Kategorie: Filmrezensionen

[Review] Blade Runner 2049

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Es ist ein Szenario, was bereits in den 80ern nicht nur die Filmwelt beschäftigte: was passiert, wenn die Technik irgendwann soweit ist, künstliche Menschen zu erschaffen? Und was passiert, wenn diese irgendwann eine eigene Intelligenz, einen eigenen Willen besitzen? Nach zahlreichen blutigen Aufständen sollten diese KI’s, die sogenannten Replikanten, welche meist auf Kolonien außerhalb der Erde arbeiten mussten, gnadenlos verfolgt werden. Dies übernahm eine Spezialeinheit der Polizei, die Blade Runner.

Dreißig Jahre, nachdem einer dieser Blade Runner namens John Deckart (Harrison Ford) in Ridley Scotts Meisterwerk sich in eine solche Replikantin verliebte und seinen Beruf an den Nagel hängte, stellt uns Regisseur Denis Villeneuve K (Ryan Gosling) vor, der während seiner Arbeit auf ein Geheimnis stößt, welches seine eigenen Überzeugungen und Wertvorstellungen völlig über den Haufen werfen. Der junge Blade Runner, selbst ein Replikant der neueren Generation, lebt sehr zurückgezogen und einsam mit seiner eigenen KI (Ana de Armas) zusammen und stößt bei einer seiner Missionen auf zahlreiche Hinweise, die ihn an seiner Existenz zweifeln lassen. Plötzlich muss er alles in Frage stellen, woran er glaubte, selbst die eigenen Erinnerungen, von denen er überzeugt war, sie seien ihm künstlich gegeben.

Obwohl ich ein großer Fan des ersten Films bin, ging ich doch mit wenigen Erwartungen ins Kino, was mich umso mehr wundert, da das zugehörige PC-Spiel eines meiner Einstiege ins Zocken war und von mir heiß und innig geliebt wird.

Die Geschichte lebt entgegen den Gepflogenheiten im Hollywoodkino nicht von geballter Action in jeder Sekunde, sondern von ruhigen, nachdenklichen Szenen, von eindringlichen Dialogen, die dann und wann von dann doch actionreicheren Szenen unterbrochen werden. Hier steht ganz klar die Charakterentwicklung von K im Vordergrund, der von Ryan Gosling mit gewohnt minimalistischen Zügen dargestellt wird, was ich aber an dieser Stelle sehr passend fand. K ist auf der Suche nach Deckart, denn nur der gesuchte Ex-Blade-Runner kann Licht in die Dunkelheit von K’s Gedanken bringen.

Was in diesem Film ganz stark ist und mich am Meisten beeindruckt hat, war die grandiose Optik. Diese hat mich vor allem auch darüber hinweg getröstet, dass sich die Handlung doch sehr in die Länge zog und Charaktere wie Niander Wallace (Jared Leto), der mysteriöse Nachfolger des Replikant-Schöpfers Tyrell, in ihrem Auftreten flach und überflüssig waren. Der Regisseur hat es auf beeindruckende Art und Weise geschafft, die Welt aus Blade Runner von 1982 wieder zum Leben zu erwecken. Verfallene Städte, neonhell erleuchtete Straßen bei Nacht, wandernde Scheinwerfer und ein starker Soundtrack, der die Szenerie an den richtigen Stellen untermalt. Mal sind Szenen in grelles Orange getaucht, mal befinden wir uns in einer grauen, öden Landschaft – visuell wird man während des Films nahezu berauscht von schillernden Farben und düsteren Kulissen, die immer eine eigene Interpretation des Geschehens liefern. Doch auch die Themen, die der Film aufgreift, bieten wie bereits beim Vorgänger ausreichend Diskussionsstoff. Was macht dich zum Menschen? Ab wann ist man menschlich? Ist die biologische Geburt Voraussetzung dafür? Und wer hat das Recht, über die menschliche Identität zu entscheiden? Dies fragte ich mich in vielen Szenen, vor allem als es um K’s Erinnerungen und das Hadern mit seiner eigenen Identität ging. Aber auch seine Beziehung zu der künstlichen Intelligenz Joi wirft viele Fragen hinsichtlich der emotionalen Fähigkeiten jener Maschinen auf und ab wann man von echten Gefühlen sprechen kann.

Nichtsdestotrotz war der Film vor allem eines: lang. Manche Passagen zogen sich trotz optischer Intensität und guter schauspielerischer Leistung zäh wie Kaugummi. Noch dazu war der Ton recht unausgewogen, sodass man bei bewegteren Szenen fast aus dem Sitz gepustet wurde aufgrund der unverhältnismäßig aufgedrehten Lautstärke. Für 3D Fans lohnt sich der Film ebenfalls nicht: eine Tiefenwirkung ist durch die häufig nebligen Szenen kaum erkennbar, Pop Outs gibt es so gut wie gar nicht und auch so lebt der Film ohnehin eher von seiner nervenaufreibenden Inszenierung und nicht von digitalen Effekten, die zwar gut sind, aber auch ohne Dreidimensionalität überzeugen. Sowohl Fans des alten Kultfilmes als auch Neulinge kommen auf ihre Kosten und der Auftritt Harrison Fords kommt zwar spät, ist dann aber sehr gut in die Handlung integriert und wirkt nicht so erzwungen, wie es bei manchen Auftritten der alten Hasen der Fall ist.

Es sind über zwei Stunden philosophische Grundfragen, Augenschmaus und geforderter Konzentration, die man danach erst einmal verdauen muss und die für den einen oder anderen vermutlich zu viel des Guten sein könnten. Meine Begleitung sah regelrecht erschöpft aus nach diesem Filmerlebnis und beschrieb ihn als einfach nur langatmig und nicht den Erwartungen entsprechend. Dies kann ich nur teilweise verstehen. Ja, er ist teilweise hinsichtlich der Nebencharaktere zu flach, Gesichter sind zu austauschbar, dennoch ist Blade Runner 2049 ein tiefgründiger, visuell perfekt inszenierter Film, der viel Raum für Interpretationen liefert.

[Filmreview] Schloss aus Glas

Jeanettes Familie ist wohl mehr als nur ein bisschen sonderbar: Fast ihr ganzes Leben reist die Familie Walls von Ort zu Ort, da Vater Rex (Woody Harrelson) durch seine Trinkerei einen Gläubiger nach dem nächsten verärgert. Auch Mutter Rosemary (Naomi Watts) kann mit ihren Gemälden keinen Beitrag in die Familienkasse leisten, zudem die Künstlerin so sehr in ihrer eigenen Welt lebt, dass sie für ihre vier Kinder nicht viel Zeit übrig hat. Irgendwann wächst die selbstbewusste Jeanette (Brie Larson) schließlich aus den Geschichten ihres Vaters von geschenkten Sternen und zu bekämpfenden Dämonen heraus und erkennt mehr und mehr, dass sie innerhalb ihrer bettelarmen Familie niemals ihre Träume wird verwirklichen können.

Schloss aus Glas von Jeannette WallsSchloss aus Glas basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jeanette Walls, die ihre Lebensgeschichte dort verarbeitete. Es ist die Geschichte einer schweren Kindheit, einer Kindheit, die viel zu früh enden muss, wenn Kinder zu den Eltern ihrer Erziehungsberechtigten werden. Die beiden Handlungsstränge der erwachsenen, nun sehr erfolgreichen, Kolumnistin und der kleinen rothaarigen Jeanette, die ihren alkoholkranken Vater über alles liebt, sind geschickt miteinander verwoben und zeigen immer wieder, welche tragischen, manchmal auch komischen Momente die heutige Jeanette prägten und teilweise noch immer verfolgen. Denn mit ihrem jetzigen Leben auf der Überholspur, mit dem erfolgreichen Finanzmanager David (Max Greenfield) an ihrer Seite und einer Aussicht auf ein sorgenfreies Leben stößt sie an genau die Mauern, die ihr die Familie durch das unstete Leben einst auferlegte. Schließlich muss sich Jeanette entscheiden, ob sie sich endgültig von den Ketten ihrer Vergangenheit lösen oder sie als einen Teil ihrer selbst akzeptieren will…

Ich kannte bisher das Buch nicht, ging also ohne ein wirkliches Bild vor Augen in die Vorpremiere zu diesem Film von Regisseur Destin Daniel Cretton (auch bekannt für Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott). Glücklicherweise konnte ich im Zuge der Kartenverlosung des SPIEGEL zwei Tickets ergattern. Gleich zu Beginn waren die starken Charaktere omnipräsent, allen voran die sehr überzeugende Brie Larson und ein brillianter Woody Harrelson, der wohl den gleichsam traumatisierten wie hochintelligenten Rex Walls wie kein Zweiter verkörpern kann. Eindringlich zeigt Cretton, wie Jeanette unter den einfachsten Bedingungen aufwuchs, ihr Wissen nicht durch die Schule, sondern durch die Erzählungen ihres Vaters erlangte, und viel zu früh lernen musste, auf sich selbst und ihre drei Geschwister aufzupassen. Die Rückblenden in ihre Vergangenheit, die ebenfalls durch sehr starke, jüngere Versionen ihrer selbst getragen werden, schildern eindringlich eine Kindheit zwischen Hunger und drohender Verwahrlosung, in der man sich dennoch durch eigenen Antrieb ein Ziel vor Augen bewahren kann, ohne im Sumpf der Eltern zu ertrinken. Der Film zeigt eine erstaunliche Lebensgeschichte, redet von Überlebenswillen und dem Wiederaufstehen nach schweren Schicksalsschlägen, und zeigt nicht zuletzt eine tragische Vater-Tochter-Beziehung, die ein Leben lang eben jenes prägt.

Mir persönlich ging die Geschichte der schriftstellerisch begabten Jeanette sehr nah und auch die darstellerische Leistung des Ensembles fand ich durchweg überzeugend, auch wenn ich mir hin und wieder gewünscht hätte, dass Naomi Watts ein wenig mehr von dem zeigt, was sie kann. Besonders ihre Darstellung der älteren Version von Jeanettes Mutter war hin und wieder zu farblos, als dass sie wirklich neben Harrelson und Larson Bestand hätte haben können. Oft will man Rex einfach nur schütteln und ihn anschreien, er möge sich doch endlich um seine Familie kümmern und so wirklich konnte ich nie Mitleid mit dieser gescheiterten Existenz empfinden. Es sind eindringliche zwei Stunden, die es hier zu verarbeiten gilt, und an der einen oder anderen Stelle hätte man die Handlung sicher etwas raffen können. Auch hätte ich mir mehr Einblick in Jeanettes schriftstellerisches Können gewünscht, doch hier stand eindeutig die Beziehung zu ihrer Familie und Vergangenheitsbewältigung im Vordergrund. Für mich war Schloss aus Glas ein empfehlenswerter, wenn auch sehr nachdenklich stimmender Film, den man sich nicht einfach zwischen Tür und Angel oder beim Abwasch anschauen darf.

Ab dem 21. September 2017 kommt der Film in die deutschen Kinos. Den Trailer könnt ihr euch hier anschauen.

[Review] Begabt – Die Gleichung eines Lebens

Die siebenjährige Mary (McKenna Grace) lebt bei ihrem Onkel Frank Adler (Chris Evans) in Florida in recht einfachen Verhältnissen. Dieser nahm sich nach dem Freitod der Mutter seiner kleinen Nichte an und kümmert sich um sie so gut es geht. Schnell wird jedoch klar, dass Mary nun allmählich zur Schule gehen muss, was dem aufgeweckten und selbstbewussten Mädchen alles andere als gefällt. Schicksalsergeben fügt sie sich, doch bereits am ersten Tag erkennt ihre Lehrerin Bonnie (Jenny Slate), dass Mary über Kenntnisse verfügt, die weit über die einer normalen Erstklässlerin hinausgehen. Marys Hochbegabung und ihre Unterforderung angesichts der einfachen Aufgaben des Grundschullehrplans veranlassen die Lehrerin, mit diesem Thema an Frank heranzutreten, der eine besondere Förderung jedoch konsequent ablehnt. Mary soll so normal wie möglich aufwachsen – ganz so, wie es sich ihre Mutter gewünscht hätte. Die Rechnung hat Frank jedoch ohne seine Mutter Evelyn (Lindsay Duncan) gemacht, deren Ehrgeiz ganz andere Pläne für Marys Werdegang hat.

Mary, exzellent gespielt von Mckenna Grace, wächst einem im Laufe des Films sehr ans Herz und ihr Schicksal wird durchweg ergreifend mit einer Prise Humor in Szene gesetzt. Das Zusammenspiel der Schauspieler funktioniert hier durchweg und bis zum Schluss fiebert man mit dem einsamen Mädchen mit, die mit Gleichaltrigen nicht viel anfangen kann und deswegen nur schwer Freunde findet. Chris Evans, den ich bisher nur aus Filmen wie Captain America kannte, ist hier in einer etwas ungewohnten, zurückhaltenden Rolle zu sehen, kann aber diese tatsächlich gut ausfüllen. Als es schließlich vor Gericht gegen die eigene Mutter geht, musste ich an der einen oder anderen Stelle schon ein wenig die Tränchen zurückhalten, wirft der Film doch Fragen auf, die das eigene Leben nicht nur von mir betreffen. Fragen wie: Ist Arbeit wirklich alles? Was ist im Leben wirklich wichtig – Erfolg oder Familie? Wie sollte ein so talentiertes Kind wie Mary gefördert werden und was ist überhaupt das Beste für ein solches Kind? Besonders wenn man wie ich im pädagogischen Bereich arbeitet, beschäftigt einen dieses Thema sehr, denn meist hat man doch eher mit jenen zu tun, die davor bewahrt werden müssen, nicht in der Masse unterzugehen, weil sie im Stoff nicht mitkommen. Die Förderung brauchen, und nicht wie Mary Forderung. Was mache ich, wenn ein Kind in meinem Unterricht komplett unterfordert ist und eigentlich viel mehr leisten könnte? Die Perspektive der Pädagogen wird hier zwar nur randseitig behandelt, was ja auch sonst zu sehr am Thema des Films vorbeigehen würde, ich fand diesen Gedankenanstoß für meine Arbeit jedoch sehr wertvoll.

Auch wenn Begabt hin und wieder doch arg auf die Tränendrüse drückt, empfand ich das Ensemble der Darsteller und die Geschichte als sehr stimmig und mitreißend. Bisher wird an vielen Stellen kritisiert, dass die eigenen Bedürfnisse des Kindes zu wenig im Vordergrund stehen und zu sehr mit Klischees gearbeitet wurde, dies habe ich jedoch an keiner Stelle als so drastisch empfunden. Für mich ist es ist ein Film fürs Herz, der ohne große Liebesgeschichte auskommt, sondern den Fokus klar auf das Schicksal eines Kindes legt, das auf dem schmalen Grat zwischen Genie und kleinem verspielten Mädchen wandert. Regisseur Marc Webb erzählt die Geschichte sehr feinfühlig und hat ein sehr emotionales Drama geschaffen, das ich jedem empfehlen kann.

Hier geht’s zum Trailer!

[Review] King Arthur: Legend of the Sword (2017)

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Wenn ich an König Artus und die Ritter der Tafelrunde denke, dann kommen mir längst nicht mehr angestaubte Bilder mit bunten Roben, graubärtige Magier und jungfräuliche Damen in den Sinn. Bereits 2004 verfolgte ich mit Begeisterung die Verfilmung von Antoine Fuqua, welche sich eher an dem historischen Stoff der Artuslegende orientierte und mit Clive Owen als Artus ein neu interpretiertes Bild des Mythos zeigte.

Nun war ich aufgrund des vielversprechenden Trailers sehr gespannt auf die neue Verfilmung, die wieder viel mehr Magie und vor allem auch mehr Action versprach. Guy Ritchie nahm sich des Stoffes an und setzte den aus Sons of Anarchy bekannten Charlie Hunnam in die Rolle des Königssohnes, der das Schwert aus dem Stein ziehen sollte.

Die Geschichte ist nicht neu, doch die Aufmachung umso mehr. Bereits zu Beginn wird man mitten hinein ins Schlachtgetümmel geworfen, in dem sich König Uther (Eric Bana) gegen den bösen Magier Mordred zur Wehr setzen muss. Dabei wird er von seinem machthungrigen Bruder Vortigern (Jude Law) hinterhältig ermordet und Arthur, nun Waisenkind, landet ausgesetzt in einem Boot bei einer Schar Prostituierten, die sich seiner annehmen. Zwischen Armut, Geldgier und Gewalt wächst er zu einem redegewandten Mann heran, der sich auch im Kampf zu behaupten weiß. Durch eine Verkettung von Intrigen gerät er, unwissend um seine Herkunft, schließlich in die Fänge von Vortigern, der nach dem Kind fieberhaft suchen lässt, welches als Einziges seine Herrschaft nun noch gefährden kann. Junge Männer in seinem Alter müssen reihenweise versuchen, das sagenumwobene Schwert Excalibur, die Waffe Uthers, aus dem Stein zu ziehen, und Arthur selbst hätte wohl am Wenigsten damit gerechnet, dass ausgerechnet er zu dieser Leistung imstande ist. Fortan wird er zur Zielscheibe von Vortigerns Häschern und muss sich entscheiden, ob er sein Schicksal annehmen will oder doch lieber die Flucht ergreift…

 

Was bereits zu Beginn auffällt, ist das rasante Tempo, was in diesem Film an den Tag gelegt wird. Von Szene zu Szene hetzen rauschende, in grau gehaltene Bilder, die Dialoge sind schnell und mit einem Schwung schwarzhumoriger Ironie, sodass man kaum Luft holen kann. Dabei werden viele Aspekte der Handlung erst im Nachhinein erklärt, was hin und wieder ein wenig für Verwirrung sorgt, sich aber schnell aufklärt. Man merkt dem Film an, dass er möglichst viele Aspekte der Handlung in die vorgegebene Zeit pressen will, weswegen einiges sehr gerafft wirkt und man vermutlich gern mehr davon gesehen hätte, um Arthurs Entwicklung zum König Englands nachvollziehen zu können. Hier trösten den Zuschauer die kunstvoll inszenierten Bilder über die eine oder andere inhaltliche Schwäche hinweg, denn die Optik ist eine der größten Stärken des Films. Die blitzartigen Schnitte wirken nirgends deplatziert, die ansehnlichen Kampfchoreografien sind an den richtigen Stellen im Zeitraffer dargestellt und der mitreißende Soundtrack von Daniel Pemberton untermalt das Ganze mit wuchtigen Klängen. Wer den Film in 3D schaut, kann sich auf tolle Effekte, klare Konturen und gut erkennbare Pop-Outs freuen, die das Herz eines jeden 3D-Freundes höher schlagen lassen. Qualitativ habe ich hier rein gar nichts auszusetzen.

Zu modern, werden hier einige monieren, zu hektisch und oberflächlich die anderen, ich jedoch habe mich von diesem Actionspektakel und seinen düsteren Fantasyelementen gern mitreißen lassen und genoss jede rauschhafte Minute. Überraschend war hier für mich vor allem ein durchaus glaubhafter Jude Law, der als Vortigern mit jedem Mittel an die Macht gelangen will. Vielleicht soll damit ein neuer Weg in der Schauspielkarriere des einstigen Frauenschwarms eingelegt werden – ein guter Grundstein wurde hiermit in jedem Fall gelegt.

Insgesamt ist King Arthur ein sehr sehenswerter Film, der eine alte Geschichte ganz neu interpretiert aufleben lässt. Dies gefällt vielleicht nicht jedem, vermag aber voll und ganz unterhaltsames Popcorn-Kino zu bieten

 

[Review] Silence

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Kürzlich durfte ich mir die Preview zu Silence ansehen, einen Film mit Liam Neeson, Andrew Garfield und Adam Driver. Der Regisseur Martin Scorsese erzählt die Geschichte eines Priesters, der im 17. Jahrhundert nach Japan reist, um dort den christlichen Glauben zu verbreiten. Zusammen mit Francisco Garrpe (Driver) reist der junge Sebastiao Rodriques (Garfield) in das ferne Land, auch um seinen ehemaligen Lehrmeister Ferreira (Neeson) zu finden, von dem berichtet wird, er hätte sich vom Glauben abgewandt. Das Bild, was sich den jungen Missionaren bietet, ist jedoch völlig anders als erwartet und erschüttert die beiden in ihren Grundfesten.

Zu allererst fielen mir die schönen Landschaftsaufnahmen und aufwendigen Kulissen auf, die dem Zuschauer sehr realitätsnah das Japan des 17. Jahrhunderts nahe bringen (auch wenn es in Thailand gedreht worden ist). Die beiden Hauptdarsteller, die gemeinsam in das ferne Land reisen, sehen jedoch von der beeindruckenden Umgebung nicht allzu viel, denn auf Priester ist eine hohe Geldsumme als Belohnung ausgesetzt. Versteckt und mit der ständigen Angst, entdeckt und hingerichtet zu werden, können sie nur nachts ihrer Missionierung nachgehen. Schnell wird klar, dass auch darauf der Fokus gelegt wird. Wie schaffen es die beiden, das Christentum trotz aller Gefahren, in diesem Land zu festigen? Wie können sie die christlichen Japaner unterstützen und gleichzeitig den verschollenen Ferreira finden? Die schauspielerische Leistung empfand ich dabei als sehr authentisch, besonders Andrew Garfield vermittelt das Bild des glühenden Priesters sehr glaubhaft. Was mich durch den ganzen Film hinweg arg gestört hat, war die fehlende differenzierte Sichtweise, denn den Blickwinkel der nicht konvertierten Japaner bekommt man lediglich am Ende und dann auch nur in Ansätzen mit. Durch die Bank wird heftig in Schwarz und Weiß gemalt und der Fokus auf die armen, gepeinigten Christen gelegt, die von den bösen, grausamen Japanern unterjocht werden. An eingängigen Folterszenen wird nicht gespart, um das Leid möglichst detailreich darzustellen, die Szenerie ist fast durchgängig düster in Nebel und Regen getaucht. Um jeden Preis wird am eigenen Glauben festgehalten, auch wenn es den eigenen oder den Tod anderer bedeutet. Dies ist ein authentisches Spiegelbild der damaligen Zeit, stößt mir aber dennoch sehr sauer auf. Ich hätte mir mehr verschiedene Blickwinkel gewünscht oder Beweggründe der Antagonisten, dies wird jedoch nur angetippt.

Insbesonders eine Szene ist mir im Gedächtnis geblieben. Der junge Rodriques wird in seiner Gefangenschaft vom Inquisitor dazu aufgefordert, seinem Glauben abzuschwören. Die Befreiung zahlreicher Christen, die vor ihm gefoltert werden, steht in Aussicht und doch ist dieser Akt für den nahezu fanatischen Christen ein Akt der Selbstverstümmelung. Zum Beweis seiner Abkehr soll er ein Bildnis Jesu mit den Füßen treten – eine Geste, die sehr oft im Film von den Christen verlangt wird. Eine Stimme im Off, offensichtlich der Heiland selbst, beruhigt Rodriques, er könne den Fuß ruhig auf sein Bild legen, immerhin hätte er schon genug gelitten. Hier kommt keine Ergriffenheit auf, allenfalls wirkt die Szene gezwungen und beinahe ins Lächerliche gezogen.

Für mich war dieser Film lediglich ein unreflektiertes Bild einer an und für sich interessanten Thematik und die knapp 3 Stunden zogen sich wie Kaugummi. Einen wirklichen Glaubenskonflikt angesichts des Schweigen Gottes vor so viel Leid und Elend war hier nahezu nirgends erkennbar. Schade um das verschenkte Potenzial!

[Review] Ex Machina

Irgendwann sehen die KIs auf uns zurück als aufrecht gehende Affen, dazu verdammt auszusterben.

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Wozu ist eine künstliche Intelligenz fähig? Diese Frage stellt sich zu Beginn des Films von Regisseur Alex Garland der Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson), der die Maschine Ava (Alicia Vikander) mit gezielten Fragen nach ihrem Verhalten abscannen soll. Bemerkt man, dass sie nur eine Maschine ist? Gibt es bei ihr menschliche Reaktionen, Fähigkeit zum komplexen Denken, wenn nicht sogar Gefühle? Nach und nach stellt Caleb fest, dass Ava weit mehr ist, als eine Mischung aus Schaltkreisen und Algorithmen. Stets unter der Beobachtung des egozentrischen Nathan (Oscar Isaac), dem Schöpfer der künstlichen Intelligenz, werden die Gespräche tiefgehender und persönlicher und allmählich muss Caleb feststellen, dass eine beunruhigend knisternde Verbindung zwischen ihm und Ava besteht. Dies wird durch die Tatsache, dass die KI eine ungeheure Ausstrahlung verliehen bekommen hat, nicht unbedingt besser und je länger Caleb in der bedrückenden Behausung von Nathan für die Testinterviews verweilt, umso mehr beginnt er an dessen Beweggründen zu zweifeln. Allmählich beschleicht ihn die dunkle Vorahnung, dass Ava in großer Gefahr schwebt und getrieben von seinen zwiespältigen Gefühlen reift in Caleb der perfide Plan, die KI aus den Fängen des alkoholabhängigen Nathan zu befreien.

Der Film konzentriert sich die ganze Zeit auf lediglich drei Charaktere, Ava, Caleb und Nathan, und spielt sich fast ausschließlich in dem Haus des KI-Schöpfers ab. Umgeben von einer wunderschönen Landschaft liegt das Haus abgeschieden von der Zivilisation, unbeobachtet von neugierigen Augen. Die Einsamkeit lastet bedrückend auf der Szenerie und es erscheint im Verlauf der Handlung nicht verwunderlich, dass Caleb irgendwann ernsthaft beginnt, an seinem gesunden Menschenverstand zu zweifeln. Die schauspielerische Leistung kann sich besonders von der Hauptdarstellerin durchaus sehen lassen, welche die Mischung zwischen der kalten Maschine und einer versteckten, mysteriösen Intelligenz meisterhaft hinbekommt. So wirken die beiden Männer der Geschichte schon fast flach neben ihr, obgleich man Domhnall Gleeson das Misstrauen und die innere Zerrissenheit durchaus abkauft. Dennoch kommt die Handlung nur schwer in Gang, da der Fokus eher auf den Gesprächen liegt, denen es an Geschliffenheit und Eloquenz deutlich fehlt. So zieht sich das Geschehen wie Kaugummi in die Länge und die ganze Zeit wartet man darauf, dass irgendetwas passiert, was das vorangegangene Gerede um nichts rechtfertigen würde. Sobald dies dann endlich der Fall ist, ist der Film auch schon vorbei, mit einem durchaus überraschenden, aber unbefriedigenden Ende. Hier soll offensichtlich Raum für eigene Interpretationen gelassen werden, die man jedoch nur anstellen kann, wenn man vorher nicht schon längst auf der Couch eingeschlafen ist.

[Review] Jackie

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Jackie ist ein tiefgehendes Biopic, in dem sich alles rund um das Schicksal der Jackie Kennedy dreht, die sich kurz nach der Ermordung ihres Mannes, dem Präsidenten J.F. Kennedy, dem Scherbenhaufen ihres bisherigen Lebens gegenübersieht. Nur eine Woche nach dem dramatischen Ereignis wird die gebrochene Frau interviewt und gibt dem Journalisten einen Einblick in ein Leben, welches nicht nur von Prunk und Glanz geprägt war. Ebenfalls erhascht der Zuschauer einen Blick direkt auf den Tag des Anschlags und bekommt eine Version dieses Ereignisses, die direkt aus der Sicht der Präsidentengattin berichtet.

Was zu Beginn auffällt, sind die eindringlichen Aufnahmen und Schnitte, die den Zuschauer ganz nah an Jaqueline Kennedy, herausragend gespielt von Natalie Portman, heranbringen. Auf pompöse, dramatische Musik wird sehr oft verzichtet, sodass man seine Aufmerksamkeit voll und ganz auf die Gefühlsregungen und die Mimik der Hauptfigur richten kann, die zwischen großer Verzweiflung, starrer Resignation und düsterer Erhabenheit schwankt. Mit Rückblicken gewinnt man einen Eindruck, wie Jackie Kennedy versuchte, aus dem Weißen Haus einen repräsentablen Ort zu machen, wie sie mit Selbstzweifeln kämpfte und wie sie alles daran setzte, das Begräbnis ihres Mannes gemäß seines politischen Status zu organisieren. Eine große Prozession sollte es werden, ganz in den Fußstapfen von Abraham Lincoln. Die ganze Zeit wirkt sowohl die Wahl der Schauspieler (u.a. Billy Crudup als Journalist und der erst kürzlich verstorbene John Hurt als Priester) als auch die zeitgenössischen Kostüme und Kulissen glaubwürdig und nie gekünstelt oder übertrieben. Bei der ganzen Eindringlichkeit, bei all den großen Charakteren und authentischen Gefühlen fehlte für mich hin und wieder aber eines: Empathie mit der Hauptfigur. Die wollte nämlich nie so wirklich aufkommen. Vielleicht soll gerade diese Distanz zu Jackie Kennedy entstehen, sodass man ihre Persönlichkeit objektiver betrachten kann. Mir hat jedoch hin und wieder der eine Funke gefehlt, der mir ihr Leid wirklich greifbar gemacht hätte. Nichtsdestotrotz hat Portman das Lob für diese Rolle mehr als verdient.

Insgesamt ist Jackie ein sehenswerter Film, der weit von dem seichtem Einheitsbrei der letzten Tage entfernt ist.