[Review] Blade Runner 2049

>>Trailer<<

Es ist ein Szenario, was bereits in den 80ern nicht nur die Filmwelt beschäftigte: was passiert, wenn die Technik irgendwann soweit ist, künstliche Menschen zu erschaffen? Und was passiert, wenn diese irgendwann eine eigene Intelligenz, einen eigenen Willen besitzen? Nach zahlreichen blutigen Aufständen sollten diese KI’s, die sogenannten Replikanten, welche meist auf Kolonien außerhalb der Erde arbeiten mussten, gnadenlos verfolgt werden. Dies übernahm eine Spezialeinheit der Polizei, die Blade Runner.

Dreißig Jahre, nachdem einer dieser Blade Runner namens John Deckart (Harrison Ford) in Ridley Scotts Meisterwerk sich in eine solche Replikantin verliebte und seinen Beruf an den Nagel hängte, stellt uns Regisseur Denis Villeneuve K (Ryan Gosling) vor, der während seiner Arbeit auf ein Geheimnis stößt, welches seine eigenen Überzeugungen und Wertvorstellungen völlig über den Haufen werfen. Der junge Blade Runner, selbst ein Replikant der neueren Generation, lebt sehr zurückgezogen und einsam mit seiner eigenen KI (Ana de Armas) zusammen und stößt bei einer seiner Missionen auf zahlreiche Hinweise, die ihn an seiner Existenz zweifeln lassen. Plötzlich muss er alles in Frage stellen, woran er glaubte, selbst die eigenen Erinnerungen, von denen er überzeugt war, sie seien ihm künstlich gegeben.

Obwohl ich ein großer Fan des ersten Films bin, ging ich doch mit wenigen Erwartungen ins Kino, was mich umso mehr wundert, da das zugehörige PC-Spiel eines meiner Einstiege ins Zocken war und von mir heiß und innig geliebt wird.

Die Geschichte lebt entgegen den Gepflogenheiten im Hollywoodkino nicht von geballter Action in jeder Sekunde, sondern von ruhigen, nachdenklichen Szenen, von eindringlichen Dialogen, die dann und wann von dann doch actionreicheren Szenen unterbrochen werden. Hier steht ganz klar die Charakterentwicklung von K im Vordergrund, der von Ryan Gosling mit gewohnt minimalistischen Zügen dargestellt wird, was ich aber an dieser Stelle sehr passend fand. K ist auf der Suche nach Deckart, denn nur der gesuchte Ex-Blade-Runner kann Licht in die Dunkelheit von K’s Gedanken bringen.

Was in diesem Film ganz stark ist und mich am Meisten beeindruckt hat, war die grandiose Optik. Diese hat mich vor allem auch darüber hinweg getröstet, dass sich die Handlung doch sehr in die Länge zog und Charaktere wie Niander Wallace (Jared Leto), der mysteriöse Nachfolger des Replikant-Schöpfers Tyrell, in ihrem Auftreten flach und überflüssig waren. Der Regisseur hat es auf beeindruckende Art und Weise geschafft, die Welt aus Blade Runner von 1982 wieder zum Leben zu erwecken. Verfallene Städte, neonhell erleuchtete Straßen bei Nacht, wandernde Scheinwerfer und ein starker Soundtrack, der die Szenerie an den richtigen Stellen untermalt. Mal sind Szenen in grelles Orange getaucht, mal befinden wir uns in einer grauen, öden Landschaft – visuell wird man während des Films nahezu berauscht von schillernden Farben und düsteren Kulissen, die immer eine eigene Interpretation des Geschehens liefern. Doch auch die Themen, die der Film aufgreift, bieten wie bereits beim Vorgänger ausreichend Diskussionsstoff. Was macht dich zum Menschen? Ab wann ist man menschlich? Ist die biologische Geburt Voraussetzung dafür? Und wer hat das Recht, über die menschliche Identität zu entscheiden? Dies fragte ich mich in vielen Szenen, vor allem als es um K’s Erinnerungen und das Hadern mit seiner eigenen Identität ging. Aber auch seine Beziehung zu der künstlichen Intelligenz Joi wirft viele Fragen hinsichtlich der emotionalen Fähigkeiten jener Maschinen auf und ab wann man von echten Gefühlen sprechen kann.

Nichtsdestotrotz war der Film vor allem eines: lang. Manche Passagen zogen sich trotz optischer Intensität und guter schauspielerischer Leistung zäh wie Kaugummi. Noch dazu war der Ton recht unausgewogen, sodass man bei bewegteren Szenen fast aus dem Sitz gepustet wurde aufgrund der unverhältnismäßig aufgedrehten Lautstärke. Für 3D Fans lohnt sich der Film ebenfalls nicht: eine Tiefenwirkung ist durch die häufig nebligen Szenen kaum erkennbar, Pop Outs gibt es so gut wie gar nicht und auch so lebt der Film ohnehin eher von seiner nervenaufreibenden Inszenierung und nicht von digitalen Effekten, die zwar gut sind, aber auch ohne Dreidimensionalität überzeugen. Sowohl Fans des alten Kultfilmes als auch Neulinge kommen auf ihre Kosten und der Auftritt Harrison Fords kommt zwar spät, ist dann aber sehr gut in die Handlung integriert und wirkt nicht so erzwungen, wie es bei manchen Auftritten der alten Hasen der Fall ist.

Es sind über zwei Stunden philosophische Grundfragen, Augenschmaus und geforderter Konzentration, die man danach erst einmal verdauen muss und die für den einen oder anderen vermutlich zu viel des Guten sein könnten. Meine Begleitung sah regelrecht erschöpft aus nach diesem Filmerlebnis und beschrieb ihn als einfach nur langatmig und nicht den Erwartungen entsprechend. Dies kann ich nur teilweise verstehen. Ja, er ist teilweise hinsichtlich der Nebencharaktere zu flach, Gesichter sind zu austauschbar, dennoch ist Blade Runner 2049 ein tiefgründiger, visuell perfekt inszenierter Film, der viel Raum für Interpretationen liefert.

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