Schon wieder 29! Ein (Jahres)Fazit.

P1180667Wie jedes Jahr war es auch an diesem verregneten und ganz und gar nicht magischen Wintersonnenwendtag Zeit, den Tag meiner mehr oder minder bedeutsamen Geburt zu zelebrieren. Zwar hätte ich das Julfest gern wie die Germanen mit einer zwölftägigen Party begangen und die Geburt der Sonne und meiner Wenigkeit gefeiert, doch das Schicksal ließ mich diesen Tag dann doch mit profaner Arbeit am Schreibtisch beginnen.

P1180652.JPGZusätzlich war die holde Katzendame ganz ladylike von einer Blasenerkältung heimgesucht worden, sodass ich dann nach Feierabend beinahe über dem Katzenkorb im Tierarztwartezimmer eingeschlief. Zeit genug, um die letzten 29 Jahre Revue passieren zu lassen. Zunächst einmal empfand ich das Herannahen der fiesen 30 stets als etwas Bedrohliches, ganz so, als würde man mit Eintritt dieses Datums jegliche Jugend, alle Chancen auf neue Erfahrungen und wilde Spontanität (die ich vermutlich auch als Kleinkind niemals hatte) mit der Heckenschere wegrationalisieren. Mein Ego saß beständig auf meiner Schulter und zeigte mit dem nackten Finger auf die neue Skepsis-Falte auf meiner Stirn und die langsam tiefer werdende Zornesfurche, die wohl auch jobbedingt ist, zwischen meinen Brauen. Es kicherte boshaft, wenn ich freitags auf der Couch noch vor 21 Uhr bei einem Film einschlief oder wenn ich bei dem Gedanken an den nächsten Discobesuch einzukalkulieren versuchte, dass ich ja mittlerweile 2 Tage der Regeneration dafür brauche. Mal abgesehen davon, dass ich zuletzt ebenfalls auf einem 30. Geburtstag tanzen war. Mit 30 wollte ich schon längst die Weltherrschaft an mich gerissen haben, stattdessen ist mein Leben teilweise erschreckend normal und von furchtbar profanen Alltagsthemen geprägt. Vieles, was ich längst erreicht haben wollte, steht immer noch in der Warteschlange und es gibt genug Momente, in denen mich das schwer frustriert. Wenn ich jetzt an die Dinge zurückdenke, die ich mit den Augen einer Schülerin mit 30 alles getan haben wollte, dann bleibt mir oft nur als einzige Reaktion ein hysterisches Lachen. Es ist also an der Zeit, einmal die ganzen positiven Dinge aufzuzählen, die ich jetzt im „vernünftigen“ Alter an mir feststellen konnte:

  1. Ich mache Sport. Und damit meine ich nicht in knallbunten Leggins über die Matte hüpfen, sondern ziemlich anstrengenden Kraftsport. Mein 15jähriges Ich würde sich angesichts dieser Tatsache prompt an seinem Schokoladenweihnachtsmann verschlucken.
  2. Ich esse alles. Früher habe ich die Hälfte eines jeden Menüs aussortiert, was für meine Mitmenschen wohl reichlich anstrengend gewesen sein muss. Mittlerweile weiß ich gutes Essen sehr zu schätzen und probiere ständig gern Neues aus.
  3. Dies bringt mich gleich zum nächsten Punkt: ich bin offener. Andere Meinungen, Einstellungen, Geschmäcker … ich lasse mich gern darauf ein, bevor ich mich für oder gegen etwas entscheide. Sehr viel ist mir in jüngeren Jahren durch meine Voreingenommenheit entgangen.
  4. Ich kenne mich selbst mittlerweile ziemlich gut. Was auch dazu führt, dass ich nicht mehr jeden Trend mitmachen oder zwanghaft unter Leute muss, nur weil man das eben so macht. Ich habe es akzeptiert, dass ich manchmal sehr eigenbrötlerisch sein kann und Menschen, die mir nicht gut tun, lasse ich ziehen.
  5. Selbstakzeptanz. Ich denke hin und wieder mit Schaudern an die Zeiten zurück, an denen mein Körper mein Feind war und ich stets besorgt um mein Äußeres war. Dieses ist mir nach wie vor wichtig, aber es bestimmt nicht mehr meinen Alltag. Dies mag auch zu einem nicht unwesentlichen Teil an Punkt 1 liegen, der mich dahingehend wahnsinnig entspannt.

Vielleicht sollte ich mir auch genau diese Punkte für das kommende Jahr vornehmen, um auch den Alltag ein wenig entspannter anzugehen. Dies war wohl dieses Jahr mein größtes Problem und liegt wohl zum Teil auch an meinem Perfektionismus, der viel zu oft die Zügel in der Hand hält. Zwar bin ich beruflich schon einen großen Schritt weiter gekommen, doch diese ganz kleinen Träume, die im Inneren schlummern, sind nach wie vor noch nicht zufriedenstellend angegangen worden.

Immerhin lief das diesjährige Weihnachtsfest weitaus weniger fremdbestimmt ab und auch der Silvesterabend verspricht ruhig und gemütlich zu werden, sodass ich die Chance habe, das zu tun, auf was ich Lust habe, ohne mich von anderen Menschen oder gesellschaftlichen Zwängen geißeln zu lassen. Denn auch die sollen im Jahr 2018 und in meinem 30. Lebensjahr nun endlich einmal ad acta gelegt werden. Familiäre Pflichten hier, Pflichttermine da, und ich selbst fühlte mich wie der Tiger im Zoo, der gehetzt am Gitter hin und her läuft. Das muss sich ändern und dazu gehört wohl auch, öfter mal nein zu sagen zu den Dingen, die man vermeintlich zu machen hat und ja zu denen, die man machen möchte. Bei mir ist das eindeutig mehr schreiben (sowohl hier als auch an meinem Buch) und mehr lesen. Mehr Zeit mit mir alleine verbringen. Auch mal allein irgendwohin zu fahren, ohne darauf zu warten, dass andere ebenfalls Zeit dafür haben. Dinge zu tun, die auf der Liste „Was ich schon immer machen wollte“ stehen. Und endlich dieses verdammte Mansukript fertig zu stellen.

In dem Sinne wünsche ich euch einen guten Rutsch in ein hoffentlich freies und entspanntes Jahr 2018 voller neuer Abenteuer und schönen Dingen.

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5 Gedanken zu “Schon wieder 29! Ein (Jahres)Fazit.

  1. Das Alter MUSS ja auch Vorteile haben, es kann nicht nur immer schlimmer werden. ;D Dass man sich selber besser kennelernt und akzeptiert ist definitiv ein Vorteil, auch wenn man damit wieder etwas sozial-inkompatibler wird. PS: Was ist das für ein Braten? Rezept bitte!

  2. Pingback: Bratphoenchen der Woche #16: Über die Mägen von Zentauren, gesellschaftliche Zwänge und Kindesmissbrauch in Games - Fried Phoenix

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