[Gesehen] Avengers: Infinity War

Infinity_War_-_iMax_PosterEigentlich bin ich eher der DC-Typ. Ich mag die düsteren Charaktere, die finsteren Schurken und die menschlichen Abgründe, die in den Protagonisten schlummern. Marvels Helden wirken demgegenüber oft fast karikaturistisch, mit dem aufgedrehten Humor und der knallbunten Action. Besonders die letzten Guardians of the Galaxy-Filme oder der letzte Thor wirkten in ihrem Stil stark überzeichnet und geradezu schillernd. Dies ist bei Weitem nicht schlecht, denn obgleich ich eher zu dunklem Weltschmerz tendiere, sehe ich – sofern möglich – jeden Marvel-Film mit Begeisterung. Umso erfreulicher, dass der neueste Teil der Avengers-Reihe den Schatten der alles verschlingenden Bedrohung auf die Erde wirft.

Jetzt müssen sich die Helden rund um Tony Stark (Robert Downey Jr.) und Captian America (Chris Evans) einem Gegner entgegen stellen, der nach nichts Geringerem strebt als der Vernichtung der Galaxie. Mittlerweile holt uns Zuschauer wohl die drohende Vernichtung unseres Heimatplaneten nicht mehr hinter dem Ofen hervor. Der mächtige Thanos sucht mit seinen Schergen nach den sagenumwobenen Infinity-Steinen, die ihm, sind sie einmal alle in seiner Hand, die Macht über die Welt verleihen. Als nun seine Häscher die Erde zu verwüsten drohen, bedarf es der vereinten Stärke (fast) aller Helden der Galaxie, um das drohende Unheil abzuwenden.

Dem Zuschauer wird dabei kaum eine Verschnaufpause gegönnt. Bereits zu Beginn wird mit einer gehörigen Portion Dramatik nicht lange gefackelt, was bereits einen ersten Eindruck davon vermittelt, was einen in den nächsten zweieinhalb Stunden erwartet. Ein jeder der sich am Ende verbindenden Handlungsstränge ist voll von purer Action, die weder an Effekten noch an Tempo geizt. Ich war anfangs skepisch, ob der Film nicht an Tiefe einbüßt, wenn so viele Charaktere mit ihren ganz eigenen Geschichten innerhalb so kurzer Zeit zusammengeführt werden, doch meine Sorge erwies sich als unbegründet. Zwar darf man hier nicht den Tiefgang eines Arthouse-Films erwarten, doch jeder der Erzählstränge ist durchaus mitreißend inszeniert und büßt dabei keinen Teil seines ganz eigenen Charmes der vergangenen Filme ein. So fühlt man sich durch die charakteristische Musik von Ludwig Göransson sofort ins afrikanische Vakanda aus Black Panther hineinversetzt und war ebenso schnell sofort Passagier im Schiff des Star-Lords (Chris Pratt). Hier trägt die Musik einen unersetzlichen Anteil dazu bei, dass die vielen Ebenen ihren eigenen Stil beibehalten und sich dennoch perfekt in ein großes Ganzes einfügen. Starkomponist Alan Silvestri ist eben ein Meister seines Fachs!

Der Fokus in diesem Film liegt ganz klar auf den Kämpfen um die Planeten der Galaxie, insbesondere natürlich der Erde, was geschliffene Dialoge etwas in den Hintergrund treten, aber glücklicherweise nicht ganz verschwinden lässt. Dies wäre in einem Film mit Iron Man und dem Star-Lord auch ein schwerwiegender Fehler. Die einzelnen Welten sind wunderschön gestaltet und eine wahre Augenweide, die Schlachten auf der Erde perfekt in Szene gesetzt. Die wenigen ruhigen Momente im Film tragen dabei kaum dazu bei, dass man als Zuschauer das Gefühl hat, jetzt Luft holen zu können, denn einen Wimpernschlag später steht die nächste tödliche Bedrohung vor der Tür. Hier sorgt das perfekte Zusammenspiel der Schauspieler dafür, dass aus Infinity War kein stupider Hau-drauf-Film wird, sondern Humor und Action eine hochspannende Einheit bilden.

Dennoch ist es meines Erachtens unabdingbar die anderen Comciverfilmungen im Vorfeld gesehen zu haben, da man sonst die zahlreichen Anspielen nicht versteht und dementsprechend wohl kaum mitzufiebern vermag.

Für mich ist Infinity War einer der besten Marvel-Filme seit langem was Unterhaltung und Action angeht und auch wenn ich angesichts des offenen Endes frustriert mit den Zähnen knirsche, lohnt sich der Gang ins Kino zu einhundert Prozent.

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