Kategorie: Spielrezensionen

[GR] Deus Ex: Human Revolution (Director’s Cut)

Eigentlich war es purer Zufall, dass ich mir dieses Spiel zugelegt habe. Im Zuge meines neuen Rechners war dringend neuer Stoff nötig, um mein Zockerherz zu erfreuen. Durch Zufall stieß ich im Laden dann auf Deus Ex: Human Revolution und die Story wirkte auf mich schon sehr sehr interessant.

Wir schlüpfen in die Haut von Adam Jensen, der zunächst als Polizist einen Angriff auf die Zentrale seines Arbeitgebers abwenden muss. Dabei verschwindet jedoch nicht nur seine Freundin, die hochtalentierte Wissenschaftlerin Megan Reed, sondern Adam wird lebensgefährlich verletzt. Allein die Augmentierungstechnologie kann sein Leben retten, zusätzlich nehmen Adams Bosse an dem Gesetzeshüter noch die eine oder andere „Verbesserung“ vor. Sechs Monbate später hat sich Adam körperlich wieder vollständig erholt, doch die technischen Modifizierungen an seinem Körper haben nicht nur äußerliche Spuren hinterlassen. Als technisch optimierter Cop macht er sich auf die Suche nach den Drahtziehern des Angriffs und kommt dabei einer unheilvollen Verschwörung auf die Spur.

Die Grafik ist natürlich schon etwas veraltet, doch die Geschichte entschädigt dabei vielfach die technischen Defizite um Einiges. Das Spiel verläuft durch die Hauptmissionen recht linear, einige Nebenmissionen und zahlreiche lesbare Emails oder eBooks schaffen aber die nötige Tiefe, um richtiges Rollenspiel-Feeling aufkommen zu lassen. Denn die Welt in der Zukunft wurde sehr tiefgründig herausgearbeitet und hier und da gibt es kleine Bezüge zu aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Problemen. Diesbezüglich bieten auch die Dialoge viel trockenen Humor und Adam ist trotz seines schweren Schicksals insgesamt einfach ein Protagonist, den man bewundern muss. Seine Suche nach der Wahrheit führt ihn u.a. von Detroit nach Shanghai und wieder zurück, während er mit den verschiedenen Parteien – Augmentierungsgegnern und -beführwortern – in Berührung kommt und schnell klar wird, dass beide Seiten gehörig Dreck am Stecken haben. Bietet diese Ausgangslage genügend Spielraum für Diskussionen, so sind es vor allem die moralischen Fragen, die diesem Spiel eine Menge Tiefgang verleihen. Wie weit darf der Mensch gehen, sich selbst durch technischen Fortschritt zu verbessern? Wo ist die Grenze zwischen Mensch und Maschine? Ab wann verliert man sich selbst im Strudel der rasant fortschreitenden Technisierung?

Während des Spiels hat man es deutlich leichter, wenn man sich auf seine Tarn- und Hacker-Kompetenzen fokussiert, auch wenn die Bosskämpfe doch etwas an Feuerkraft abverlangen. Einen reinen Shooter hat man hier demnach nicht vor sich, Schleichen und Nicht-gesehen-werden während eines Auftrags bringen sogar extra Erfahrungspunkte.

Die Atmosphäre ist angemessen düster, die genial geratene Musik unterstreicht jeden Spielabschnitt sehr treffend, sodass man schnell in die Spielwelt eintaucht und auch über klobige Texturen und steife Mimik hinweg sieht. Das Ende liefert dabei verschiedene Wege, ganz den eigenen Moralvorstellungen entsprechend und über das Thema, was mich stets ein wenig an Blade Runner erinnerte, kann man sicherlich im Nachhinein noch vielfach diskutieren. Was mir allerdings ein wenig sauer aufstieß, waren manche Lücken in der Story bzw. einige Ungereimtheiten. Gerade zum Ende hin hätte ich mir angesichts Adams verzweifelter Suche doch ein wenig mehr Emotion gewünscht, stattdessen ging dann alles Schlag auf Schlag dem Endkampf entgegen, ohne dass dem Held Zeit blieb, das Erlebte irgendwie zu verarbeiten. Aber vielleicht meckert da auch nur wieder die feminine Seite in mir 😉 Insgesamt haben wir hier aber eine tolle Spielwelt und spannende Missionen zusammen mit einem sehr coolen Hauptcharakter, was für mich absolutes Suchtpotenzial ergab. Noch dazu ist die deutsche Synchronisation perfekt. Dringende Kaufempfehlung!

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[GR] The Witcher 2

The Witcher 2: Assassins of Kings (Enhanced Edition) – Review*

Ich habe es jetzt endlich im ersten Durchlauf durchgespielt und konnte mir von dem Spiel ein eingehendes Bild verschaffen. Und dieses Bild ist – wie es auch nicht anders zu erwarten war – fabelhaft. Als allererstes fiel mir natürlich die neue deutsche Synchronisation von Geralt auf, die mich von meinem Synchro-Patch-Trauma aus Teil 1 ein bisschen kuriert hat. Geralt klingt jetzt wie er klingen muss: männlich, gleichgültig (als Hexer ist er ja vermeintlich nicht fähig zu Emotionen) und volltönend. So muss der Mann meines Rollenspiel-Vertrauens auch klingen, soviel steht fest, und nicht, als würde er lustlos seine Zeilen zwischen ein paar Whiskey runter rattern.

Wunderschöne Landschaften voller verborgener Gefahren und Schätze warten an jeder Ecke

Die Grafik sieht wunderschön aus, auch wenn ich manche Szenen etwas überbelichtet fand. Das kann aber auch an meinen Einstellungen gelegen haben, ich bin jetzt nicht eine, die stundenlang an ihrer Grafik herum schraubt (außer es ruckelt). Satte Farben, wunderbar detailreich dargestellte Monster und Menschen, bei denen sich allerdings die Gesichtszüge einen Tick zu oft wiederholen. Aber das kennt man ja schon aus Skyrim und Co., ich finde nicht, dass man da sonstwas erwarten kann. Die zentralen Figuren haben ihr charakteristisches Gesicht und das reicht doch eigentlich aus, oder? Die Landschaften sind sehr gut und passend düster gestaltet, es geht durch dichte Wälder mit vernebelten Sümpfen, von Geistern heimgesuchte Schlachtfelder und brennende Dörfer, auch wenn ich mir ein wenig mehr Abwechslung gewünscht hätte. Man verbringt ja doch ziemlich viel Zeit in einem Bereich und ich wäre mit Geralt gern ein wenig mehr herum gereist, wenn ihr versteht, was ich meine.  Die sammelbaren Kräuter sind jetzt nicht mehr karge Büschel auf dem Rasen, sondern fügen sich toll in die Umgebung ein, ranken an Mauern oder Baumstämmen, oder sind in Felsspalten eingebettet. Warme Fackellichter erhellen die Tavernen, Spiele von Licht und Schatten sehen auch sehr authentisch aus.

Meine erste Wahl: der Elfenanführer Iorweth. Verbittert und voller Hass auf die Menschen führt er seine Bogenschützen gegen ihre Übermacht.

Die Spielwelt hätte ich mir, wie bereits gesagt, etwas umfangreicher gewünscht, im ersten Kapitel konnte ich diesen elenden Wald irgendwann nicht mehr sehn und die Zwergenstadt fand ich so unübersichtlich, dass ich mich dort ständig verlaufen habe. Trotzdem herrscht überall das blühende, digitale Leben, Händler tauschen untereinander die neuesten Gerüchte aus, Betrunkene torkeln aus den Tavernen und andere Bürger flanieren gemütlich durch die Straßen. Insgesamt fand ich die Anzahl der zu erringenden Liebschaften für den Hexer (wir erinnern uns an die netten „Sammelkarten“ 😀 ) ziemlich gestutzt, natürlich gilt es hier und da noch die eine oder andere dankbare Elfe aufzureißen, aber insgesamt ist der Hexer doch bodenständiger geworden, was in Relation zu den Büchern ja auch irgendwo Sinn macht. Überhaupt trifft man daraus viele alte Bekannte, sowohl Freund als auch Feind als auch irgendwas dazwischen, denn derartig feste Grenzen gibt es in der Welt des Hexers ja erfrischenderweise nicht. Referenzen zur Buchvorlage sind also allgegenwärtig, aber auch ohne Vorkenntnisse findet man sich schnell zurecht und hat Spaß an der Geschichte. Ich empfehle ja immer, wenn vorhanden, die Speicherstände aus dem Vorgänger zu importieren, da viele Entscheidungen daraus sich hier auswirken oder zu ihrem Ergebnis kommen können. Die Dialoge sind wie gewohnt scharfsinnig, voller spitzer und zynischer Rhetorik und teilweise herrlich unter der Gürtellinie. Hier handelt es sich eben nicht um Feen-und-Elfen-Fantasy, sondern um eine fantastische Welt, die dennoch realistisch ist. Und so kann es schon mal vorkommen, dass Geralt nach einem volltrunkenen Kneipen- und Bordellbesuch halb nackt mit einer neuen Tätowierung aufwacht (die ich übrigens bis Spielende nicht wegbekommen habe *hmpf*).

Hexer töten keine Drachen. Oder? Dieser hier ist ein besonders biestiges und nerviges Exemplar, der mir viele Kerben in den Zähnen durch Knirschen und Fluchen verpasst hat.

Das Wichtigste an den Witcher-Spielen ist aber nach wie vor die Story, die düster, voller überraschender Wendungen und politischer Ränkespiele ist, aus denen sich der sonst neutrale Hexer ja eigentlich raushalten will. Entscheidungen prägen den Spielverlauf, die über das gesamte, weitere Vorgehensweise entscheiden können, und es kam nicht selten vor, dass ich zirka eine Viertelstunde vor dem Dialogfenster saß und mich nicht entscheiden konnte. Folge ich den Menschen oder schlage ich mich auf die Seite der Elfenrebellen? Beide haben sowohl ihre guten als auch ihre schlechten Seiten, doch bei wem überwiegt was? Rette ich eine Schar gefangener Frauen oder doch lieber meine eigene Haut? Bedrohe ich oder schmeichle ich, um an die gewünschte Information zu kommen? All das wird den Spieler während dieses grandiosen Spiels bewegen und fesseln, auch wenn natürlich eine gehörige Keilerei mit Monstern aller Art und den Häschern, die uns auf den Fersen sind, nicht zu kurz kommt. Hier zeigt sich mal wieder Geralts Expertise mit dem Schwert und seine Bewegungen sind schön und flüssig anzuschauen. Ich werde The Witcher 2  in jedem Fall noch mehrmals durchspielen, um die vielen möglichen Enden und verschiedenen Wege nicht zu verpassen, bis endlich Teil 3 im nächsten Jahr erscheint. Bis dahin solltet ihr euch das Spiel schleunigst zulegen, wenn ihr wissen wollt, was es mit den mysteriösen Königsmördern, die einer geheimnisvollen Hexerloge angehören, und der Vergangenheit Geralts auf sich hat, die endlich wieder in sein Gedächtnis zurückzukehren scheint.

 

 

*Die Bilder, die hier verwendet wurden, stammen von der offiziellen Homepage.

[Erste Eindrücke] Neverwinter

Die Vergessenen Reiche liegen mir stets besonders am Herzen, was in regelmäßigen Abständen traurig vor sich hin blutet, weil keine Spiele mehr in dieser Welt veröffentlicht werden. Sei es die Welt der Ebenen von Planescape Torment, die Welt Faerûns aus „Baldurs Gate“, „Icewind Dale“ und „Neverwinter Nights“ – ich fühle mich überall heimisch und zuhause. Umso erfreuter war ich, als ein neues Spiel in dieser Welt angekündigt worden ist und das auch noch rund um die Stadt, in der ich in früheren Spielen schon oft unterwegs war: Neverwinter.

Wie immer kritisch betrachtete ich die Tatsache, dass es ein MMORPG werden sollte, zwar Free2Play, dennoch online und somit für mich schlagartig weniger interessant. Ich habe mich schon sehr oft an Onlinespielen versucht, konnte aber nie wirklich dran bleiben, weil mir diese Offenheit und die vielfach vorhandene Eintönigkeit von Quests schwer auf den Magen schlägt. Noch dazu bin ich gegen jegliche kostenpflichtige Abos, was die Auswahl ja nun auch wieder um einige doch erfolgreiche und interessante Titel einschränkt. Dennoch kam ich nicht umhin, in meine geliebten Vergessenen Reiche hinein zu schnuppern, um zu schauen, wie es hier umgesetzt worden ist. Derzeit befindet sich Neverwinter noch in der Beta Phase, was natürlich nicht immer einen glatten Spielverlauf gewährleistet. Dennoch muss ich sagen, dass die Spielwelt wirklich hübsch gestaltet ist, die Landschaft sieht toll aus und innerhalb Neverwinters herrscht stets buntes und geschäftiges Treiben, in das ich mich gern stürze. Die Aufträge waren auch einigermaßen interessant, sodass ich denke, doch demnächst öfter hier vorbei zu schauen, je nachdem, wie lange die Motivation anhält.

Zugegebenermaßen habe ich durch dieses Spiel wieder richtig Lust auf den Klassiker bekommen und prompt installiert. Storytechnisch sind für mich eben die (linearen) Offline-Spiele immer fesselnder. Vielleicht fehlt mir einfach nur der richtige Mitspieler? Die richtige Einstellung? Star Wars: The Old Republic fand ich ja anfangs auch toll, hab’s nur irgendwann wieder liegen lassen, weil es mir nicht genug Spannung bereit hielt. Mag auch daran liegen, dass ich andauerndes Streben nach höheren Levels eintönig finde, es meist schleifen lasse und prompt beim ersten richtigen Endboss im Staub lande. Trotzdem versuch ich erst mal weiter online mein Glück und schaue, wie sich das Spielerlebnis so entwickelt … eines kann ich nur schon einmal sagen: Atmosphäre gibts nach wie vor viel, viel mehr im alten „Neverwinter Nights“ (oder im fast noch besseren AddOn „Die Horden des Unterreichs“…). Da kann ich nicht aus meiner Haut …