[Gelesen] David Gemmell – Der Weg der Helden*

Der Weg der Helden von David A Gemmell
Der Weg der Helden von David A Gemmell

Wenn ich an meinen Einstieg in die Fantasy denke, dann erinnere ich mich an die Welt der Drachen in Angus Wells‘ Die Herren des Himmels, was ich im Familienurlaub las und mir dabei Zahnspange und ausfallende Milchzähne das reichliche Urlaubsessen vergällten. Vor allem aber denke ich an die Romane David Gemmells, die mir mein Verständnis von Heroischer Fantasy erst so richtig eingebrannt haben. Mit Druss, der Legende, habe ich auf Dros Delnoch gegen die Nadir gekämpft, ich habe die Geschichte Connavars, des Sturmgeborenen erlebt, oder Troja mit ganz neuen Augen gesehen. Gemmell zeichnete sich stets durch einen sehr nüchternen Schreibstil aus, ohne pompösen Schnickschnack, dennoch hatten seine Beschreibungen und Dialoge eine unterschwellige Wirkung, die das Geschehen hautnah vor meinem Inneren Auge zum Leben erweckte. Hier gab es bereits mehrdimensionale Charaktere, bevor ein George R. R. Martin die Wandlung eines Charakters perfektionierte, und große Schlachten konnten auch auf weniger als 800 Seiten episch und mitreißend sein.

Leider verstarb der Autor 2006 viel zu früh an den Folgen einer Bypass-Operation. Als eines meiner Vorbilder in diesem Genre wird er wohl aber unsterblich bleiben.

Dementsprechend freute ich mich darauf, endlich ein Buch von ihm in den Händen zu halten, was ich noch nicht gelesen hatte. In Der Weg der Helden lernen wir Talaban kennen, einen Avatar, der als einer der letzten seines schier übermächtigen Volkes einer großen Bedrohung gegenüber steht. Die Kristallkönigin beansprucht die alleinige Macht für sich und nichts scheint sie aufhalten zu können, bis in einem fernen Bauerndorf ein Mädchen namens Sofirata geheimnisvolle Kräfte entwickelt.

Mein Einstieg in das Buch fiel mir relativ schwer. Zu flach erschienen mir die Charaktere und das Magiesystem (Energiekristalle) ist zwar gut und logisch aufgebaut, wirkt aber vergleichsweise fade, wenn ich da an Brandon Sanderson und seine Metalle denke. Die Protagonisten sollen zwar ganz offensichtlich in all ihren guten und bösen Facetten beleuchtet werden, doch wenngleich dies immer Gemmells Stärke war, so wirkt es in diesem Roman konstruiert und teilweise merkwürdig unfertig – ganz so, als hätte man hier und da wichtige Passagen weggelassen oder am Ende des Schreibprozesses radikal weggekürzt. So entstanden zwar einige gute, spannende Ansätze, die mich dann doch weiterlesen ließen, im Endeffekt ist Der Weg der Helden aber alles andere als eine schriftstellerische Glanzleistung. Da wechseln die persönlichen Einstellungen und Entscheidungen wie das Wetter im April, Handlungsstränge wirken zwanghaft zusammengeführt oder überhaupt nicht vollendet und am Ende ist man einfach nur froh, dass man sich durch sehr zähe 542 Seiten hindurch gequält hat. Das ist eindeutig kein Gemmell-Niveau!

Ich empfehle ganz stark: Wenn man schon David Gemmell lesen sollte, dann doch lieber die grandiose Drenai-Saga, denn dort beweist der Autor, dass er wirklich seinem Ruf gerecht wird.

 

*Kostenfreies Rezensionsexemplar
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