[Gehört] Marion Zimmer-Bradley: Die Nebel von Avalon

Die Nebel von Avalon von Marion Zimmer Bradley
Die Nebel von Avalon von Marion Zimmer Bradley

Die Artus-Saga gibt es mittlerweile in so vielen verschiedenen Adaptionen, dass ich kaum noch einordnen kann, was jetzt die ursprüngliche Version ist und was die neu interpretierte. Man kennt Artus, den Typen mit dem Schwert und dem Stein, von der schönen Gwenhyfar hat auch schon jeder einmal etwas gehört und Merlin ist wohl der Urtyp des mystischen Zauberers. In Die Nebel von Avalon zeichnet Marion Zimmer-Bradley ein Bild des Artus-Stoffes, welches nun aus der Perspektive von Morgaine geschildert wird, deren Figur innerhalb dieser Legende oftmals die der bösen Zauberin einnimmt. Hier ist sie jedoch alles andere als das.

Die junge Morgaine, Halbschwester von Artus, wird als junges Mädchen zu der Priesterin von Avalon, der ränkeschmiedenden Viviane, gegeben. Das Mädchen mit den hellseherischen Fähigkeiten wächst dort zu einer begabten Priesterin von Avalon heran. Ihr Leben verläuft friedlich, doch Viviane hat mit der Priesterin andere Pläne und schnell ist Morgaine verstrickt in einem undruchdringlichen Netz von Intrigen, in denen sich der alte Glaube von Avalon und das Christentum um die Gunst der Menschen streiten.

Der Schreibstil von Zimmer-Bradley, von der ich sonst noch nie etwas gelesen habe, gefiel mir gut. Die Mystik Avalons schwingt in jedem Satz mit und beinahe kann man den Nebel, der diese geheimnisvolle Insel umgibt, fühlen.

Wer in diesem Roman actionreiches Schlachtengetümmel und das Geklirr von Schwertern erwartet, wird allerdings schnell enttäuscht sein. Morgaine schildert vorrangig aus der Sicht der Frauen und zeigt deren Schicksal in einer von Männern geprägten und dominierten Welt. Dies ist nichts verwerfliches, doch war mir der doch sehr drastisch aus den Zeilen schwappende Feminismus des Öfteren zu viel des Guten. Es gibt kaum einen Mann in diesem Buch, der nicht als gieriger, cholerischer Lustmolch dargestellt wird, ganz seinen Trieben und seinem Machthunger verfallen, unter dem die Frauen natürlich ganz gesittet und schicksalsergeben leiden müssen. Kontrastfigur dazu ist Artus, der zwar oft Gefühle und auch einen inneren Konflikt zeigt, hin und her gerissen zwischen dem Alten Glauben und dem Christentum, dabei jedoch nie aus seiner Rolle ausbrechen kann. Ich habe nichts gegen feministische Tendenzen in Romanen, doch hier herrschte mir deutlich zu oft eine starke Schwarzweißmalerei vor. Entweder die Frauen sind schicksalsergeben und stoisch, wie etwa Morgaine, oder hysterisch und intrigant, wie beispielsweise Gwenhyfar. Ich konnte dabei bis zum Ende kaum Sympathie für auch nur eine einzige der Figuren aufbringen, vielleicht auch, weil mir ihr Handeln oft nicht plausibel war und es mir schwer fiel, mich richtig in deren Schicksal hineinzuversetzen.

Als Hörbuch wurde das Buch allerdings sehr effektvoll inszeniert. Dem Bericht der älteren Morgaine, gesprochen von Katharina Thalbach, und demgegenüber die Stimme der jungen Morgaine, verkörpert durch ihre Tochter Anna Thalbach, lauscht man gern und beide bringen den Zauber Avalons und einem magischen Großbritannien gekonnt zum Hörer. Zwar schafften auch sie es nicht, dass ich mit dem Buch warm werden konnte, doch immerhin liegt es diesmal nicht an der Umsetzung als Hörbuch, dass ich Die Nebel von Avalon nur eingeschränkt weiterempfehlen würde.

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