wuchtigen Klängen. Wer den Film in 3D schaut, kann sich auf tolle Effekte, klare Konturen und gut erkennbare Pop-Outs freuen, die das Herz eines jeden 3D-Freundes höher schlagen lassen. Qualitativ habe ich hier rein gar nichts auszusetzen.

Zu modern, werden hier einige monieren, zu hektisch und oberflächlich die anderen, ich jedoch habe mich von diesem Actionspektakel und seinen düsteren Fantasyelementen gern mitreißen lassen und genoss jede rauschhafte Minute. Überraschend war hier für mich vor allem ein durchaus glaubhafter Jude Law, der als Vortigern mit jedem Mittel an die Macht gelangen will. Vielleicht soll damit ein neuer Weg in der Schauspielkarriere des einstigen Frauenschwarms eingelegt werden – ein guter Grundstein wurde hiermit in jedem Fall gelegt.

Insgesamt ist King Arthur ein sehr sehenswerter Film, der eine alte Geschichte ganz neu interpretiert aufleben lässt. Dies gefällt vielleicht nicht jedem, vermag aber voll und ganz unterhaltsames Popcorn-Kino zu bieten

 

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Satz heiße Ohren oder rotgeränderte Augen?

book-2135768_1280Wie der anmutig klingende Titel vermuten lässt, beschäftige ich mich heute mit … Hörbüchern und ob sie ihre nach Wissen und Weisheit riechende Mutter, das Buch, denn jetzt wirklich ablösen – zumindest was mich angeht.

Als die Hörbücher allmählich in den Lädern erschienen, rümpfte ich noch etwas pikiert die Nase. Schöne Geschichten entstehen doch im Kopf, mit der mir eigenen „Gedankenstimme“, die mir diese kostbaren Bilder einpflanzt, die oft besser sind als jede Filmszene. Ich erinnerte mich schaudernd an diverse schlechte Lesungen, die leiernd und angestrengt vorgetragen, mir jede Lust auf das vielleicht tolle Buch nahmen und der Gedanke, dass mir eine fremde Stimme dementsprechend auch fremde Bilder einimpft, schreckten mich völlig ab. Dabei liebte ich es als Kind, wenn man mir vorlas und auch heute höre ich einer gut vorgetragenen Geschichte sehr gern zu. Dementsprechend sah ich Hörbücher als schöne Alternative für alle Lesemuffel, doch für mich eingefleischte Buchliebhaberin schien dieses neue Medium absolut keine Alternative.

Dies sollte sich jedoch sehr schnell ändern, als ich einen Job 86km entfernt annahm und nun jeden Tag zwei bis drei Stunden, je nach Verkehrslage, auf der Autobahn verbrachte. Irgendwann war ich von der Monotonie erreichbarer Radiosender derart verstört, dass ich mein Autoradio am Liebsten angezündet hätte, sobald ein Lied zum fünften Mal lief oder ich mir nun zum dritten Mal anhören musste, wo ein Hausfrauenstreit aufgrund der Andrea-Berg-Songwahl ausbrach. Zum Lesen kam ich aufgrund des Arbeits- und Fahrpensum sowieso nicht mehr, doch auf meine geliebten Bücher verzichten wollte ich auch nicht. Es dauerte nicht lange, und ich meldete mich in der hiesigen Bibliothek an.

Und siehe (oder höre) da! Plötzlich hatte ich wieder Zugang zu meiner Parallelwelt, die ich so vermisst und durch die oft mental sehr stressige Arbeit dringend gebraucht hatte. Doch wie bei einem guten Schreibstil stellte ich auch hier fest, dass ein gutes Hörbuch mit dem Sprecher steht und fällt. Frauen fallen dabei bei mir ganz schnell raus und ich kann mir absolut nicht erklären, woran das liegt. Vermutlich, weil ich bisher nur von Frauen besprochene Hörbücher erwischt habe, die aus dem Bereich der Jugendliteratur stammen und meist schon thematisch auf Mädchen und junge Frauen ausgerichtet waren. Mich strengt dieses betont Spritzgirl-1990347_1280ige bei diesen Sprecherinnen aber eher an, als dass es mich mitreißt. Doch auch männliche Sprecher schafften es, mich mit ihrer monotonen Art einzuschläfern. Gepaart mit einer drögen Handlung brachte mich das nicht nur einmal während der Fahrt bedrohlich nahe an die Leitplanke, schließlich war ich durch eine gängige Aufstehzeit von 4 Uhr 30 eh schon völlig übermüdet.

Was ich an Hörbüchern mittlerweile jedoch so faszinierend finde, ist dass sie mir erst als mittelmäßig betrachtete Romane richtig schmackhaft machen konnten. „Der Name des Windes“ von Patrick Rothfuss habe ich zwar gelesen, fand die Story aber langatmig und wenig innovativ. Als ich das zugehörige Hörbuch in der Bibliothek entdeckte, wollte ich dem Buch noch eine Chance geben und war noch nie von einer Geschichte so gefesselt. Stefan Kaminski schildert die Geschehnisse in einer authentischen Art und Weise, die mir oft den Atem raubte und mich jedes Mal traurig stimmte, wenn ich den Motor ausstellen musste. Jetzt kann ich es gar nicht mehr erwarten, die anderen Teile zu lesen – ob nun hörend oder gemütlich mit Buch auf der Couch, das ist mir mittlerweile sogar egal.

Ähnliches scheint sich mit der Drachenelfen-Reihe von Bernhard Hennen abzuzeichnen. Die ersten beiden Bände habe ich gelesen und fand sie eher langatmig und zäh als spannend, obwohl ich seinen Schreibstil und seine Ideen sehr verehre und die vorige Elfen-Reihe verschlungen habe. Jetzt nach den ersten Kapiteln des zweiten Bandes, mit dem ich erneut einsteigen möchte, gefällt mir die Atmosphäre, die der Sprecher Detlef Bierstedt erzeugt, sehr sehr gut. Es ist schon erstaunlich, zumal ich mir nicht vorstellen konnte, mich diesen Büchern jemals wieder zu widmen. Auch viele neue Bücher durfte ich mittlerweile durch Hörbücher entdecken, die mich in der Bibliothek ansprachen und die ich mir so vermutlich nie gekauft hätte. Besonders im Gedächtnis geblieben ist da „Die Insel der besonderen Kinder“, ein wahrer Schatz unter den Büchern, den ich vorher schon allein wegen des merkwürdigen Covers nie gekauft hätte.

Heiß ersehnte Romane, etwa die von Joe Abercrombie, möchte ich jedoch nach wie vor richtig in den Händen halten und lesend erfahren. Doch während meiner Autofahrten, die sich mittlerweile zwar (zum Glück!) verkürzt haben, kann und will ich auf Hörbücher nicht mehr verzichten! So hatte die Pendelei doch etwas Gutes.