Monat: September 2017

Biedermeier

Wir leben in einer Zeit, die voll ist von Ereignissen, die vor einigen Jahren noch vermehrtes Entsetzen, Aufschreie der Empörung oder auch weitläufige Proteste ausgelöst hätte. Eine Naturkatastrophe jagt die Nächste, fast täglich lesen und hören wir von zerstörten Gebieten, verwüsteten Landschaften, obdachlos gewordenen oder sogar verunglückten Menschen. In der USA und in der Karibik wütet der Planet mit einer Intensität, die man so bisher nur äußerst selten erleben musste. In meinem Kopf regen sich bei solchen Nachrichten die vielfältigsten Gedanken, die sich aber im Laufe der Zeit stark veränderten. Von der anfänglichen Bestürzung und Anteilnahme ist mittlerweile nicht viel mehr geblieben als ein betroffenes Seufzen, ein kurzes Gespräch am Essenstisch oder ein resigniertes Schütteln mit dem von all den Informationen überladenen Kopf. Es ist, als würde das Unheil an meiner Wohnungstür kratzen, doch da ich gut abgeschlossen habe, mache ich mir keine großen Sorgen, dass es über meine Schwelle treten könnte. Ich lebe, ich gehe arbeiten, bin gestresst vom Alltag und suche mir möglichst viele Inseln, die mir eine kleine Auszeit von dem hektischen Hamsterrad des normalen Lebens gewähren. Viel Zeit für Betroffenheit und Ängste bleibt da kaum. Immerhin habe ich mit viel realeren Ängsten zu kämpfen – jenen, die sich direkt in meiner Umgebung befinden und sich mit der nächsten Steuererklärung, den im Job zu bewältigenden Aufgaben und der schier unerreichbaren Work-Life-Balance befassen.

Nicht nur schlimme Erschütterungen des Erdballs im buchstäblichen Sinn, auch menschliche Akte der Grausamkeit, Missgunst und bedrohliche Konflikte der Welt haben in mir anfangs eine fast schon euphorisch anmutende Welle des Protestes ausgelöst. Paris, London, überall bricht das Feuer aus und das Ohr hört Dinge, die es anfangs kaum in eine bekannte Schublade stecken kann. Sofort schaltet der Verstand sich ein. Da muss man doch etwas dagegen tun! So kann das nicht weiter gehen! Haben die gar nichts aus der Geschichte gelernt? Schon durch meinen Beruf bin ich für derartige Geschehnisse sensibilisiert und kann mich förmlich in Rage reden, wenn es mal wieder ein Mensch des öffentlichen Lebens geschafft hat, unsere Gesellschaft an den Rand des Zusammenbruchs zu bringen. Doch wie mit allen neuen Dingen verlieren diese irgendwann an Kraft, je öfter wir mit ihnen zu tun haben. Die Empörung ist zu einem stumpfen Stirnrunzeln geworden, der flammende Protest zu einer besorgten Äußerung, manchmal schaffe ich gerade mal ein Achselzucken und verschwinde dann wieder in meinen kleinen Kreis des Alltagswahnsinns.

Auch im Freundeskreis stelle ich verstärkt fest, dass politisches Engagement, Interesse am öffentlichen Geschehen und an der Zukunft unserer Welt mehr und mehr der Beschäftigung mit dem eigenen Wirkungskreis weicht. Wichtig ist jetzt das Umfeld, was ich aktiv beeinflussen kann, in dem ich Veränderungen möglichst zeitnah sehe und bei dem ich nicht das Gefühl habe, dass ich dieses Kreuz jetzt nur setze, damit ich am Ende sagen kann „ja ich hab DIE ja nicht gewählt!“. Ich mache mir meine eigene Welt so schön wie möglich, mit all den kleinen oberflächlichen Dingen, die ich mir im Rahmen meines Gehalts zugestehen kann. Eine neue Vase wird schnell zum Highlight der Woche, die Geburt eines Kindes einer Freundin lässt an eigene Familiengründung denken, und wollte ich nicht endlich mal wieder nach günstigen Grundstücken schauen, möglichst im ländlichen Gebiet? Die Sehnsucht nach dieser idyllischen Seifenblase vollgestopft mit Deko, Familiengezwitscher und der eigenen Selbstverwirklichung kommt wahrlich einem Rückzug gleich. Rückzug vor den ewig währenden Ängsten, die aus dem Bildschirm auf mich niederprasseln, die die heile Welt ins Wanken bringen könnten, die vielleicht eine Zeit zurück bringen, in der meine Luxusprobleme nur noch eine graue Erinnerung an bessere Zeiten sind, während ich mich mit einer Lebensmittelmarke in eine Schlange in den grau-verregneten Wintertag stelle. Lieber renoviere ich mein Arbeitszimmer, erfülle mich selbst, indem ich meine eigenen vier Wände befülle und sehe zu, dass meine Mauer aus Privatleben nicht von äußeren Bedrohungen gestreift wird.

Doch Mauern bröckeln irgendwann. Vasen stauben ein, der Rasen ist irgendwann fertig gemäht und das Haus auf Vordermann gebracht. Irgendwann hat jede Flucht, wohin auch immer, ihr Ende. Vielleicht wäre es dann an der Zeit, die alten Kräfte wieder zu mobilisieren, wenigstens zu einem kleinen Teil. Den winzigen Funken, der sich mit der Außenwelt beschäftigt und sieht, was um einen herum passiert, wieder entfachen und zum Mitdenken anregen. Seinen Beitrag leisten und den Mund aufmachen, um jene zu übertönen, die nur Hass und Panik ausspucken. Das Kreuz trotzdem setzen und sich beteiligen, und wenn es nur dafür gut ist, die eigene private Seifenblase vor dem großen Windstoß zu beschützen.

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Welches Medium soll es sein?

Adaptionen der verschiedensten Geschichten gibt es mittlerweile in mannigfaltiger Weise. Buch zum Film, Filmadaption des Buches, Hörbuch, wenn man Glück hat gibt’s das Ganze noch als Theaterstück oder, wenn man richtig Glück hat, noch als Game, damit man die Lieblingsgeschichte auch noch interaktiv erfahren kann.photo-camera-219958_640

Oft bin ich überrascht, wenn ich einen Film schaue, dass dieser auf einem Buch basiert, welches schon seit Längerem als Bestseller gilt. Hin und wieder habe ich die Bücher bereits gelesen und freue mich wahnsinnig auf die Verfilmung, habe ich doch schon ganz lange Bilder meiner Charaktere im Kopf, die ich nun endlich auch außerhalb meines geistigen Auges sehen kann. Oft kommt es auch vor, dass die Filmvorlage als Roman im Handel erscheint, dies ist jedoch meiner Erfahrung nach die Seltenheit. Dazu muss ich auch sagen, dass die Filmadaptionen, die ich bisher gelesen habe, dem Niveau eigenständiger Lektüre nicht das Wasser reichen können und oftmals das Filmerlebnis fast schon ins Lächerliche gezogen haben. Über Ausnahmen lasse ich mich an dieser Stelle gern belehren 🙂

Doch was ist nun das geeignetes Medium, um dem Stoff am Ehesten gerecht werden zu können? Ich plädiere meist dafür, den Roman als Ausgangspunkt für weitere kreative Umsetzungen heranzuziehen. Leerstellen in der Handlung, offene Handlungsstränge, vom Autor bewusst oder unbewusst gelegte Lücken im Plot regen nicht nur die eigene Fantasie an, sondern biknowledge-1052014_640eten auch viel Spielraum für weitläufige Interpretationen, die man auf mannigfaltige Art und Weise umsetzen kann. Leider kommt es hier auch oft vor, dass visuelle Umsetzungen das eigene Bild des Charakteres oder eines besonderes Schauplatzes derart zerstören können, dass es hier eine Verfilmung sehr schwer hat, den eigenen Bildern im Kopf gerecht zu werden. Bestes Beispiel für mich ist hierbei Daenerys aus Das Lied von Eis und Feuer, die für mich eine der wenigen Fehlbesetzungen in der Serie zum Buch ist. Tolkiens Der Herr der Ringe, ein Buch, was ich bereits als Teenie mehrmals gelesen hatte, fand ich dahingegen wunderbar umgesetzt und konnte dem Regisseur Peter Jackson auch die eine oder andere Änderung verzeihen, sah ich hier doch das Herzblut, was hinter dem wahrhaftigen Mammutprojekt stand. Der Hobbit widerrum habe ich nie gelesen, weswegen ich sehr unvoreingenommen an die Filme herangehen konnte. Dennoch mochte ich nur den ersten Teil dieser Filmtrilogie wirklich gern.

Hörbücher stehen und fallen meiner Meinung nach mit dem- oder derjenigen, welcher oder welche das Buch vorliest. Wie oft habe ich es erlebt, dass ein dröger Leser die spannende Romanhandlung völlig zunichte machte und mich im Auto nahe an den Sekundenschlaf brachte, während ein guter Leser das Buch erst recht fesselnd für mich machte. Stefan Kaminski ist hier das beste Beispiel für mich – keiner vertont die Romane von Patrick Rothfuss so genial wie er (hat wohl im Deutschen auch keiner, aber ihr wisst ja, was ich meine!). Dem entgegen steht John Greens Eine wie Alaska, bei dem ich während des Hörens beinahe mit dem Kopf auf das Lenkrad knallte.

Was Theaterstücke angeht, so plane ich nach wie vor, mir Tschick von Wolfgang Herrndorf anzuschauen, habe ich doch das Buch gelesen, selbst an Schüler vermittelt und auch der Film steht längst auf meiner Watchlist. Die Möglichkeiten, drei Medien miteinander zu vergleichen, die sich einem Stoff widmen, fasziniert mich sehr und ich bin gespannt, welches der Umsetzungen mich mehr überzeugt. Hier sehe ich ebenfalls die große Chance von möglichst vielen medialen Interpretationen: ich kann somit ein breiteres Publikum erreichen, die verschiedensten Typen ansprechen und ihnen die Möglichkeit geben, den Stoff auf die Art zu erfahren, die ihnen am Ehesten entspricht. Nichtsdestotrotz sehe ich hier auch die Gefahr der Überflutung von Varianten, bei der man sich kaum entscheiden kann, was denn nun das Beste ist und was jetzt auch wirklich Sinn macht, Zeit und Gedanken hinein zu investieren. Seine eigenen Präferenzen zu kennen, kann hier von großem Vorteil sein.

Was Umsetzungen in Spielen betrifft, hat Guddy einmal einen sehr lesenswerten Blogartikel dazu geschrieben (hier und hier). Für mich ist nach wie vor die Reihe rund um den Hexer Geralt von Riva, basierend auf den Roman von Adrej Sapkowski, das Gelungenste, was mir dahingehend untergekommen ist, wenngleich sich hier nur lose an der Romanvorlage orientiert worden ist. Mit Hochspannung erwarte ich auch die angekündigte Netflix-Serie, bei der ich allerdings befürchte, dass meine immens hohen Erwartungen der Serienverfilmung kaum eine Chance lassen.

 

Wie sieht es bei euch aus? Buch, Film, Spiel oder was ganz anderes? Am besten alles zusammen? Verratet es mir! 🙂

[Filmreview] Schloss aus Glas

Jeanettes Familie ist wohl mehr als nur ein bisschen sonderbar: Fast ihr ganzes Leben reist die Familie Walls von Ort zu Ort, da Vater Rex (Woody Harrelson) durch seine Trinkerei einen Gläubiger nach dem nächsten verärgert. Auch Mutter Rosemary (Naomi Watts) kann mit ihren Gemälden keinen Beitrag in die Familienkasse leisten, zudem die Künstlerin so sehr in ihrer eigenen Welt lebt, dass sie für ihre vier Kinder nicht viel Zeit übrig hat. Irgendwann wächst die selbstbewusste Jeanette (Brie Larson) schließlich aus den Geschichten ihres Vaters von geschenkten Sternen und zu bekämpfenden Dämonen heraus und erkennt mehr und mehr, dass sie innerhalb ihrer bettelarmen Familie niemals ihre Träume wird verwirklichen können.

Schloss aus Glas von Jeannette WallsSchloss aus Glas basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jeanette Walls, die ihre Lebensgeschichte dort verarbeitete. Es ist die Geschichte einer schweren Kindheit, einer Kindheit, die viel zu früh enden muss, wenn Kinder zu den Eltern ihrer Erziehungsberechtigten werden. Die beiden Handlungsstränge der erwachsenen, nun sehr erfolgreichen, Kolumnistin und der kleinen rothaarigen Jeanette, die ihren alkoholkranken Vater über alles liebt, sind geschickt miteinander verwoben und zeigen immer wieder, welche tragischen, manchmal auch komischen Momente die heutige Jeanette prägten und teilweise noch immer verfolgen. Denn mit ihrem jetzigen Leben auf der Überholspur, mit dem erfolgreichen Finanzmanager David (Max Greenfield) an ihrer Seite und einer Aussicht auf ein sorgenfreies Leben stößt sie an genau die Mauern, die ihr die Familie durch das unstete Leben einst auferlegte. Schließlich muss sich Jeanette entscheiden, ob sie sich endgültig von den Ketten ihrer Vergangenheit lösen oder sie als einen Teil ihrer selbst akzeptieren will…

Ich kannte bisher das Buch nicht, ging also ohne ein wirkliches Bild vor Augen in die Vorpremiere zu diesem Film von Regisseur Destin Daniel Cretton (auch bekannt für Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott). Glücklicherweise konnte ich im Zuge der Kartenverlosung des SPIEGEL zwei Tickets ergattern. Gleich zu Beginn waren die starken Charaktere omnipräsent, allen voran die sehr überzeugende Brie Larson und ein brillianter Woody Harrelson, der wohl den gleichsam traumatisierten wie hochintelligenten Rex Walls wie kein Zweiter verkörpern kann. Eindringlich zeigt Cretton, wie Jeanette unter den einfachsten Bedingungen aufwuchs, ihr Wissen nicht durch die Schule, sondern durch die Erzählungen ihres Vaters erlangte, und viel zu früh lernen musste, auf sich selbst und ihre drei Geschwister aufzupassen. Die Rückblenden in ihre Vergangenheit, die ebenfalls durch sehr starke, jüngere Versionen ihrer selbst getragen werden, schildern eindringlich eine Kindheit zwischen Hunger und drohender Verwahrlosung, in der man sich dennoch durch eigenen Antrieb ein Ziel vor Augen bewahren kann, ohne im Sumpf der Eltern zu ertrinken. Der Film zeigt eine erstaunliche Lebensgeschichte, redet von Überlebenswillen und dem Wiederaufstehen nach schweren Schicksalsschlägen, und zeigt nicht zuletzt eine tragische Vater-Tochter-Beziehung, die ein Leben lang eben jenes prägt.

Mir persönlich ging die Geschichte der schriftstellerisch begabten Jeanette sehr nah und auch die darstellerische Leistung des Ensembles fand ich durchweg überzeugend, auch wenn ich mir hin und wieder gewünscht hätte, dass Naomi Watts ein wenig mehr von dem zeigt, was sie kann. Besonders ihre Darstellung der älteren Version von Jeanettes Mutter war hin und wieder zu farblos, als dass sie wirklich neben Harrelson und Larson Bestand hätte haben können. Oft will man Rex einfach nur schütteln und ihn anschreien, er möge sich doch endlich um seine Familie kümmern und so wirklich konnte ich nie Mitleid mit dieser gescheiterten Existenz empfinden. Es sind eindringliche zwei Stunden, die es hier zu verarbeiten gilt, und an der einen oder anderen Stelle hätte man die Handlung sicher etwas raffen können. Auch hätte ich mir mehr Einblick in Jeanettes schriftstellerisches Können gewünscht, doch hier stand eindeutig die Beziehung zu ihrer Familie und Vergangenheitsbewältigung im Vordergrund. Für mich war Schloss aus Glas ein empfehlenswerter, wenn auch sehr nachdenklich stimmender Film, den man sich nicht einfach zwischen Tür und Angel oder beim Abwasch anschauen darf.

Ab dem 21. September 2017 kommt der Film in die deutschen Kinos. Den Trailer könnt ihr euch hier anschauen.

Wenn der Kunde bedient ist…

Gespräche mit Kundendiensten tragen nicht selten dazu bei, dass meine Blumentöpfe schon alleine in meiner bloßen Anwesenheit vor Angst um ihre eigene Existenz zu klirren beginnen. Da die Siedetemperatur meines Blutes ohnehin schon sehr knapp über 0 angesiedelt ist, bringt mich die offensichtliche Ratlosigkeit und das fehlende Gesäß in der Hose, dies zuzugeben, oftmals dazu, mein Telefon mit Vorliebe an die nächste Wand deppern zu wollen. Vor allem, wenn es darum geht, ein heiß geliebtes Spiel, welches urplötzlich einfach nicht mehr starten will, zum Laufen zu kriegen, sollte es doch wohl möglich sein, kompetentes Personal an den Hörer zu kriegen.

Zunächst war ich ja doch sehr erfreut darüber, dass mir ein Rückrufservice angeboten wurde, der auch sehr zuverlässig lief und ich schnell einen Mitarbeiter an der Strippe hatte, dem ich mein Leid klagen durfte. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass eine nachfolgende Beratung etwas schwierig werden sollte, da ich den guten Mann am Telefon aufgrund seines starken Akzents und der nasalen Aussprache kaum verstand. Man darf ja annehmen, dass ich, emanzipiert, wie ich bin, bereits durch viele Anläufe schon selbst versucht habe, das Problem zu lösen und dass ich angesichts der daraus resultierenden Misserfolge nicht auch noch Lust hatte, am Telefon verbale Lückentexte auszufüllen. Dialoge wie „Haben Sie dies und jenes schon deinstalliert und wieder neu installiert?“ „Ja.“ „Haben Sie mal ihre Grafiktreiber aktualisiert?“ „Ja.“ „Haben Sie das schon mal neu installiert?“ „JA!“ ließen mich zu einer weiblichen Rumpelstilzchen-Variante mutieren, die um das digitale Feuer der Bildschirmbeleuchtung tanzte. Letztlich sollte ich diverse Systemdaten an den Support schicken, dafür eine Datei erstellen, für die ich erst meinen Erstgeborenen verpfänden musste. Darafhin kam erst einmal tagelang keine Reaktion seitens des Kundenservices. Mit geschwollenem Kamm rief ich dort noch einmal an, um mein Problem zu schildern und stellte dabei mit Schnappatmung fest, dass die Vorgangsnummer meines Problems in etwa so viel Wert war wie das Horoskop von letzter Woche. Das Spiel ging also wieder von vorn los. Lächerliche Fragen beantworten, Warteschleifen zubinden, Ratschläge abnicken und dem Drang widerstehen, das Arbeitszimmer in Brand zu stecken. Davon hielten mich übrigens nur meine von früher gespeicherten Spielstände ab, die mit einer Aura der Heiligkeit nach wie vor darauf warteten, reaktiviert zu werden. Irgendwann, viele viele Jahreszeiten waren ins Land gegangen und die Mitarbeiter des Kundendienstes waren kurz davor, sich eine Einladung zum Weihnachtsessen zu verdienen, entschied ich mich, es sein zu lassen. Vielleicht war die Zeit gekommen, sich nun neueren Gefilden zuzuwenden, die ausreichend genug gepatcht waren, damit mir das Spielvergnügen nicht nach dem nächsten Neustart verwehrt bleiben würde. Vielleicht war es nun Zeit, loszulassen. Die Augen auf einen neuen Horizont zu richten. Abschied nehmen. Ich erwog, noch einmal den Rückrufservice zu nutzen, um den engagierten Männern und Frauen da draußen am Hörer irgendeines stickigen Großraumbüros zu sagen, dass es nun gut so war wie es war und ich meinen Frieden gefunden hatte. Ich würde ihnen ihren Mangel an Kompetenz verzeihen und mit meinem Akt der Vergebung wahre Erfüllung erfahren.

Nur einer leisen Eingebung folgend versuchte ich es ein letztes Mal, womöglich aus einem inneren nostalgischen Antrieb heraus, der gemeinsam mit meinem Sturkopf vielleicht doch noch nicht ganz klein beigeben wollte.

Es hat dann funktionert.

Lag am Virenprogramm. (Ups!)