[Review] Joe Abercrombie – Königskrone

Im dritten Band der Königsreihe findet die Geschichte rund um Yarvi, Dorn und die stürmische Bruchsee ihren fulminanten Abschluss. Wer die anderen beiden Bände gelesen hat (Rezensionen dazu hier und hier nachzulesen), findet schnell wieder Zugang zu Charakteren und Setting und ist nach wenigen Seiten bereits mittendrin im Geschehen.

Koenigskrone von Joe Abercrombie

Erneut stellt uns Joe Abercrombie eine neue Hauptfigur vor. Diesmal dreht sich alles um die junge Prinzessin Skara von Throvenland, die bei einem Überfall auf ihr Land ihre gesamte Familie verliert und nur durch großes Geschick ihrer Verbündeten überlebt. Als nun frisch gebackene Königin, wenn auch ohne Land, kommt sie bald an den Hof von Königin Laithlin von Gettland, der Mutter Vater Yarvis, der uns bereits als Hauptfigur des ersten Teils bekannt sein dürfte. Hier scheint ihr Bedürfnis nach blutiger Rache auf offene Ohren zu treffen, denn auch wenn alte Feinde mittlerweile notgedrungen zusammenarbeiten müssen, so sind ältere Rechnungen noch immer offen und warten darauf, beglichen zu werden.

Wie immer gefiel mir der Schreibstil Abercrombies hier überaus gut und passte in seinem düsteren Zynismus vortrefflich zur rauen Art der wilden Krieger der Bruchsee, die einen wieder einmal an die bärbeißigen Wikinger vergangener Zeiten erinnern. Skara scheint zunächst nicht so recht in diese raue Welt voller Blut und Gefahren zu passen. Zu jung und zierlich ist sie und das Trauma, den Tod der eigenen Familie mit ansehen und nun die Bürde der Königskrone tragen zu müssen, haben Spuren bei dem Mädchen hinterlassen. Schnell stellt sie jedoch fest, dass in ihr eine Stärke wohnt, die nur noch von ihrem Wunsch überboten wird, die Mörder ihres Elternhauses zur Rechenschaft zu ziehen. Allen voran dem grausamen Krieger Hell Yilling, ein Lakai des Großkönigs, will sie ihr schweres Schicksal vergelten. Ich fand den Charakter der jungen Königin sehr authentisch und erfrischend anders, wenn man bedenkt, wie oft mir in meiner Leserkarriere diverse hilflose und weinerliche oder übertrieben harte Prinzessinnen untergekommen sind. Skara bildet hier dementsprechend zwar einen guten Gegenentwurf zur blutrünstigen Dorn Bathu aus dem Vorgänger, hat aber ebenfalls ihre grausamen Züge. Anfangs noch ganz das schwächliche Mädchen entwickelt Skara sich schnell zu einer jungen Frau, die erkennt, was ihr im Leben wichtig ist und diese Entscheidung wird wahrscheinlich nicht jedem Leser gefallen, fällt sie doch vermehrt egoistisch und machtorientiert aus. Hier beweist Abercrombie wieder eine seiner großen Stärken: Charaktere in ein authentisches, realistisches Licht zu rücken, ohne Dinge zu beschönigen oder in einer rosaroten Wolke des Heldenmutes zu verklären. Hier hat jeder seine dunklen Seiten und verabscheuungswürdigen Charakterzüge und es obliegt dem Leser, zu entscheiden, wer ihm jetzt doch noch sympathisch ist oder nicht. Die Dialoge sind in diesem Roman gewohnt ruppig und dennoch voller Eloquenz, die epischen Schlachten spannend geschrieben bis zum letzten Atemzug der Gefallenen. Erfreulicherweise wird im letzten Teil nicht an überraschenden Wendungen gespart und einige Geheimnisse werden endlich aufgedeckt. So hat mich vor allem die Geschichte der Alben, die sagenumwobenen Vorfahren der Protagonisten, fasziniert und ließ mich schon Vermutungen anstellen, ob es sich hier nicht tatsächlich um eine Dystopie handelt. Auch Yarvi ist in Höchstform, wenn auch anders, als erwartet. Wenngleich Königskrone nicht die seitenverfliegende Spannung wie beispielsweise Königsjäger aufbringen konnte, so hat mich insbesondere der zweite Teil des Romans überzeugt und die Reihe zu einem gelungenen Abschluss gebracht. Alte Bekannte offenbaren neue Wesenszüge, neue Charaktere wachsen einem ans Herz und am Ende bleibt das Gefühl, dass man das Buch wieder einmal viel zu schnell durchgelesen hat. Mit kleineren Abstrichen, die sich durch den etwas zähen Beginn begründen lassen, empfehle ich diesen Roman dennoch weiter und freue mich bereits auf Abercrombies nächstes Werk, der es mittlerweile in meine eigene kleine Fantasy-Hall-of-Fame geschafft hat.

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