[Review] Begabt – Die Gleichung eines Lebens

Die siebenjährige Mary (McKenna Grace) lebt bei ihrem Onkel Frank Adler (Chris Evans) in Florida in recht einfachen Verhältnissen. Dieser nahm sich nach dem Freitod der Mutter seiner kleinen Nichte an und kümmert sich um sie so gut es geht. Schnell wird jedoch klar, dass Mary nun allmählich zur Schule gehen muss, was dem aufgeweckten und selbstbewussten Mädchen alles andere als gefällt. Schicksalsergeben fügt sie sich, doch bereits am ersten Tag erkennt ihre Lehrerin Bonnie (Jenny Slate), dass Mary über Kenntnisse verfügt, die weit über die einer normalen Erstklässlerin hinausgehen. Marys Hochbegabung und ihre Unterforderung angesichts der einfachen Aufgaben des Grundschullehrplans veranlassen die Lehrerin, mit diesem Thema an Frank heranzutreten, der eine besondere Förderung jedoch konsequent ablehnt. Mary soll so normal wie möglich aufwachsen – ganz so, wie es sich ihre Mutter gewünscht hätte. Die Rechnung hat Frank jedoch ohne seine Mutter Evelyn (Lindsay Duncan) gemacht, deren Ehrgeiz ganz andere Pläne für Marys Werdegang hat.

Mary, exzellent gespielt von Mckenna Grace, wächst einem im Laufe des Films sehr ans Herz und ihr Schicksal wird durchweg ergreifend mit einer Prise Humor in Szene gesetzt. Das Zusammenspiel der Schauspieler funktioniert hier durchweg und bis zum Schluss fiebert man mit dem einsamen Mädchen mit, die mit Gleichaltrigen nicht viel anfangen kann und deswegen nur schwer Freunde findet. Chris Evans, den ich bisher nur aus Filmen wie Captain America kannte, ist hier in einer etwas ungewohnten, zurückhaltenden Rolle zu sehen, kann aber diese tatsächlich gut ausfüllen. Als es schließlich vor Gericht gegen die eigene Mutter geht, musste ich an der einen oder anderen Stelle schon ein wenig die Tränchen zurückhalten, wirft der Film doch Fragen auf, die das eigene Leben nicht nur von mir betreffen. Fragen wie: Ist Arbeit wirklich alles? Was ist im Leben wirklich wichtig – Erfolg oder Familie? Wie sollte ein so talentiertes Kind wie Mary gefördert werden und was ist überhaupt das Beste für ein solches Kind? Besonders wenn man wie ich im pädagogischen Bereich arbeitet, beschäftigt einen dieses Thema sehr, denn meist hat man doch eher mit jenen zu tun, die davor bewahrt werden müssen, nicht in der Masse unterzugehen, weil sie im Stoff nicht mitkommen. Die Förderung brauchen, und nicht wie Mary Forderung. Was mache ich, wenn ein Kind in meinem Unterricht komplett unterfordert ist und eigentlich viel mehr leisten könnte? Die Perspektive der Pädagogen wird hier zwar nur randseitig behandelt, was ja auch sonst zu sehr am Thema des Films vorbeigehen würde, ich fand diesen Gedankenanstoß für meine Arbeit jedoch sehr wertvoll.

Auch wenn Begabt hin und wieder doch arg auf die Tränendrüse drückt, empfand ich das Ensemble der Darsteller und die Geschichte als sehr stimmig und mitreißend. Bisher wird an vielen Stellen kritisiert, dass die eigenen Bedürfnisse des Kindes zu wenig im Vordergrund stehen und zu sehr mit Klischees gearbeitet wurde, dies habe ich jedoch an keiner Stelle als so drastisch empfunden. Für mich ist es ist ein Film fürs Herz, der ohne große Liebesgeschichte auskommt, sondern den Fokus klar auf das Schicksal eines Kindes legt, das auf dem schmalen Grat zwischen Genie und kleinem verspielten Mädchen wandert. Regisseur Marc Webb erzählt die Geschichte sehr feinfühlig und hat ein sehr emotionales Drama geschaffen, das ich jedem empfehlen kann.

Hier geht’s zum Trailer!

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