[Review] James Bowen – Bob, der Streuner

James ist am Ende. Er ist Ende 20 und seit fast zehn Jahren versucht er nun, vom Heroin loszukommen, was aus ihm einen bettelnden Obdachlosen gemacht hat, der sich nur mit seiner Straßenmusik über Wasser hält. Doch das Pflaster in London für Straßenmusiker ist rau und auch wenn er mittlerweile in einer eigenen Sozialwohnung lebt, blickt ihm sein eigenes Scheitern tagtäglich im Spiegel anklagend entgegen.

Eines Tages sitzt plötzlich ein verwahrloster roter Kater in seinem Hausflur und hat James offensichtlich als seinen neuen Besitzer auserkoren. Der ehemalige Junkie weiß zunächst nicht wirklich, was er mit dem verletzten und unterernährten Tier anstellen soll, was sich regelmäßig an seinem spärlichen Mobiliar vergeht und sich konsequent weigert, stubenrein zu werden. Irgendwann stellt er jedoch fest, dass Bob weder vorhat zu gehen, noch dass er ohne den selbstbewussten Kater leben kann. Denn Bob ist nicht nur ein Pubikumsmagnet auf Londons Straßen, er schafft es auch, dem Leben des verzweifelten jungen Mannes einen neuen Sinn zu geben.

Schon lange habe ich das Buch in den Regalen der Buchhandlungen liegen sehen und die 765ca3f6baf8d565Beschreibung klang nach einer sehr amüsanten, herzerwärmenden Lektüre. Schnell geriet die wahre Geschichte von Bob, der Streuner jedoch schnell wieder in Vergessenheit. Mittlerweile fand ich endlich Zeit, das Buch zu lesen und bin von der Geschichte des kleinen Katers und seines begabten Besitzers mehr als angetan. Die Handlung lässt sich flüssig lesen und durch Bowens authentische Erzählweise ist dies wohl die perfekte Lektüre für kältere Herbsttage, aber auch für den Urlaub auf der Strandliege mit Sicherheit gut geeignet. Nach und nach stellt James fest, dass er dringend etwas in seinem Leben ändern muss, denn nun hat er zwei Mäuler zu stopfen und ist nicht mehr nur für sich allein verantwortlich. Er muss endlich clean werden, denn mit der Zeit stellen sich ihm immer mehr Hindernisse in Form von Neidern in den Weg, die ihm den kleinen, schnurrenden Erfolgsgaranten an seiner Seite nicht gönnen. Bald schon muss James das Musizieren an den Nagel hängen und versucht sich jetzt mit dem Verkauf von Zeitungen durchzuschlagen – wie immer mit Bob an seiner Seite bzw. auf seiner Schulter.

Besonders interessant war hier vor allem auch James‘ Weg aus der gnadenlosen Heroinsucht, die er am Ende nur mithilfe seiner Liebe und seinem Verantwortungsbewusstsein gegenüber Bob übewinden konnte. Der Leser bekommt hier einen Einblick in das Leben mit so einer Sucht, mit ihren Tücken und Gefahren, mit der Einsamkeit und der Isolation von Freunden und Familie, und nach dem Beenden dieses Buches kann ich mir ungefähr vorstellen, wie hart es sein muss, nicht mehr Herr seines eigenen Lebens zu sein. Man erkennt schnell, wie wichtig es ist, ein Ziel im Leben zu haben, etwas, worauf man hinarbeiten kann, und für James wurde irgendwann das Wohlergehen von Bob jenes oberste Ziel. Selbst die eingefleischesten Katzenhasser dürften nach dieser Lektüre ihre Meinung über die eigenwilligen Stubentiger doch ein wenig revidieren, denn auch ohne ihm persönlich begegnet zu sein, kann man sich dem Charme des roten Katers kaum entziehen. Für mich als Katzenbesitzerin war diese Lektüre gleich ein doppeltes Vergnügen, da ich viele Eigenheiten des Katers auch in meinen eigenen sturen Mitbewohnern wieder erkannte und deren Relevanz in meinem Leben in einem völlig neuen Licht sah.

Bob, der Streuner ist somit nicht nur die Geschichte eines Mannes, der einen verlorenen Kater bei sich aufnimmt, sondern auch eine Geschichte, die von der Wichtigkeit eines Lebenssinns und dem holprigen, aber umso lohnenswerteren Weg zu einem neuen Dasein erzählt. Ich bin schon sehr gespannt, mehr von diesem unzertrennlichen Duo zu lesen.

Advertisements

4 Gedanken zu “[Review] James Bowen – Bob, der Streuner

  1. Ich schleiche auch immer um das Buch herum, kann mich aber nie so recht entscheiden. Aber solche Geschichten machen sich ja besonders zu Weihnachten ganz gut, die Chancen steigen damit, dass ich mal reinsehe. Danke für die Vorstellung 🙂

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s